Experten erwarten Beteiligungsverkäufe
Dresdner Bank belastet Allianz

Die Dresdner Bank hat im ersten Halbjahr 2001 im operativen Geschäft einen Verlust erlitten und könnte für die Allianz Analysten zufolge zu einer größer als erwarteten Belastung werden. Die Bank werde wohl ihre Industriebeteiligungen weiter abbauen müssen, um ihr Ergebnisziel für dieses Jahr noch zu erreichen, sagten die Experten.

rtr FRANKFURT. "Die Bank will weiterhin einen Jahresüberschuss von rund einer Milliarde Euro 2001 erzielen. Da aber operativ auch für das Gesamtjahr möglicherweise kein Gewinn erzielt werden wird, müsste der ganze Betrag schon aus Beteiligungsverkäufen kommen", sagte Michael Haid von Sal. Oppenheim in Frankfurt.

Wie das Institut bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte, ist der Vorsteuergewinn im Halbjahr um knapp 13 % auf 616 Mill. Euro gesunken. Darin enthalten ist ein Ergebnis aus Finanzanlagen von 713 Mill. ?. "Rechnet man die Beteiligungsverkäufe aus dem Vorsteuerergebnis heraus, ergibt sich in der Tat ein operativer Verlust", sagte Haid. Dank einer auf acht (286) Mill. Euro extrem gesunkenen Steuerbelastung konnte der Konzern im ersten Halbjahr nach Steuern einen Gewinnanstieg um 44,8 % auf 608 Mill. Euro aufweisen. Nach Einschätzung der Analysten hatte die Bank allerdings schon 2000 operativ einen Verlust erlitten, wenn der Vorsteuergewinn von 1,61 Mrd. Euro um einmalige Sondereffekte bereinigt wird.

Die Allianz hatte die Dresdner Bank im Zuge eines kombinierten Bar- und Aktienangebotes Ende Juli für rund 23 Mrd. Euro übernommen und wird dadurch zu einem der weltgrößten Allfinanzkonzerne. Der Versicherungsriese wird die Ergebnisse der Dresdner erst ab dem dritten Quartal in die Konzern-Ergebnisse einbeziehen. Für 2001 strebt der Versicherer mit der Dresdner zusammen einen Anstieg des Jahresüberschusses im Konzern auf 2,77 (2000: 2,4) Mrd. Euro an.

"Drittes Quartal wird grausam werden"

Nach Einschätzung von BNP-Paribas-Analyst Karlos van Endert wird die Dresdner Bank - ebenso wie die anderen deutschen Großbanken - ihren Beteiligungsabbau forcieren und dabei stille Reserven heben. "Insgesamt wird die Dresdner Bank ihre Versprechungen erfüllen, und zwar ohne wenn und aber", sagte Endert. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn die deutschen Kreditinstitute ihre Ergebnisse wie schon in den Vorjahren durch Sondergewinne aufpäppeln würden. Experten schätzen den Wert der Dresdner-Industriebeteiligungen auf rund 14 Mrd. Euro.

Nach Ansicht Enderts wird sich die Situation für die Bank keinesfalls bessern. "Das dritte Quartal wird einfach grausam werden." Das dritte Quartal zählt traditionell zu den schwächsten des Jahres und dürfte mit Blick auf die schwächelnde Konjunktur und weiterhin angespannte Marktlage schwach ausfallen.

Auch die Eingliederung der 2000 für gut 1,5 Mrd. Euro übernommenen Investmentbank Wasserstein Perella war für die Dresdner offenbar kostspieliger als erwartet. Nach Angaben der Dresdner Bank lagen die Erträge der erstmals berücksichtigten Investmentsparte deutlich unter den Kosten der Division von 300 Mill. Euro. Boni-Zahlungen an Investmentbanker von insgesamt 870 Mill. Euro im ersten Halbjahr dieses Jahres haben wesentlich zum Anstieg des Verwaltungsaufwandes im Konzern um 18,6 % auf 4,405 Mrd. Euro beigetragen.

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