Experten aus Wirtschaft, Forschung und Politik blicken mit gemischten Gefühlen in das Jahr 2005
Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos

Deutschland im Jahr 2005: ein Problemfall oder auf dem Weg zur Besserung? Unmittelbar vor dem Jahreswechsel hat das Handelsblatt zehn Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zu ihren Sorgen, Hoffnungen und Ratschlägen befragt.

HB DÜSSELDORF. Ihre teils augenzwinkernden Antworten lesen Sie in diesem Special. So unterschiedlich die Antworten im Einzelnen auch ausfallen: Zwischen den Zeilen zeigt sich, dass trotz aller Skepsis über die kurzfristige Konjunkturperspektive die Grundstimmung vieler Experten verhalten positiv ist - weil sie auf die Reformfähigkeit des Standorts vertrauen.

Den viel zitierten Satz aus Heinrich Heines "Wintermärchen" "Denk ich an Deutschland in der Nacht . . ." vervollständigt nur DIW-Präsident Klaus Zimmermann wie im Original mit den Worten: ". . . dann bin ich um den Schlaf gebracht", schließlich sei "noch viel zu tun". Die größten Hoffnungen der Befragten ruhen in aller Regel auf der trotz der Aufwertung des Euros immer noch als hoch eingeschätzten internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Folglich bereitet den meisten Experten eine mögliche weitere Aufwertung der Gemeinschaftswährung die größten Sorgen.

So unterschiedlich wie die ökonomischen Denkrichtungen der Experten sind auch ihre Auffassungen von richtiger und falscher Wirtschaftspolitik. So wünscht sich DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer, dass Bundeskanzler Schröder die Makropolitik in den Mittelpunkt stellt. Dagegen rät Joachim Fels, Volkswirt bei der US-Investmentbank Morgan Stanley, zu mehr Deregulierung.

Uneinig sind sich die Befragten, wer im kommenden Jahr in der Wirtschaftspolitik die wichtigste Rolle spielen wird - neben Bundeskanzler Schröder und Wirtschaftsminister Clement nennen die Befragten auch den Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die Kultusminister und den Vorsitzenden des Vermittlungsausschusses. Ulrich Hombrecher, Chefvolkswirt der WestLB, bezweifelt sogar, dass es im kommenden Jahr überhaupt eine wirtschaftspolitisch herausragende Person geben wird, und beklagt, es mangele "seit Jahren an Persönlichkeiten vom Format eines Ludwig Erhard oder Karl Schiller".

Die zehn Experten

Peter Bofinger ist seit 2004 auf Empfehlung der Gewerkschaften Mitglied im Sachverständigenrat. Der keynesianisch orientierte Ökonom hat eine Professur für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Würzburg.

Joachim Fels arbeitet als Europa-Chefvolkswirt bei der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley in London. Er ist Mitglied des im November 2002 auf Initiative des Handelsblatts gegründeten EZB-Schattenrates.

Ulrich Hombrecher ist Chefvolkswirt der WestLB mit Sitz in Düsseldorf. Zuvor leitete er viele Jahre lang die Konjunkturabteilung des Rheinisch- Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

Bernd Pischetsrieder ist seit April 2002 Vorstandsvorsitzender der Wolfsburger Volkswagen AG. Der studierte Maschinenbauer hatte zuvor mehr als 25 Jahre bei BMW gearbeitet, von 1993 bis 1999 als Vorstandschef.

Heinz Putzhammer ist seit 1998 Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der gebürtige Bayer ist Lehrer und Mitglied in der SPD. Er hat mehrere Aufsichtsratsmandate.

Dennis Snower ist seit Herbst 2004 neuer Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Der in Wien aufgewachsene Amerikaner hat sich vor allem mit seiner Arbeitsmarktforschung international einen Namen gemacht.

Martin Wansleben ist seit 2001 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Der promovierte Volkswirt war zuvor Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Wolfgang Wiegard ist seit April 2002 Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Der Finanzwissenschaftler lehrt Volkswirtschaftslehre an der Universität in Regensburg.

Eckhard Wurzel ist Leiter der Deutschland-Abteilung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Der Volkswirt beobachtet den Reformprozess in seinem Heimatland von Paris aus.

