Experten bezeichnen das Renditeniveau von Dollar-Anleihen als völlig unattraktiv
Euro-Stärke belastet die Börsen

Mit der offensichtlich von den USA gewollten und von Europa tolerierten Kursschwäche transferieren die USA wirtschaftspolitische Risiken nach Europa. Diese grundlegenden ökonomischen Veränderungen erfordern eine Neuorientierung der Anlagestrategie an den Aktien- und Anleihemärkten.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Euro spielt weiter mit seinen Muskeln. Der Anstieg auf das neue Vierjahreshoch bei 1,17 $ bietet für Europa jedoch nicht nur Anlass zur puren Freude.

"Wir haben für dieses Jahr keine besonders positiven Erwartungen an den Dax mehr", sagt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch wegen der währungsbedingt verschlechterten Konkurrenzsituation der europäischen und deutschen Volkswirtschaft bestehe ein Revisionsbedarf für die zu optimistischen Gewinnprognosen. Rolf Geck, Wertpapier-Analyst der WGZ Bank, widerspricht dieser Einschätzung. Der starke Euro hinterlasse zwar deutliche Bremsspuren gerade bei den exportintensiven Industrien (Maschinenbau, Stahl, Automobil und Chemie). Gleichwohl schenken die Akteure am Aktienmarkt den aktuellen Gewinnprognosen der Wertpapier-Analysten derzeit viel Glauben . "Es hat während der jüngsten Berichtssaison bei den Dax-Unternehmen keine größeren negativen Überraschungen gegeben", sagt Geck. Die größten Kursrisiken bestehen nach seiner Einschätzung bei jenen Unternehmen, die ihre Erzeugnisse vor allem im Ausland verkaufen. Positiv wirke sich die Euro-Stärke auf importintensive Unternehmen aus. Hier weisen die Experten z.B. auf die Aktien von Kaufhäusern, Elektronikhändlern und Sportartikelhersteller hin.

Nicht nur unter Währungsaspekten verbieten sich nach Ansicht von Schilbe für europäische Anleger derzeit Engagements in Wall Street. US-Aktien seien im Vergleich zu Europas Börsen überbewertet. Franz Wenzel, Senior Investment Strategist von Axa Investment Managers in Paris, ist hinsichtlich der attraktiven Bewertung der europäischen Aktien vorsichtig. "Der Bewertungsvorteil ist vorhanden", sagt er. Doch dürften strukturelle und zyklische Probleme Europas nicht übersehen werden. Diese rechtfertigten einen Abschlag. Die USA würden weiter "den Takt der Weltbörsen" vorgeben. Bis Ende 2003 sieht er die US-Märkte etwa auf derzeitigem Niveau. Rückschläge von 10 bis 15 % seien nicht auszuschließen. An der Wall Street könnte im Jahr 2004 ein "vernünftiger Aufwärtstrend" einsetzen. Seine Erwartung begründet der Axa-Stratege mit einem geschätzten Wachstum der US-Unternehmensgewinne von 15 bis 20 % im Jahr 2004. Unterbewertet sei der Energiesektor. Und "die Telekommunikation ist immer noch ein ganz wichtiges Thema", sagt Wenzel.

In Europa präferiert er - auch unter Währungsaspekten - defensive, nicht-zyklische Konsumwerte. Zurückhaltend ist er bei Autoaktien und bei Basisindustrien wie der Chemiebranche. Generell werde die Auswahl von Einzeltiteln wichtiger. Zudem trete die Dividendenrendite stärker in den Vordergrund.

Eine Analyse der Chancen an den Anleihemärkten im Euro- und Dollar-Raum bringe es mit sich, dass die beiden Phänomene Dollarschwäche und Deflationsgefahr kaum isoliert voneinander betrachtet werden könnten, sagt Stefan Grothaus von der WGZ Bank. Er geht davon aus, dass es der US-Notenbank mit den von ihr angekündigten Maßnahmen gelingen wird, die Deflation zu verhindern, zum einen über niedrigere Zinsen und zum anderen über einen schwächeren Dollarkurs. Bei einem Rückgang des Dollars verbessere sich die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft auf den Weltmärkten. Dies wirke in den USA über kurz oder lang inflationär.

Für Anleihen-Investoren in der Euro-Zone sei die Devisenkurs-Entwicklung nicht der entscheidende Faktor. Den in Euro kalkulierenden Anlegern sei weiter zu empfehlen, in mittelfristige Euro-Bonds zu investieren. "Angesichts der Dynamik der Dollarschwäche können wir unseren Kunden gegenwärtig nicht empfehlen, in Erwartung einer Dollarwende bereits heute in US-Anleihen zu investieren", sagt Grothaus. Unterstützung erhält er in dieser Sicht der Dinge von Stefan Schilbe, der die Renditen am US-Bondmarkt als unattraktiv bezeichnet. Die Musik spiele eindeutig in Euro-Festverzinslichen. "Die internationalen Kapitalströme fließen verstärkt in Euro-Bonds", sagt er.

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