Experten erwarten weitere Abschreibungen
Fraport kommt in Manila in Zeitnot

Wilhelm Bender läuft die Zeit davon. Eigentlich wollte der Vorstandschef des Frankfurter Flughafenkonzerns Fraport seinen Aktionären auf der Hauptversammlung am 26. Juni eine Lösung der Probleme beim wichtigsten Auslandsprojekt, dem Terminalbau in Manila, präsentieren.

FRANKFURT/MANILA. Doch trotz intensiver Gespräche ist nach Informationen aus Unternehmenskreisen ein Durchbruch bei den Verhandlungen mit der philippinischen Regierung und dem lokalen Partner nicht in Sicht. Fraport hatte bisher auf eine Einigung bis spätestens Mitte des Jahres gesetzt.

Sollte es nicht in den kommenden Wochen zu einer Einigung kommen, droht der Terminal-Projektgesellschaft Piatco die Insolvenz. Nach Handelsblatt-Informationen reicht das Geld nur noch bis Ende des Monats. Mitte Mai hatte das Fraport-Management die Notbremse gezogen und die Finanzierung des Projekts auf Eis gelegt. Fraport ist mit zwei Dritteln an der Baugesellschaft für den neuen Terminal beteiligt, der dieses Jahr eröffnet werden soll.

Der Bau eines neuen Terminals in Manila ist das größte Auslandsengagement des Flughafenkonzerns. Bislang hat Fraport 375 Mill. $ investiert. Doch Unstimmigkeiten mit dem lokalen Partner in der Projektgesellschaft sowie eine Kontroverse mit der philippinischen Präsidentin Gloria Arroyo, die die Konditionen des mit Vorgänger Joseph Estrada ausgehandelten Konzessionsvertrages nicht mehr akzeptieren will, haben das einstige Prestigeprojekt zu einem Albtraum werden lassen.

Fraport schließt inzwischen selbst einen Ausstieg aus seinem einstigen Vorzeigeprojekt nicht mehr aus. "Wir setzen kein Projekt fort, dass nicht unseren Renditevorstellungen entspricht", betonte der Fraport-Chef. Doch die Hoffnung sinkt, dass der Betreiber des größten deutschen Flughafens in Manila noch eine attraktive Rendite erwirtschaften wird. Am Ende der Verhandlungen dürfte nach Meinung von Experten ein Kompromiss stehen, der auch Fraport neue Zugeständnisse abverlangen und die Rendite drücken wird.

Selbst wenn nicht der schlimmste Fall für Fraport eintritt und das Manila-Projekt scheitert, sehen Experten auf den Flughafenkonzern zwangsläufig weiteren Abschreibungsbedarf zu kommen. Die Analysten der US-Investmentbank Merrill Lynch sind sich in ihrem jüngsten Report dessen sicher. Schon für das Vorjahr musste Fraport auf das Projekt knapp 60 Mill. Euro abschreiben. Auch die Experten der Fraport-Emissionsbank Morgan Stanley halten diese Abschreibungen nicht für das Ende der Fahnenstange. Sie rechnen nunmehr mit weiteren 40 Mill. Euro.

Das Manila-Abenteuer hinterlässt in den Augen der Experten allerdings nicht nur wirtschaftlichen Schaden. "Während der maximale Abschreibungsbedarf genau quantifiziert werden kann, sind die Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit des Fraport-Managements viel schwerer zu beurteilen", warnen die Analysten von Merrill Lynch.

Im Zuge des Manila-Debakels steht nun die gesamte Internationalisierungsstrategie auf dem Prüfstand. Als erste Konsequenz lehnte Fraport einen unterschriftsreif vorliegenden Beteiligungsvertrag für den Flughafen Kuala Lumpur ab. Grund sei, dass das Manila-Projekt noch nicht vom Tisch sei, hieß es.

Quelle: Handelsblatt

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