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Experten: Ängste prägen auch die nächste Börsenwoche

Weltweit dürften die Aktienmärkte nach Einschätzung von Experten auch in der kommenden Woche von Rezessions- und Kriegsängsten bestimmt sein. Ausschlaggebend für den Handel seien vor allem mögliche Militäraktionen der USA, sagten Händler und Analysten.

Reuters FRANKFURT. "Sollte da etwas in dieser Richtung passieren, wird es am Montag wahrscheinlich weiter runter gehen", sagte ein Händler. Nur wenige Börsianer gingen von steigenden Kursen in der kommenden Woche aus; nach dem Kursverfall sei die Mehrheit der Aktien fundamental völlig unterbewertet, begründeten sie ihre Prognose.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hatte am Freitag den Handel 0,6 % schwächer verlassen. Damit büßte der Leitindex über die Woche mehr als zwölf Prozent ein und seit den Anschlägen vom 11. September mehr als 20 %. Den Neuen Markt traf es noch härter: Der Nemax50-Index schloss am Freitag auf einem Rekordtief von 680 Punkten und damit mit einem Verlust von 25 % seit den Anschlägen. Händler sprachen teilweise von panikartigen Verkäufen. An den New Yorker Börsen erlitten die Aktien über die Woche die größten Kursverluste seit der Depression der 30er Jahre. Nur wenige Papiere hatten keine Verluste zu verbuchen, alle Sektoren zog es nach unten.

Dabei verzeichneten die Börsen nach Händlerangaben das bisher größte Handelsvolumen, nachdem die Wall Street nach den Anschlägen vier Handelstage lang geschlossen geblieben waren.

Der Dow-Jones-Index 30 führender Industriewerte fiel am Freitag um 1,68 % auf 8236 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index ging um 3,25 % auf 1423 Zähler zurück. Während der Woche gab der Dow-Jones-Index insgesamt 14,2 % nach, der Nasdaq-Index 16 %. Auch die Londoner Börse hatte den Handel am Freitag mit einem Minus von 2,7 % geschlossen. Der FTSE 100-Index der 100 wichtigsten Werte ist seit den Anschlägen um rund 13 % eingebrochen.

Einige Notenbanken hatten zu Wochenbeginn eine Senkung ihrer Leitzinsen vorgenommen, um den Handel an den Märkten zu stützen und einer weltweiten Rezession durch Bereitstellung von zusätzlicher Liquidität vorzubeugen. So hatten zum Beispiel die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Montag in einer gemeinsamen Aktion die Zinsen jeweils um 50 Basispunkte gesenkt. Per Definition tritt eine Rezession ein, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpft.

Am Samstag sagte der portugiesische Zentralbankchef Vitor Constancio bei einem Treffen der EU-Finanzminister in Lüttich, die Europäische Zentralbank (EZB) sehe eine Rezession als vermeidbar ansehe. Zwar hätten die Anschläge auf die USA auch auf Europa negative Auswirkungen, doch erwarte man immer noch positive Wachstumsraten.

Dagegen gaben 24 von 25 von Reuters befragte US-Händler an, dass sich ihrer Einschätzung zufolge die US-Wirtschaft bereits in einer Rezession befinde. Das Wirtschaftswachstum werde sich nicht vor der zweiten Hälfte des kommenden Jahres erholen.

Während die Börsen einbrachen, verzeichneten Industriestatistiken in dieser Woche lediglich einen Rückgang der Investitionen von US-Risikokapitalgebern (Venture Capitalists) von acht Prozent. Diese vergleichsweise geringe Zahl zeige, wie vorsichtig die Risikokapitalbranche schon vor den Anschlägen gewesen sei, sagte ein Analyst.

Am deutschen Aktienmarkt dürften nach Einschätzung der Experten weiterhin die Papiere der Versicherungs- und Rückversicherungsbranche sowie der Fluggesellschaften unter Druck stehen. Diese Titel litten unter den wirtschaftlichen Folgen der Anschläge, die in ihrem genauen Ausmaß noch gar nicht auszumachen seien, sagten Händler.

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