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Experte: Warenhäuser werden vom Generalisten zum Spezialisten

Die Warenhäuser in Deutschland werden ihr dicht gedrängtes Sortiment nach Einschätzung des Eurohandelsinstituts weiter auslichten. „Ihr Erfolgsrezept war: Alles unter einem Dach“, sagte EHI-Geschäftsführer Michael Gerling in einem dpa-Gespräch.

dpa DÜSSELDORF. Die Warenhäuser in Deutschland werden ihr dicht gedrängtes Sortiment nach Einschätzung des Eurohandelsinstituts weiter auslichten. "Ihr Erfolgsrezept war: Alles unter einem Dach", sagte EHI-Geschäftsführer Michael Gerling in einem dpa-Gespräch.

Das funktioniere angesichts der großen Konkurrenz durch Fachmarktketten und Lebensmittel-Discounter heute nicht mehr an jedem Standort. Die schon in den 70er Jahren begonnene Spezialisierung der Warenhäuser müsse fortgesetzt werden. "Das Warenhaus der Zukunft wird entweder ein Mega-Spezialist oder ein Anbieter von Saisonware sein."

Nachdem bereits Möbel, Autozubehör und Werkzeug aus den Regalen genommen wurden, sollten auch andere Warengruppen wie Lebensmittel und Bücher auf den Prüfstand gestellt werden. "Bücher sind ein hoch interessantes Geschäft", schilderte Gerling. In dem Bereich hätten die Warenhäuser in den vergangenen Jahren Umsatz vor allem an neue Großbuchhandlungen mit bis zu 4 000 Quadratmeter Verkaufsfläche verloren. Deshalb sollten sich jetzt Warenhausmanager vielerorts die Frage stellen: "Wenn Bücher, warum nicht auf einer ganzen Etage?"

Eine andere Möglichkeit sei, von den Lebensmittel-Discountern und dem Kaffeeröster Tchibo zu lernen. Gerade kleine Warenhäuser könnten einen gewissen Teil ihrer Verkaufsfläche für saisonale Aktionen reservieren. "Da liegt das passende Gartenbuch mit dem Arbeitsgerät auf der Gartenbank unter dem Sonnenschirm", verdeutlichte der Experte. Während Karstadt das ganze Jahr hunderte Töpfe und Messer anbiete, stoße Aldi einmal im Jahr in dieses Sortiment mit einem Topf und einer Durchschnittsgröße. "Dann rennen alle Leute hin, decken dort ihren Bedarf, und der Markt ist für Monate abgefischt."

Probleme der Warenhäuser seien neue Konkurrenz und ein verändertes Konsumverhalten. "Vor 20 Jahren gab es dieses Nonfood-Postengeschäft noch nicht", unterstrich Gerling mit Blick auf Aldi & Co. Während ein breites Dauerangebot bei den Warenhäusern viel Kapital binde, würden Discounter ihre Lieferanten oft erst bezahlen, wenn das Geld bereits in der Kasse sei. Die gewaltige Sortimentsleistung der Warenhäuser und des Fachhandels werde nicht mehr in dem Maße von den Verbraucher honoriert. Eine Ausdünnung des Warensortimentes sei die Folge.

Das Warenhaus habe aber dennoch eine Zukunft. "In vielen Ländern gehören Kaufhäuser zu den erfolgreichsten Vertriebstypen überhaupt." Spanien und die Schweiz seien Beispiele. In Deutschland habe der Kaufhof mit dem Galeria-Konzept früher und schneller als Karstadt auf die Marktveränderungen reagiert. Bei der Sanierung von Karstadt-Quelle seien Einschnitte unumgänglich. Auf besseres Wetter zu warten, wäre illusorisch: "Der Markt wächst nicht. Er ist seit zehn Jahren nicht gewachsen. Das wird auch so blieben", betonte der Handelsexperte.

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