Experten analysieren die Marktsituation
Dax: Ausrutscher oder Anfang des Ausverkaufs?

Der jüngste Einbruch des Dax auf 3235 Punkte wird Analysten zufolge nicht das letzte Jahrestief gewesen sein. Sämtliche fünf Bärenmärkte seit 1990 seien jeweils zwischen Ende September und Anfang Oktober beendet worden, meinen Experten. Es gibt aber auch positivere Stimmen im Markt.

vwd FRANKFURT. Frühestens Ende September werde der Kursverfall zum Halten kommen. Die fundamentalen Gründe: Unternehmen reduzierten die Gewinnschätzungen, die Aktien seien in der Folge weiter zu hoch bewertet und die Konjunktur ziehe nicht wie erhofft an. Sämtliche fünf Bärenmärkte seit 1990 seien jeweils zwischen Ende September und Anfang Oktober beendet worden, berichten Beobachter.

Es gibt aber auch positivere Stimmen im Markt. Zumindest auf kurze Sicht könne sich der Dax bis auf 4000 Zähler befestigen, heißt es. Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt prognostiziert vorerst eine Stabilisierung innerhalb einer breiten Trading-Range. "Ich denke, wir haben tatsächlich die Tiefs gesehen", sagt der Analyst. Der Dax werde sich zwischen 3230 und 3550 Zählern seitwärts bewegen. Strategische Käufe seien aber nicht ratsam und auch nicht zu erwarten, der Handel werde vom Trading-Geschäft bestimmt. Fundamental seien die reduzierten Gewinnprognosen der Hauptgrund für die Schwäche, die Kurse seien weiterhin überbewertet. "Mehr als 15 bis 20 Prozent Aufwärtspotenzial sind mittelfristig nicht drin", lautet sein Fazit.

Seine Prognosen für Einzelwerte fallen nach den jüngsten Tiefständen unterschiedlich aus. Allianz, am Dienstag auf ein neues Jahrestief bei 115,75 zurückgefallen, befinde sich in einer sehr breiten Support-Zone von 82 bis 157 ?. "Das Restrisiko für die Aktie ist gering, sie ist überverkauft und dürfte sich technisch erholen", heißt es. Anders bei SAP: Das neue Jahrestief von 63,50 ? sei "mit Sicherheit" nicht das letzte Wort, die Aktie habe Abwärtspotenzial bis in die Zone von 48 bis 45 ?. "Der Fall aus der Unterstützungszone von 85 bis 90 Euro hat hier klare Verkaufssignale ausgelöst", sagt Schilbe.

Technischer Analyst erwartet neue Lows

Neue Lows innerhalb des langen Trendkanals bei 2900 Stellen erwartet dagegen der technische Analyst Marcel Mußler. Erst bei Kursen oberhalb des markanten Tiefs bei 3625 Stellen dürfte wieder "substanziell" gekauft werden. Dann zeige das Dax-Chartbild erstmals eine mittelfristige Stabilisierung. Das Erholungspotenzial sei durch die massive Widerstandszone bei 3900/4000 Punkten begrenzt. "Wir sprechen aber immerhin von 30 Prozent Erholungspotenzial", sagt Mußler. Er weist darauf hin, dass die unvermindert hohe Volatilität den Blick auf die "normale Börsenrealität" zuletzt etwas vernebelt habe.

Die Tiefs vom Montag nennt Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank einen Ausrutscher, falls der Dax am Dienstag eine technische Korrektur vollziehen sollte. "Den Boden haben wir aber noch nicht gesehen." Kurzfristig könne sich der Dax auf 3500 Zähler erholen, mittelfristig deuteten die Signale aber auf Verkaufen. "Historisch phänomenal" sei der anhaltende Optmimismus der Anleger angesichts fallender Kurse, der sich zum Beispiel in der Put/Call-Ratio im Dax-Future widerspiegele. Gutmann erinnert an die Krise Ende 1997/Anfang 1998, als sich die Investoren aus Angst vor weiter fallenden Kursen von ihren Beständen getrennt hätten. "Dieser Ausverkauf steht uns noch bevor", resümiert Gutmann.

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