Experten erwarten Vertragsabschlüsse in Milliardenhöhe
Rezession treibt Outsourcing voran

Der Trend zum Outsourcing hält an. Unter dem Zwang, die Kosten weiter zu senken, prüfen Firmen intensiver denn je die Auslagerung von Aktivitäten. Sogar zentrale Geschäftsprozesse sind nicht mehr tabu.

shf/tnt/zel FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Konjunkturflaute und ein starker Wettbewerb zwingen immer mehr Unternehmen dazu, ganze Unternehmensbereiche auszulagern. Experten von Credit Suisse First Boston rechnen in den kommenden Monaten mit weltweiten Outsourcing-Verträgen in Milliardenhöhe, unter anderem in der Informationstechnologie (IT), der Automobilindustrie und in der Medizintechnik.

"Die Unternehmen müssen ihre Herstellungskosten weiter senken, und Outsourcing ist ein Mittel, das zu erreichen", sagt Michael Walker, Analyst der Investmentbank Credit Suisse First Boston. Doch für die Auslagerung von Aktivitäten gibt es noch weitere Motive: Sie mindert etwa die Kapitalbindung oder hilft, Risiken in der Forschung zu begrenzen.

Wachstum verspricht der Trend zum Outsourcing unter anderem für die zuletzt stark gebeutelten IT-Dienstleister. "Unsere Pipeline für Outsourcing-Aufträge ist heute stärker als noch vor zwölf Monaten", bestätigt Peter Boykin, Chief Operating Officer des amerikanischen IT-Dienstleisters CSC, nach IBM und EDS der weltweit drittgrößte Anbieter von IT-Outsourcing, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Übernahme kompletter Geschäftsprozesse

Und die Aussichten für weitere Aufträge stehen nicht schlecht. Man verhandle mit international tätigen Industriekonzernen auch über die Übernahme kompletter Geschäftsprozesse. Denkbar sei es beispielsweise, für Firmen auch das komplette Personalwesen mit allen Angestellten und Funktionen zu übernehmen.

Ein solches Projekt hat das Beratungsunternehmen Accenture bereits für den Ölriesen BP umgesetzt. Thomas Köhler, Deutschland-Chef von Accenture, setzt darauf, dass bald auch hier zu Lande der Durchbruch im Outsourcing-Geschäft gelingt.

Besonders in der bisher gegenüber Outsourcing-Projekten sehr verschlossenen Banken- und Versicherungsbranche spüren IT-Berater "eine zunehmende Gesprächsbereitschaft auf Vorstandsebene", wenn es darum geht, auch geschäftskritische Prozesse wie die Abwicklung von Transaktionen auszulagern. Bislang gaben die Banken stets der Beteiligung an konzerneigenen Transaktionsbanken den Vorzug.

Die Rezession scheint damit eine Entwicklung zu beschleunigen, die bereits seit Jahren die Struktur vieler Branchen verändert. So ist beispielsweise in der Automobilindustrie der Anteil der Fahrzeug-Hersteller an der Wertschöpfung seit 1980 von 37 % auf 25 % zurückgegangen. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung der Unternehmensberatung Roland Berger noch verstärken, da die Hersteller immer komplexere Komponenten ("Module") von Zulieferern einkauften.

Die Zulieferer werden in den nächsten zehn Jahren ihre Umsätze um fast die Hälfte steigern, erwartet Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Die Zulieferindustrie wird damit zur Jobmaschine." Die Kompetenz des Autoherstellers verschiebe sich hin zur Abstimmung der Fahrzeug-Module.

Beispiel Opel: Der Rüsselsheimer Automobilhersteller will sich noch in diesem Jahr vom Komponentenwerk Kaiserslautern trennen und dabei Teile des Werks an spezialisierte Zulieferer abgeben. Den voraussichtlich dreistelligen Millionenbetrag aus dem Werksverkauf braucht der von Absatzsorgen geplagte Hersteller dringend.

Computerbranche schreitet voran

Schon weiter vorangeschritten ist die Computerbranche: So geht die Fertigungstiefe einzelner Bereiche bei Hewlett-Packard inzwischen gegen Null, da die komplette Produktion an externe Dienstleister ausgelagert wird. Der Netzwerkausrüster Cisco Systems gilt bereits als Prototyp eines "virtuellen Unternehmens". Das Management konzentriert sich nur noch auf strategische Entscheidungen, Forschung und Entwicklung und die Positionierung der Marke.

Selbst im Pharmasektor hat sich inzwischen eine Zulieferindustrie entwickelt, die praktisch alle Prozesse abdeckt - von der Wirkstoffsuche bis zur Vermarktung der Produkte. Vor allem in der Forschung haben etablierte Pharmakonzerne in den vergangenen Jahren das Outsourcing verstärkt. Analysten schätzen, dass heute 20 % bis 25 % der Forschungs- und Entwicklungsbudgets in die Kooperationen mit Biotechfirmen gehen oder als Service-Gebühren an Organisationen fließen, die im Auftrag der Pharmafirmen klinische Studien durchführen. Dieser Anteil werde bis 2006 auf bis zu 30 % steigen, erwartet die Investmentbank UBS Warburg. Gleichzeitig wird die Wirkstoffproduktion immer häufiger von Spezialchemiefirmen oder anderen Pharmafirmen erledigt.

Kleinere Biotech- und Generikahersteller verzichten häufig ganz auf eigene Produktion, um ihre Finanzen zu schonen. Das wiederum nutzten etablierte Unternehmen wie Boehringer Ingelheim oder Genentech, um eine starke Position als Auftragsfertiger für Biotechprodukte aufzubauen.

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