Experten begrüßen Expansionspläne
Endemol geht auf Einkaufstour

Bislang war das Tochterunternehmen des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica mit der Endemol Filmproduktion in Deutschland nur mäßig erfolgreich. Allerdings ist es Marktführer bei Show-Produktionen, vor allem mit Aufträgen für die RTL-Senderfamilie.

DÜSSELDORF. "Wir möchten auch außerhalb unseres Kern-Geschäfts Entertainment wachsen", sagt Werner Schwaderlapp, Präsident der Endemol Deutschland Holding, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Noch in diesem Jahr will der frühere ZDF-Unterhaltungschef bei vier bis fünf Filmproduzenten mit 51 %igen Beteiligungen einsteigen. Konkrete Verhandlungen würden bereits geführt. Die Größe der Firmen spiele keine Rolle. Wie aus Bankenkreisen verlautet, stehen keine börsennotierten Unternehmen auf der Kaufliste.

Verhandlungen über einen Verkauf von Endemol an die Bertelsmann-Fernsehtochter RTL Group liegen zur Zeit auf Eis. Rund 5 Mrd. Euro hatte Telefonica für den Endemol-Kauf im Jahr 2000 ausgegeben. Wegen niedrigerer Programm-Budgets der Fernsehsender stehen in diesem Jahr die Wachstumsraten aller Produktionsfirmen unter Druck.

Auch im Bereich Internet, Mobilfunk und interaktives Fernsehen bekundet Endemol Kaufinteresse. "Wir wollen uns in Deutschland an einem soliden Unternehmen aus der interaktiven Welt beteiligen", sagt Schwaderlapp. Dazu beruft die niederländische Endemol-Zentrale ab dem 1. April einen neuen Verantwortlichen für interaktive Medien in das Führungsgremium. Unico Glorie soll das Produktionsunternehmen europaweit auf die Expansionspläne vorbereiten.

Mit dem Einstieg in die Produktionsbranche für Fernseh- und Kinofilme will Endemol seine Produktpalette erweitern. "Wir stoßen im Entertainment-Bereich an unsere Wachstumsgrenzen", sagt Schwaderlapp. Das Produktionsunternehmen plane ein internationales Netzwerk im Filmbereich.

In Italien und Spanien halte Endemol bereits Beteiligungen an Filmproduktionsfirmen. Mit Endemol im Rücken sollen deutschen Partner- Firmen bessere Finanzierungsmöglichkeiten erhalten. Zudem könne Endemol das Barkapital der Firmen erhöhen, um neue Projekte zu entwickeln, sagt Schwaderlapp.

Gute Beurteilung durch Experten

Experten beurteilen die gegenwärtige Marktlage günstig für die Expansionspläne der Telefonica-Tochter. "Viele unabhängige TV-Produzenten stehen unter Druck", erläutert Markus Wallner, Medienanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Margen der rund 140 Firmen in Deutschland würden schrumpfen und damit die Kaufpreise drücken.

Georgia Tornow, Generalsekretärin von Film20, der Organisation größerer deutscher Film- und Fernsehproduzenten, sieht die Zeit reif für eine Konsolidierung: "Angesichts übermächtiger Senderfamilien bleibt vielen Produktionsfirmen gar nichts anderes übrig, als sich selbst zur Zwangsadoption durch einen größeren Partner freizugeben." Die Kooperation mit einem internationalen Unternehmen sei eine interessante Option, sagt Tornow.

Der Marktführer bei TV-Serien, die RTL Group-Tochter Ufa Film & TV-Produktion, hatte kürzlich 51 % der Anteile an Phoenix Film erworben. Weitere Akquisitionen stehen nach Auskunft eines Sprechers nicht bevor.

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