Experten betrachten den Kurssturz als fundamental nicht begründet
Neuer Markt wird sich bis zum Jahresende wieder deutlich erholen

FRANKFURT/M. Obwohl die Euphorie am Neuen Markt mittlerweile bei vielen Anlegern dem puren Entsetzen gewichen ist, bleiben die Experten grundsätzlich optimistisch. Allerdings hat auch der Optimismus deutliche Risse bekommen. So nimmt die DG Bank, die vor einigen Wochen noch mit ihrer Prognose von 8 500 Punkten beim Nemax-All-Share-Index bis Ende 2000 vorgeprescht war, diese nun deutlich zurück. Nach dem neuerlichen Einbruch des Marktbarometers unter die psychologisch wichtige Marke von 5 000 Punkten rechnen die Genossenschaftsbanker nun noch mit einem Anstieg bis auf 7 000 Punkte bis zum Jahreswechsel. Gegenüber dem aktuellen Stand bedeutet dies immerhin ein Plus von gut 45 %. "Wir halten 8 500 Punkte bezogen auf die Gewinndynamik noch immer für gerechtfertigt. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es noch einmal so weit nach unten geht", sagt Lothar Weniger, Leiter Aktienresearch bei der Bank.

Ganz so zuversichtlich sind Ronny Ruchay, Fondsmanager bei Union Invest und Jobst Bartmer, Leiter der Abteilung Equity Capital Markets bei der Landesbank Baden-Württemberg, nicht. Sie gehen zwar beide von einer Erholung des Neuen Marktes aus, doch können sich eher mit der Einschätzung der Commerzbank anfreunden, die das Marktbarometer nach Angaben von Thomas Effler, Leiter Aktienresearch, Ende des Jahres bei etwa 6 000 Punkten erwartet.

Auch Ruchay sieht fundamental keine Gründe für das Ausmaß der aktuellen Talfahrt. Daher werde "die Phase auch nur von kurzer Dauer sein. Danach sehen wir eine Stabilisierung auf einem höheren Niveau", glaubt der Fondsmanager.

Ein baldiges Ende des Abwärtstrends am Neuen Markt erwartet Ingolf Böhle vom Bankhaus Delbrück. "Es wird keinen weiteren Kurseinbruch geben", vermutet der Analyst. Langfristig bleibt auch er deshalb für Wachstumswerte positiv gestimmt. Eine rauschende Jahresendrally erwartet er jedoch nicht. Dafür herrsche einfach zu viel Unsicherheit. Sie basiere auf einem Vertrauensverlust durch die Negativmeldungen um Infomatec und Gigabell. Der hohe Preis für die UMTS-Lizenzen habe die Stimmung ebenfalls verschlechtert.

Gute Quartalszahlen könnten Trendwende einleuten

Das Tempo der Erholung ist nach Meinung der Experten abhängig von der allgemeinen Stimmungslage. Als Zeichen für die hohe Nervosität wertet Bartmer, dass bei einer schlechten Nachricht - wie beispielsweise der Gewinnwarnung von Intel - der Gesamtmarkt einbricht. Bei einigen Werten schlage aber bereits wieder die Stunde der Institutionellen, die sich zu relativ günstigen Preisen eindeckten.

Impuls für eine Trendwende könnten nach Meinung von Ruchay die Ergebnisse des dritten Quartals geben: "Eine Reihe von Unternehmen wird mit sehr guten Zahlen aufwarten, was die Anleger würdigen werden." Ruchay empfiehlt daher, nach Qualitätswerten Ausschau zu halten, die mit dem Sog nach unten gezogen worden sind.

DG-Banker Weniger rechnet sogar fest damit, dass die Technologiewerte des Neuen Marktes bei einer Aufhellung der Stimmung deutlich stärker profitieren werden als andere Titel. Seine Begründung: Eine gesamtwirtschaftlich ungünstigere Entwicklung treffe die Industriepapiere stärker. Vor allem aber haben seiner Meinung nach Technologietitel bei einer längeren Seitwärtsbewegung des Marktes einen größeren Nachholbedarf, da sich ihre Bewertung auf Grund einer größeren Gewinndynamik bei den Unternehmen relativ stärker verschlechtere.

Für die Zukunft setzen die Experten auf "Stock Picking". Als Indikator für positive Zukunftsaussichten wertet Böhle, dass viele Neuemissionen zuletzt besonders gefragt waren. "Hier haben wir erlebt, dass es einen Nachfragestau gibt. Vielleicht platzt der Knoten für den Gesamtmarkt auch schon bald", gibt sich Böhle zuversichtlich.

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