Experten erwarten Konzentrationswelle
Analyse-Software wird zum Hoffnungsträger

Angesichts verfehlter Prognosen suchen Manager nach neuen Werkzeugen zur Planung. Das treibt die Umsätze der Anbieter von Analyse-Software. Experten erwarten deshalb hohe Wachstumsrate - und einen härteren Wettbewerb. Sie rechnen mit einer massiven Konzentrationswelle in der Branche.

FRANKFURT/M. Des einen Leid ist des anderen Freud: Die große Zahl von revidierten Wachstumsprognosen treibt die Umsätze mit Business-Intelligence-Software in die Höhe. Marktforscher von IDC und Gartner Group erwarten in den kommenden Jahren ein kräftiges Wachstum im Markt für Business-Intelligence (BI). Hinter dem Begriff verbergen sich Software-Werkzeuge, mit denen Manager Daten aus betriebswirtschaftlichen Programmen wie etwa SAP analysieren können. Sie können damit genau über das Potenzial aber auch über die Schwachstellen eines Unternehmens informieren.

"Anleger, Banken, Unternehmen und Geschäftspartner verlangen zunehmend wirklich verlässliche Informationen über die Leistung und Ergebniserwartung", sagt Hannes Wambach, Direktor beim BI-Anbieter Hyperion. Nach Erhebungen von IDC soll das weltweite Geschäft mit den Analyse-Werkzeugen von 3,6 Mrd. $ im Jahr 2000 auf rund 11,9 Mrd. $ im Jahr 2005 zulegen. Allerdings konnten in dieser Studie die Folgen der Terroranschlägen nicht mehr berücksichtigt werden. "Ein Update ist in Arbeit", erklärt Christina Steensboe von IDC.

Volker Schwab, Geschäftsführer des BI-Spezialisten Cognos GmbH in Frankfurt, rechnet in diesem Jahr mit einem Marktwachstum von 15 bis 20 %. Die aktuellen Zahlen der kanadischen Mutter scheinen diese Aussage zu bestätigen. Cognos konnte die Lizenzerlöse im dritten Quartal (zum 30. November) weltweit um 17 % auf 56,6 Mill. $ steigern. Nach IDC-Erhebungen gehört Cognos mit einem Marktanteil von 13 % nach Hyperion (20 %) und vor Microsoft (12 %) und SAS (11 %) zu den weltweit größten Herstellern von BI-Software.

Kostenkontrolle und Effizienzsteigerung

Allerdings stehen die Spezialisten für Analyse-Software trotz der guten Aussichten unter einem wachsenden Wettbewerbsdruck. Angesichts schrumpfender IT-Budgets müssen sie heftig um ihre Aufträge kämpfen. Gleichzeitig sehen sie sich mit neuen Anforderungen konfrontiert. "Standen bei Kunden bis vor kurzem noch Tools wie etwa eine Potenzialanalyse ganz oben, sind es heute die Stichworte Kostenkontrolle und Effizienzsteigerung", berichtet Cognos-Geschäftsführer Schwab. Viele BI-Spezialisten werden dem wachsenden Innovationsdruck nach Ansicht von Howard Dresner von der Gartner Group denn auch nicht gewachsen sein. Er prognostiziert eine Welle von Übernahmen, Fusionen oder Partnerschaften. Verschärft wird der Verdrängungswettbewerb durch SAP.

Der Softwareriese hat seine Analyse-Werkzeuge, die unter dem Begriff Business Warehouse (BW) laufen, zum wichtigen Bestandteil der neuen Plattform "mySAPTechnology" gemacht. Daud Khan von Merrill Lynch sieht in Business Warehouse einen Wachstumsmotor für SAP. Die Experten von Gartner Group glauben, dass in spätestens zwei Jahren 70 % aller SAP-Kunden die BI-Werkzeuge von SAP statt anderer Anbieter nutzen. "Die Konkurrenz durch SAP ist eine echte Herausforderung für uns", räumt Cognos-Geschäftsführer Schwab ein. Aber sie sei auch eine Chance, weil sich so bei den Firmen die Aufmerksamkeit für BI-Software erhöhe.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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