Klaus F. Zimmermann leitet in Personalunion das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und das Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn. Zudem lehrt er an Universitäten in beiden Städten.

Mit welchem "Bauchgefühl" blicken Sie der konjunkturellen Entwicklung 2005 entgegen?

Bofinger: Mit einem eher gemischten Gefühl, da die Konjunkturrisiken recht hoch sind.

Fels: Mein Bauch sagt mir, dass sich 2005 besser "anfühlen" wird als 2004, obwohl das Wirtschaftswachstum niedriger ausfallen dürfte.

Hombrecher: Ein Grummeln in der Magengegend signalisiert mir, dass 2005 konjunkturell ein schwieriges Jahr sein wird und unsere "Kopf- Prognose" von 1,25 Prozent Wachstum noch zu hoch sein könnte.

Pischetsrieder: Mein Bauchgefühl ist vorsichtiger Optimismus. Optimismus muss sein, denn wie Theodor Heuss einmal gesagt hat: Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.

Putzhammer: Bauchschmerzen verursacht mir die Spaltung der Konjunktur.

Snower: Mit einem unguten. Die Schwankungen im Dollar-Kurs, die Ungewissheit bezüglich des chinesischen Investitionsbooms, die Lage im Irak und die zukünftige Energieversorgung machen die weltwirtschaftliche Lage sehr ungewiss.

Wansleben: Das nächste Jahr wird mit 1,5 Prozent Wachstum konjunkturell besser, als manche erwarten. Am Arbeitsmarkt wird das aber kaum etwas bewegen.

Wiegard: Der Sachverständigenrat verlässt sich nicht auf seine "Bäuche", sondern auf ökonometrische Prognosemodelle. Da sieht es für 2005 nicht überwältigend aus, aber mit einer Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent liegt Deutschland immerhin über seinem Potenzialwachstum.

Wurzel: Mit einem flauen.

Zimmermann: Eindeutig positiv. Die deutsche Wirtschaft setzt ihren sanften Aufschwung stetig fort. Nach Exporten und Investitionen bewegt sich auch der Konsum, die Impulse werden selbst tragend.

Was macht Ihnen mit Blick auf die deutsche Wirtschaft die größte Hoffnung?

Bofinger: Die hervorragende internationale Wettbewerbsposition unserer Industrie.

Fels: Die Fortschritte bei der Senkung der Arbeitskosten und die damit verbundene beginnende Auflösung des Investitionsstaus.

Hombrecher: Dass die Unternehmen bei der Konsolidierung und Restrukturierung weit vorangekommen sind.

Pischetsrieder: Das LKW-Geschäft war bislang immer ein Frühindikator. Das gute Geschäft der Branche im laufenden Jahr deutet darauf hin, dass die Investitionsbereitschaft steigt.

Putzhammer: Die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft.

Snower: Die Botschaft der beiden großen Parteien, weiter eine durchgreifende Reform der Arbeitsmarktpolitik zu verfolgen.

Wansleben: Die zunehmenden Anzeichen, dass der konjunkturelle Funke auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen überspringt.

Wiegard: Die Tariflohnabschlüsse werden verhalten bleiben (trotz verfehlter Ratschläge einzelner gewerkschaftsnaher Ökonomen); die Exporte werden weiter gut laufen (wenn auch mit verringertem Tempo); die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen bleibt gut.

Wurzel: Dass die deutsche Wirtschaft ein hohes Maß an internationaler Wettbewerbsfähigkeit besitzt.

Zimmermann: Der konsequente Reformkurs von Schröder und Clement.

Und was sind die größten Sorgen?

Bofinger: Die vielen Nullrunden und Kostensenkungsprogramme unserer Unternehmen, die ein gefährliches deflationäres Potenzial aufweisen.

Fels: Die Rezession in den Köpfen der Verbraucher und die Überbewertung des Euros.

Hombrecher: Dass - anders als von uns erwartet - der globale Aufschwung erheblich an Dynamik verlieren könnte. Dann geriete die Erholung in Deutschland ins Stocken.

