Experten erwarten keinen Preissturz wie im Telefonmarkt
Privatkunden können Gasanbieter frei wählen

Gaskunden können künftig - wie bisher schon die Verbraucher im Strom- und Telekommunikationsmarkt - ihren Lieferanten frei wählen.

dpa BERLIN. Nach schwierigen Verhandlungen einigte sich die deutsche Gaswirtschaft überraschend auf die so genannte Verbändevereinbarung II zur Liberalisierung des Gasmarktes für Privatkunden. Ein Preissturz wie bei Telefon oder Strom ist aber nicht zu erwarten, weil der Gaspreis für Endkunden wesentlich von den Preisen für importiertes Gas abhängt.

Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) und der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) hatten sich am Samstag in Mannheim geeinigt. Ihre Spitzenvertreter wollen die Vereinbarung am kommenden Freitag in Frankfurt/Main unterzeichnen.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Bundesregierung habe eine freiwillige Vereinbarung der Industrie einer staatlichen Regulierungsbehörde stets vorgezogen. Es müsse jetzt geprüft werden, inwieweit die Einigung den Anforderungen an eine Gasmarkt-Liberalisierung genüge.

Zuletzt waren Mitte des Monats Gespräche der großen Abnehmer sowie der Gasnetzbetreiber über eine neue Verbändevereinbarung gescheitert. Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte daraufhin gesagt, er werde der Bundesregierung die Einrichtung einer Regulierungsbehörde vorschlagen.

In der Mitteilung der Verbände hieß es nun, man erwarte durch die neue Vereinbarung eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs auf dem Gasmarkt. Im vergangenen Jahr hatten die Verbände sich bereits auf mehr Wettbewerb im Gasmarkt für Großkunden geeinigt.

Für Privathaushalte und das Kleingewerbe sollte die Vereinbarung nun überarbeitet werden. Die Liberalisierung ist ein Ziel der Europäischen Union. Erdgas ist in Deutschland nach Öl der Energieträger Nummer zwei. Die Liberalisierung der Gasmärkte ist rein technisch schwieriger als bei Strom und Telekom. Es gibt hunderte verschiedene Gassorten mit zum Teil unterschiedlichen Qualitäten, drei verschiedene Gasleitungssysteme mit unterschiedlichen Druckstufen und große Speicherkapazitäten, die zwischen den Firmen ungleich verteilt sind.

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