Experten bewerten Ankündigung als Druckmittel
United Airlines droht Konkurs an

Die Serie von Hiobsbotschaften bei den amerikanischen Fluggesellschaften reist nicht ab. Die Muttergesellschaft der finanziell schwer angeschlagenen United Airlines droht für den Herbst mit einem Gang zum Konkursrichter, falls sie nicht innerhalb von 30 Tagen weit reichende Konzessionen ihrer Gewerkschaften, Gläubiger und Lieferanten erhält.

Reuters/dpa/HB CHICAGO. Dies hat das Unternehmen heute nach Börsenschluss bekannt gegeben. Die United Airlines ist mit der deutschen Lufthansa und anderen Fluglinien in der so genannten Star Alliance partnerschaftlich verbunden.

"Falls wir nicht die Kosten dramatisch senken, ist ein Antrag auf Konkursschutz der einzige Weg, um die Zukunft der Gesellschaft und den weiteren Betrieb der Airline zu sichern", erklärte UAL-Chef Jack Creighton.

Die US Airways, die siebtgrößte US-Fluggesellschaft, hatte am Wochenende einen Konkursantrag gestellt. Der globale Branchenführer American Airlines will 7000 Mitarbeiter nach Hause schicken, viele Flugzeuge aus dem Verkehr ziehen und Aufträge für neue Flugzeuge stornieren. Midway, Vanguard und Sun Country, drei kleinere Airlines, hatten ebenfalls seit den Terrorattacken vom 11. September Konkurs angemeldet.

Ein United-Konkurs wäre die größte Pleite einer US-Airline, den es je gegeben hat. Die United Airlines ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt. Die United stöhnt ebenso wie die meisten US-Airlines unter hohen Schulden, den Nachwehen der Terrorattacken auf den Flugverkehr, der schwachen US-Konjunktur, niedrigen Flugpreisen, weniger Flugreisenden und der zunehmenden Konkurrenz von Billigfluglinien wie Southwest Airlines.

Bei der United kommen aber noch extrem kostspielige Tarifabkommen für die 80



000 Beschäftigten hinzu. Creighton (69) ist UAL- Interimschef und will zurücktreten sobald ein Nachfolger gefunden ist. Branchenkenner verwiesen darauf, dass die Gesellschaft mit der Konkursdrohung den Druck auf die Gewerkschaften für starke Tarifkonzessionen verstärken könnte.

Die Pilotengewerkschaft hatte sich zu Konzessionen von zehn Prozent bereit erklärt, doch hatten die Flugbegleiter, Mechaniker und das Bodenpersonal bisher Zugeständnisse abgelehnt. Die Fluggesellschaft gehört ihren Mitarbeitern zu 55 %. Sie sind damit von einem Konkurs am stärksten betroffen. Die Aktien dürften bei einem Konkurs wertlos werden. Die UAL-Aktien sind heute vorbörslich um 28,5 % auf nur noch 1,75 $ eingebrochen gegenüber einem Zwölfmonatshoch von 35,02 $.

Die UAL hatte im vergangenen Jahr bereits einen Umsatzrückgang von 17 % auf 16,1 Mrd. $ und einen Verlust von 2,1 Mrd. $ (2,15 Mrd. ?) verbucht. In den ersten sechs Monaten 2002 fielen weitere rote Zahlen von 850 Mill. $ an, und der Umsatz schrumpfte nochmals um 19 % auf 3,8 Mrd. $. Die UAL wolle mit Hilfe eines neuen Geschäftsplans eine stärkere und wettbewerbsfähigere Airline bilden, erklärte sie. Ob dies ohne Konkursantrag gelingen wird, bezweifeln viele Branchenkenner.

Experten sehen United-Ankündigung als Druckmittel

Selbst wenn die United-Airlines-Muttergesellschaft UAL Corp einen Insolvenz-Antrag stellen sollte, dürfte dies nach Einschätzung von Experten kaum Auswirkungen auf den Star Alliance-Partner Lufthansa haben.

Viele Analysten gehen davon aus, dass UAL mit der Warnung vor einem Antrag auf Gläubigerschutz vor allem die eigene Position in den laufenden Finanzverhandlungen stärken will. "Ich glaube nicht, dass UAL den Antrag tatsächlich stellen wird", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Der Chef der US-Fluggesellschaft Jack Creighton wolle wohl eher Druck auf die US-Regierung ausüben, mit der das Unternehmen derzeit über eine Kreditbürgschaft verhandelt, und auf das eigene Kabinen- und Bodenpersonal, von dem UAL einen Gehaltsverzicht fordert. Seit Mitte der 90-er Jahre gehören rund 55 % des Unternehmens den Mitarbeitern.

"Die Ankündigung ist in hohem Maße politisch geprägt", sagt auch Michael Benedikt vom Bankhaus Julius Bär. "UAL will den Mitarbeitern und der Regierung klarmachen, dass das Unternehmen möglicherweise zusätzliche finanzielle Hilfe braucht". Ein Bankrott der zweitgrößten US-Fluglinie sei allerdings relativ unwahrscheinlich. "United ist zwar finanziell so angeschlagen wie US Airways, hat aber eine größere Bedeutung", betont

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%