Pischetsrieder: Die Dollar-Entwicklung. Der Einfluss der Dollar- Schwäche geht weit über das USA-Geschäft hinaus. So werden beispielsweise alle Ergebnisse, die wir in China erzielen, mit dem Dollar schlechter. Der Dollar macht noch mehr Sorgen als das Konsumklima in Deutschland.

Putzhammer: Die chronische Schwäche der Binnennachfrage und der Dogmatismus der wirtschaftspolitischen Debatte in Deutschland.

Snower: Dass die wirtschaftspolitischen Fortschritte am Arbeitsmarkt durch ineffiziente Umverteilungspolitik zunichte gemacht werden.

Wansleben: Der Reformeifer darf jetzt nicht nachlassen: Stillstand bis zur nächsten Bundestagswahl wäre gleichbedeutend mit Rückschritt.

Wiegard: Die Lage der öffentlichen Finanzen: Es wäre fatal, wenn die Defizitbegrenzung des Stabilitätspakts erneut nicht eingehalten würde. Auch die Wechselkursentwicklung kann Anlass zur Sorge sein.

Wurzel: Dass sich die Korrektur des US-Leistungsbilanzdefizits über starke Abwertungen des Dollars vollziehen könnte. Das könnte die deutsche Volkswirtschaft hart treffen, da sie einseitig von Exporten abhängt.

Zimmermann: Das Scheitern der Föderalismuskommission.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Denk ich an Deutschland in der Nacht . . .

Bofinger: ... seh ich es derzeit - zumindest in Würzburg - in seiner ganzen winterlichen Pracht.

Fels: ... dann hab ich am Tage etwas falsch gemacht.

Hombrecher: ... seh ich das Land nach vorn gebracht. / Weil Schöpfergeist und Schaffenskraft / nach Reformen Wohlstand schafft.

Pischetsrieder: Lassen sie mich auf Heinrich Heine mit Heine antworten. Als er ein junger Mann war, bestieg er einmal den Brocken. Danach hat er ins Gästebuch geschrieben: Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine. Eine solche Stimmung spüren wir zurzeit in Deutschland. Doch Heine bestieg den Berg in späteren Jahren öfters: Die Steine waren immer noch da, die Beine aber nicht mehr so müde, und die Aussicht war gut. Objektiv gesehen ist auch die Aussicht in Deutschland besser als die Stimmung.

Putzhammer: ... habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Folgen einer Überdosis falscher Medizin endlich zu einem Arztwechsel führen.

Wansleben: ... wünsche ich uns, dass wir mit viel mehr Freude die Zukunft dieses wunderbaren Landes in Europa gestalten.

Wiegard: ... bin ich NICHT um den Schlaf gebracht.

Wurzel: ... so fällt mir ein, dass das Land auch viele Stärken hat Zimmermann: ... dann bin ich um den Schlaf gebracht - es gibt zu viel zu tun.

Was könnte die größte wirtschaftspolitische Überraschung werden?

Bofinger: Dass es trotz weiter sinkenden Lohnkosten zu keiner Belebung der Investitionen und der Beschäftigung kommt.

Fels: Ein kräftiges Wachstum der Beschäftigung, ausgelöst durch den Rückgang der Arbeitskosten und die Anreize, die Hartz IV setzt.

Hombrecher: Dass sich Regierung und Opposition angesichts ausufernder Staatsverschuldung auf ein Konzept zur Sanierung der Staatsfinanzen verständigen.

Pischetsrieder: Schön wäre, wenn es gelingen würde, die Zahl der Arbeitslosen auf unter vier Millionen zu drücken.

Putzhammer: In negativer Hinsicht könnte Deutschland in die Stagnation zurückfallen. In positiver Hinsicht könnte die Forderung nach einer aktiven Konjunkturpolitik an politischer Unterstützung gewinnen.

Snower: Wie die USA mit ihrem Leistungsbilanzdefizit fertig werden.

Wansleben: Vielleicht setzt sich in der Bundesregierung doch noch die Einsicht durch, dass die Gesundheitsprämie der Bürgerversicherung überlegen ist.

Wiegard: Große wirtschaftspolitische Überraschungen sind nicht zu erwarten.

Wurzel: Wenn sich die Erkenntnis durchsetzte, dass regulatorische Reformen, die die Marktkräfte stärken, für Ostdeutschland hilfreicher sind als Dauersubventionen und Transfers.

