Experten erwarten für Deutschlands Geldinstitute Ertrags-Rückgang aus Kapitalmarktgeschäften
Perspektive für deutsche Banken düster

Das Jahr 2001 hat tiefe Blessuren in der deutschen Bankenlandschaft hinterlassen. Die vier Großen, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank, verzeichneten deutliche Gewinneinbußen. Doch auch die Perspektiven sehen schlecht aus. Die Ursache: Die strukturellen Probleme sind immer noch ungelöst.

FRANKFURT/M. Für das laufende Jahr nicht in Panik verfallen und Optimismus verbreiten: Mit dieser Devise sind die Lenker der großen deutschen Banken in das Jahr gestartet. So kündigt die Dresdner Bank für 2002 eine "nachhaltige Ergebnisverbesserung" an. Die Kosten sollen auf Vorjahresniveau gehalten werden. Die Commerzbank will ihren Dividendenvorschlag von 40 Cents je Aktie als "Ausdruck von Zuversicht für das Jahr 2002" verstanden wissen und erste Erfolge ihres Kostensparprogramms präsentieren. Der Lenker der Hypo-Vereinsbank, Albrecht Schmidt, sieht seinen Konzern für den Wettbewerb in 2002 gut aufgestellt und will Produktivität und Profitabilität ausbauen.

Aller Zuversicht zum Trotz trifft jedoch unverändert zu, was Deutsche Bank-Chef Rolf-E. Breuer Anfang Dezember in seiner Antrittsrede als Präsident des Bankenverbandes unverblümt auf den Punkt brachte: "Die deutsche Kreditwirtschaft befindet sich in einer Strukturkrise, die ernsthafter, deutlicher und fundamentaler ist, als ich es bislang angenommen hatte."

Die vier Banken haben zwar umfangreiche Umbaumaßnahmen angekündigt und werden rund 30 000 Mitarbeiter entlassen. Doch die strukturellen Problemen sind damit längst nicht überwunden. "2001 war schlimm, 2002 wird schlimmer", malt der Investmentbanker Peter Coym von Lehman Brothers ein düsteres Szenario. "Auf der Kapitalmarktseite ist keine Erholung in Sicht, die Kreditausfälle werden noch zunehmen und die Erträge lassen sich nicht so schnell steigern, wie die Kosten wachsen", sagt Dieter Hein, Analyst vom Crédit Lyonnais. Auch die Ratinagenturen sehen schwarz für die deutsche Kreditwirtschaft. Die Agentur Moody?s, zum Beispiel, hat den gesamten Sektor auf "Ausblick negativ" gesetzt.

Die seit Jahresanfang mögliche steuerfreie Veräußerung von Beteiligungen ist angesichts der stark gefallen Aktienkurse lediglich eine Hoffnungsbuchung für kommende Jahre. Das Potenzial indes ist beachtlich: Die stillen Reserven im Industrieportfolio der Deutschen Bank beziffert Credit Suisse First Boston (CSFB) mit 9,37 Mrd. ?. Für die Commerzbank veranschlagt Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim die unrealisierten Gewinne aus dem Anteilsbesitz mit 500 Mill. ?.

Es mangelt an Ertragskraft

Auch im operativen Geschäft fehlt es den deutschen Banken bei dem derzeitig schwachen Kapitalmarktumfeld an Ertragskraft. Im Massengeschäft mit Privat- und Gewerbekunden übersteigt keines der Institute die kritische Größe, um längerfristig profitabel arbeiten zu können. "Die Deutsche Bank hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie verkauft das Privatkundengeschäft oder sie stärkt es durch einen Zukauf", sagt Edgar Klein, Unternehmensberater bei Deloitte Consulting. Für Zukäufe müsse sie aber schnell agieren, da sonst die Chancen in Deutschland ausgeschöpft seien.

Das Kapitalmarktgeschäft der Banken hat 2001 unter der Flaute an den Börsen heftig gelitten, lediglich die Experten für Anleihen und Zinsderivate haben vergleichsweise gut verdient. Für dieses Jahr sind die Aussichten noch nicht viel besser. Zwar gehen viele Banker und Analysten davon aus, dass das Aktiengeschäft im zweiten Halbjahr wieder anzieht. Doch bislang mangelt es an positiven Signalen. "Der traditionell starke Monat Januar war in diesem Jahr ungewöhnlich schwach", schreiben die CSFB-Analysten. Dies veranlasst die Analysten zu der Prognose, dass die Erträge der europäischen Banken im Kapitalmarktgeschäft dieses Jahr um 14 % sinken würden.

Wenig rosig sehen schließlich auch die Aussichten im klassischen Firmenkundengeschäft aus. Laut Creditreform erreichte die Zahl der Insolvenzen 2001 in Deutschland mit 49 600 einen neuen Höchststand. Die Ratingagentur Standard & Poor?s geht davon aus, dass die Kreditportfolien der Banken 2002 weiter unter Ausfällen leiden werden, da sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld abschwäche. Vor allem mittelständische Unternehmen leiden unter der Konjunkturflaute. Davon werden in erster Linie Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank betroffen sein, die stärker als die Deutsche Bank im mittelständischen Firmenkundengeschäft engagiert sind. Zwar rechnen Ratinganalysten der Agentur Moody?s mittelfristig mit höheren Margen für die Banken im Kreditgeschäft. Die geplanten neuen Eigenkapitalregeln für die Finanzhäuser unter dem Titel "Basel II" beschleunigen diese Entwicklung noch. Doch für dieses Jahr ist noch kein nennenswerter Effekt zu erwarten. Auf der Kostenseite erwarten Investoren und Analysten nach dem starken Anstieg in den Vorjahren für 2002 einen Rückgang. Einsparpotenziale sehen Volker von Krüchten und Philipp Häßler von der BHF-Bank bei den Personalkosten. Auch die Kürzung der Boni und eine Verschiebung oder Einstellung nicht notwendiger Projekte könne die Kostenseite entlasten.

Die Commerzbank, zum Beispiel, will 2002 ihren Verwaltungsaufwand wieder auf das Niveau von 2000 drücken. Das wären 5,5 Mrd. ? nach 5,85 Mrd. ? in 2001. Immerhin schwächte sich der Kostenanstieg der Bank von 18 % im 1. Halbjahr 2001 bereits auf unter 7 % im Gesamtjahr 2001 ab.

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