Experten erwarten auf Jahressicht leichte Kursgewinne – Bonds europäischer Firmen weniger volatil als die von US-Konzernen
Autoanleihen locken mit hohen Renditen

Bei Autobonds ging es in jüngster Zeit holprig zu. Experten rechnen damit, dass die Kurse der Bonds noch einige Zeit schwanken werden. Doch Renditen von teilweise sechs Prozent laden zum Einstieg ein. Auf Jahressicht sollten die Anleihen zudem auch zu den Kursgewinnern gehören - vorausgesetzt, die Konjunktur springt an.

FRANKFURT/M. Anleger, die auf Autoanleihen setzen, müssen sich auf Kursschwankungen einstellen. So verloren bis Mitte Februar die Anleihen von Ford deutlich, nachdem der US-Konzern Mitte Januar einen Jahresverlust ausgewiesen hatte. Inzwischen haben sich die Anleihen jedoch zumindest teilweise wieder erholt. Die Bonds des italienischen Autobauers Fiat gerieten Ende Januar unter Druck, nachdem Gerüchte über Ungereimtheiten in der Bilanzierung aufgekommen waren und der Konzern zudem schlechte Aussichten für seine Kerngeschäfte verkündet hatte. Fiat-Bonds gehörten auch im Februar zu den Verlierern, und Analysten raten von Fiat ab.

"Autoanleihen werden weiterhin sehr empfindlich auf schlechte Nachrichten reagieren", warnt Markus Rohleder, der für die DZ Bank Autoanleihen analysiert. Auf Jahressicht rechnet er wie auch andere Experten aber damit, dass Autobonds insgesamt zu den Gewinnern unter den Unternehmensanleihen gehören werden. Derzeit locken Renditen von zum Teil über sechs Prozent zum Einstieg. Dabei liegen die Kurse unter dem Nennwert von 100 Prozent, zu dem die Bonds am Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden. Die Hoffnung auf bis zum Jahresende steigende Kurse begründen Analysten mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung in den USA im zweiten Halbjahr und später in Europa. So ließen schon die besser als erwarteten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten der vergangenen Woche die Kurse der Autobonds steigen. Branchen, die am meisten unter einem schlechten Wirtschaftsumfeld leiden, wie der Automobilsektor, seien generell die ersten, die positiv auf Anzeichen einer konjunkturellen Wende reagierten, meint etwa BNP Paribas. Dementsprechend empfiehlt die Bank - wie auch die DZ Bank -, die Automobilbranche schon jetzt leicht im Anleihendepot überzugewichten.

Bei BMW und VW sind die Ratingaussichten stabil

Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) stuft Autobonds zwar noch als neutral ein, hebt jedoch hervor, dass die Risikoaufschläge (Spreads) von Autoanleihen gegenüber Bundesanleihen im Durchschnitt immer noch über den Tiefständen nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September liegen. Somit gebe es noch Potenzial für Spread-Einengungen und damit steigende Kurse. DKW weist außerdem auf die geringeren Neuemissionen hin, die sich positiv auf die Kurse auswirken sollten.

Bislang haben Autokonzerne Anleihen über insgesamt rund 20 Mrd. Dollar begeben, im selben Zeitraum vergangenen Jahres waren es etwa 60 Mrd. Dollar. In Euro gab es dabei große, liquide Neuemissionen über 10,25 Mrd. Euro. Nach den Telekombonds machen Autobonds den größten Anteil am Markt für europäische Unternehmensanleihen aus.

In diesem Jahr begaben auch schon BMW und Volkswagen große Anleihen. Die Kreditwürdigkeit beider Emittenten wird von den Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P) und Moody?s als sicherer eingestuft als die "Großen Drei" Ford, General Motors und Daimler-Chrysler. Deren Ratings wurden im vergangenen Jahr herabgesetzt. Dabei sind die Ratingaussichten zum größten Teil negativ. Bei Daimler-Chrysler betonte S&P, wie wichtig eine deutliche Verbesserung der Ertragslage und die Reduzierung der Netto-Verschuldung sei, um das Rating BBB+ zu halten. Vor allem muss Chrysler in diesem Jahr tatsächlich die angestrebte Gewinnschwelle erreichen.

Bei BMW und VW sind die Ratingaussichten dagegen stabil. "Die Kreditqualität von BMW und VW hat jedoch ihren Preis", meint Rohleder angesichts der vergleichsweise niedrigen Renditen. Auch Victoria Whitehead von Bear Stearns hält die Bonds für relativ teuer. Dafür rechnet sie damit, dass es bei europäischen Autobonds weniger volatil zugehen wird als bei den Anleihen von US-Autobauern. Von der Bewertung her interessant hält sie General Motors und Ford. Zwar hätten sich die Fundamentaldaten beider Konzerne nicht verbessert, doch die Stimmung sei positiv.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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