Zimmermann: Dass Hartz IV bereits 2005 zu einem deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit führt und Deutschland den Stabilitätspakt einhält.

Bitte spekulieren Sie: Welchen Titel wird das Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen 2005/2006 tragen?

Bofinger: "Nach der Reform ist vor der Reform".

Fels: In Umkehr des diesjährigen Titels: "Erfolge im Inland - Herausforderungen im Ausland".

Hombrecher: "Mut zum Investieren - Wider den Pessimismus".

Pischetsrieder: Ich hoffe, er lautet: "Neues Konsumentenvertrauen stärkt die Binnenkonjunktur".

Putzhammer: "Deutschland braucht eine Renaissance der Makroökonomie".

Wansleben: "Deutschland für den demographischen Wandel rüsten".

Wiegard: Ich verarbeite noch das Jahresgutachten 2004/2005, vor Januar mache ich mir definitiv keine Gedanken über das kommende.

Wurzel: "Schon wieder Zeit zum Handeln - Antriebskräfte verbreitern" - eine Mutation des Titels von 1993/94.

Zimmermann: "Vor der Entscheidung - Deutschland an der Wende".

Welche der bisherigen Reformen in Deutschland wird am meisten unterschätzt?

Bofinger: Die Rentenreformen der letzten Jahre, durch deren Absenkungen der Leistungsniveaus die demographischen Probleme der nächsten Jahrzehnte weitgehend "gelöst" worden sind.

Fels: Hartz IV.

Hombrecher: Die mittelfristigen Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen im Zusammenspiel mit der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitszeit und Öffnungsklauseln in Tarifverträgen.

Pischetsrieder: Die Riester-Rente, sie markiert den Einstieg in eine breite, kapitalgedeckte Altersversorgung - eine Wende, die seit 50 Jahren überfällig war.

Putzhammer: Die Debatte über die Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts.

Snower: Hartz IV.

Wansleben: Die ungeliebte Praxisgebühr. Sie ist ein erstes Element zu mehr Eigenverantwortung im Gesundheitswesen und hat ihre Lenkungswirkungen entfaltet.

Wiegard: Die Arbeitsmarktreformen. Man kann immer mehr fordern, aber endlich ist auf dem Arbeitsmarkt etwas in Bewegung geraten.

Wurzel: Die Deregulierung des Handwerksrechts - ein verhaltener, aber wichtiger Schritt hin zu mehr Dynamik bei Unternehmensgründungen und der Schaffung von Beschäftigung.

Zimmermann: Hartz IV. Richtig umgesetzt, bringt diese Reform einen drastischen Mentalitätswechsel.

Und welche wird am meisten überschätzt?

Bofinger: Hartz IV.

Fels: Die Rechtschreibreform.

Hombrecher: Die Nachhaltigkeit der Gesundheitsreform. Die bisherigen Maßnahmen verschaffen lediglich eine Atempause, die grundlegende Systemreform steht noch aus.

Pischetsrieder: Die Einkommensteuerreform. Viel dringlicher, als weniger Steuern zu zahlen, ist die Vereinfachung des Systems an sich.

Putzhammer: Die Arbeitsmarktreformen.

Snower: Die Vorschläge, die beide großen Parteien zur Reform der Krankenversicherung machen.

Wansleben: Vielleicht die Hartz-Reformen - sie sind wichtig, sind aber nicht wirklich geeignet, die Probleme am Arbeitsmarkt zu lösen.

Wiegard: Eigentlich nichts, weil wir in Deutschland eher zum Jammern neigen.

Wurzel: Die Subventionierung von Ich-AGs, vor allem wegen der zu erwartenden Mitnahmeeffekte.

Zimmermann: Die Rentenreform. Sie bringt nur sehr kurzfristig Linderung. Und die Minijobs: Das sieht gut aus, kostet aber reguläre Jobs.

Angenommen, der Bundeskanzler würde Sie um einen wirtschaftspolitischen Rat bitten, was würden Sie ihm empfehlen?

