Experten erwarten sinkende Verluste
Auslandstöchter belasten T-Online

T-Online lässt die Konkurrenz in Deutschland immer weiter hinter sich. Steigende Kundenzahlen und die Stärke im Breitbandinternet gelten als Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Doch während T-Online im Inland profitabel arbeitet, schreiben die zu kleinen Auslandstöchter tiefrot. Experten halten eine Übernahme in Frankreich für möglich.

FRANKFURT/M. Trotz sinkender Verluste und optimistischer Prognosen über die Zukunft des größten europäischen Internetproviders bleiben die Auslandstöchter, Club Internet in Frankreich und Ya.com in Spanien, die Sorgenkinder unter dem Dach der Telekom Internet-Tochter.

Zu einem großen Teil gehen die Verluste die der T-Online-Vorstandvorsitzende Thomas Holtrop heute bei der Vorlage der Bilanz für 2001 verkünden wird auf das Konto des Engagements im Ausland zurück. "Sieht man von verlustbringenden Joint-Ventures wie T-Info und Bild.de ab, arbeitet T-Online im Inland profitabel", sagt Morten Andersen, Finanzanalyst der Deutschen Bank.

Doch von selbst werden sich nach Einschätzung von Experten die Probleme des deutschen Internetprimus im Ausland nicht lösen lassen. Denn die Zeiten von explosionsartigen Nutzerzuwächsen sind vorbei. Und trotz deutlich zweistelliger Zuwachsraten in den großen europäischen Internetmärkten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sind die Karten in den nationalen Märkten zwischen den Wettbewerbern weitgehend verteilt.

Eine Übernahme ist wahrscheinlich

"Es wird Club Internet in Frankreich nicht gelingen, durch organisches Wachstum in die Spitzengruppe vorzurücken", glaubt Andersen. Denn dort liegt die Zahl der T-Online-International Kunden mit rund 800 000 zu niedrig um die France-Télécom-Tochter Wanadoo, Tiscali und AOL einzuholen. "T-Online hat auf Dauer nur die Wahl, einen Konkurrenten zu übernehmen oder sich aus dem Markt zurückzuziehen", urteilt ein Analyst.

Marktgerüchten zufolge spricht mehr für eine Übernahme als für einen Rückzug. "Es finden derzeit keine Übernahmeverhandlungen statt", dementiert Holtrop entsprechende Gerüchte gegenüber dem Handelsblatt. Doch gleichzeitig betont der T-Online-Chef: "Sollte es auf dem europäischen Markt der Internetprovider aber zu einer weiteren Konsolidierung kommen, haben wir die notwendigen Mittel, um zu Handeln".

T-Online verfügt über "rund 3,5 Milliarden Euro Cash", schätzt ein Experte. Wobei aufgrund der angespannten Finanzlage der Konzernmutter Deutsche Telekom Das T-Online-Management derzeit wahrscheinlich nicht frei über den gesamten Betrag verfügen könne. Rund eine Milliarde (81 %) der 1,22 Mrd. T-Online Aktien hält die Deutsche Telekom.

Schwarze Zahlen sind oberstes Gebot

Doch oberstes des T-Online-Managements ist die schwarze Null. Die Mehrzahl der Finanzanalysten erwarten zwar für 2001 einen Nettoverlust zwischen 480 und 490 Mill. Euro, doch sind darin Abschreibungen auf die Übernahmen von Club Internet in Frankreich Ya.com in Spanien in dreistelliger Millionenhöhe enthalten.

Operativ erwarten die Experten Verluste vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von unter 200 Mill. Euro. Wobei deutlich mehr als die Hälfte der Verluste in der ersten Jahreshälfte angefallen ist. Auch die Zahl der Kunden stieg in Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Österreich, der Schweiz im vergangenen Jahr um rund 34 % auf 10,7 Millionen.

Bei einer weiterhin positiven Geschäftsentwicklung könnte der Break-even vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sogar noch 2002 erreicht werden", glaubt Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Jonathan Ayres von Goldman Sachs rechnet dagegen damit, dass T-Online , wie vom Unternehmen selbst angekündigt - Anfang des kommenden Jahres die schwarzen Zahlen erreichen wird.

Mehrwertdienste

Positiv bewerten die Analysten die Neuausrichtung als "Internet Medienhaus". Allerdings warnen Experten vor schnellen Hoffnungen auf das Geschäft mit Mehrwertdiensten, Bezahlinhalten und Internetwerbung. "Es werden noch Jahre vergehen, bevor das Portalgeschäft nennenswerte Gewinne abwerfen wird", glaubt Andersen.

Als hilfreich könnte sich dabei die fast "monopolartige" Stellung von T-Online und der Konzernmutter Deutsche Telekom beim Verkauf von DSL-Breitbandinternet erweisen, die neben einem schnelleren Surfen im Internet, das Ansehen von Videos und das Anhören von Musik ermöglichen. Bis Ende Februar hat die Telekom 2,3 Millionen DSL-Anschlüsse verkauft, wovon knapp eine Million Kunden bei T-Online für 25 Euro pro Monat den Pauschaltarif "T-Online DSL flat" bestellt haben.

Auf rund 150 000 Kunden schätzen Experten die Zahl der Kunden, die zwar T-DSL der Telekom nutzen, aber für knapp 20 Euro pro Monat über AOL einen Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet geordert haben. Konkurrenz bekommt T-Online neuerdings durch DSL-Billigangebote des italienischen Konkurrenten Tiscali. Ab fünf Euro monatlicher Grundgebühr bietet Tiscali DSL an , wobei allerdings das inbegriffene Datenvolumen begrenzt ist.

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