Bofinger: Die völlig unsystematische Förderung der Minijobs muss dringend auf den Prüfstand gestellt werden. Auf globaler Ebene sollte er auf eine Reform der internationalen Währungsverhältnisse hinarbeiten, die derzeit weitgehend durch Anarchie gekennzeichnet sind, von der vor allem die USA profitieren.

Fels: Weniger Industriepolitik und mehr Deregulierung bei den Dienstleistungen zu betreiben, denn dort liegen die Beschäftigungschancen.

Hombrecher: Das Reformtempo in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode nicht zu drosseln und mit einem Konzept für eine integrierte Reform des Gesundheits- und Steuersystems in den Bundestagswahlkampf zu gehen.

Pischetsrieder: Auch wenn es auf den ersten Blick paradox klingt, ich würde ihm raten, keine Reformpolitik mehr zu machen. Denn das Wort Reform ist in Deutschland derzeit - zu Unrecht - ein Synonym für Schlechterstellung geworden. Deswegen würde ich den ersten Teil dieses Begriffes streichen. Schröder solle "einfach" gute Politik machen.

Putzhammer: Die Makropolitik in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik zu stellen. Geld- und Finanzpolitik muss konjunkturgerecht ausgestaltet und koordiniert werden. Die Lohnentwicklung sollte der Produktivitätsentwicklung folgen.

Snower: Ich empfehle dem Bundeskanzler, neue wirtschaftspolitische Maßnahmen am Arbeitsmarkt zu verwirklichen, die sowohl die Arbeitsnachfrage als auch das Angebot stimulieren. Beschäftigungsgutscheine und Ausbildungsgutscheine würden dies erzielen.

Wansleben: Er sollte die Bereitschaft der Bürger nicht unterschätzen, einen glaubhaften Reformkurs mitzugehen.

Wiegard: Kurs halten - und weiterhin die Empfehlungen des Sachverständigenrates aufnehmen.

Wurzel: Zu demonstrieren, dass eine nachhaltige Sanierung der Staatsfinanzen und mehr Wachstum und Beschäftigung nicht Gegensätze, sondern Ergänzungen sind.

Zimmermann: Die Nachfrageseite nicht zu vernachlässigen. Es fehlen Jobs für Geringqualifizierte. Sie können durch eine Stimulierung des Wettbewerbs und der Produktionsbedingungen im Gesundheitswesen, im Handwerk und bei den privaten Haushalten geschaffen werden.

Welche Person wird 2005 in der deutschen Wirtschaftspolitik die wichtigste Rolle spielen?

Bofinger: Gerhard Schröder, denn auf den Kanzler kommt es an.

Fels: Wolfgang Clement, denn Hartz IV und die Deregulierung des Dienstleistungssektors fallen in sein Ressort.

Hombrecher: In der Wirtschaftspolitik mangelt es seit Jahren an Persönlichkeiten vom Format eines Ludwig Erhard oder Karl Schiller, die Menschen begeistern können.

Pischetsrieder: Das ist einfach, das steht im Grundgesetz: "Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik." Das gilt auch für die Wirtschaftspolitik.

Putzhammer: Wolfgang Clement wird abklären müssen, warum Hartz IV nicht zu mehr Wachstum und Beschäftigung führt.

Wansleben: Für das übernächste Jahr wäre die Antwort einfach: der Wähler. Im nächsten Jahr sind es vielleicht die Kultusminister: Deutschland muss sich intensiv mit den Langfristproblemen bei der Bildung befassen.

Wiegard: Ich befürchte, dass im Jahr 2005 von Bund und Ländern keine grundlegenden wirtschaftspolitischen Aktivitäten und Impulse ausgehen werden. Dagegen hängt einiges von der EZB und ihrem Präsidenten Trichet ab. Stichworte: Änderung der Leitzinsen und Devisenmarktinterventionen.

Wurzel: Der Vorsitzende des Vermittlungsausschusses.

Zimmermann: Frank-Jürgen Weise, der restaurativen Kräften in der Bundesagentur für Arbeit den Kampf ansagt. An der konsequenten Umsetzung der Arbeitsmarktreformen hängt die Entlastung des Staatsbudgets und der Lohnnebenkosten, was Menschen in Arbeit und Brot bringt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%