Experten finden die interessantesten Aktien bei den Nebenwerten
Fondsmanager gehen auf „Perlensuche“

In der schwachen Börsenzeit haben sich europäische Nebenwerte besser gehalten als die Standardtitel. So betätigen sich die Fondsmanager nun als "Perlentaucher" und stoßen dabei auf viele noch unentdeckte Aktien. Manche Marktbeobachter warnen jedoch vor einer zu großen "Small- und Midcap-Euphorie".

FRANKFURT/M. Fondsmanager Hans-Peter Schupp setzt sich gerne in die zweite Reihe - am Kapitalmarkt zumindest. "Die interessantesten europäischen Aktien findet man nicht im Euro Stoxx 50", sagt der Julius-Bär-Manager, der den Fonds Euroland Value Stock Fund verwaltet. Der Index der 50 größten europäischen Standardwerte beherberge überwiegend Aktien, die relativ hoch bewertet seien - schließlich stünden sie im Rampenlicht der Börse. Er selbst suche Werte mit attraktiver Bewertung. Als seine aktuellen Favoriten nennt er den finnischen Maschinen- und Anlagenbauer Metso, den österreichischen Edelstahlhersteller Böhler-Uddeholm sowie den spanischen Versicherer Mapfre. Der geringe Bekanntheitsgrad dieser Titel sei ein großer Vorteil, sagt Fondsmanager Schupp. "Denn Werte, die weniger bekannt sind, sind meist auch weniger teuer."

Ein klares Plädoyer für europäische Nebenwerte - dies sind Aktien, die vom Umsatz her nicht zu den bevorzugten Börsenpapieren zählen. Oft handelt es sich bei ihnen um kleinere Unternehmen und Regionalwerte. Experten bezeichnen diese Aktien auch als "Small- und Midcaps". In der Tat haben sich die europäischen Werte dieser Art in der schlechten Börsenzeit besser gehalten als die Standardwerte: Seit Jahresbeginn hat der Nebenwerte-Index MSCI Small Cap Europe 5,5 % verloren, sein großer Bruder MSCI Europe hingegen 16,2 %.

So spricht auch Deka-Fondsmanager Matthias Bussemer Nebenwerten großes Potenzial zu. Die dazugehörigen Unternehmen befänden sich in einer besonders interessanten Phase ihres Lebenszyklus: "Sie haben die Start-Up-Phase hinter sich und vor ihnen liegt eine mehrjährige Wachstumsphase", sagt er. Besonders angetan haben es dem Deka-Manager Aktien aus den Bereichen Pharma und Medizintechnik: Sie machen zusammen rund 30 % seines Portfolios aus. Das dänische Pharmaunternehmen Lundbeck produziere z.B. ein in den USA immer erfolgreicheres Anti-Depressionsmedikament, sagt Bussemer. Deshalb traue er dem Unternehmen ein 30prozentiges Gewinnwachstum pro Jahr zu.

Nebenwerte mit soliden Geschäftsmodell sind gefragt

Auch der schweizerisch-amerikanische Medizintechniker Synthes-Stratec zeige hohe Wachstumsraten. Das Unternehmen stellt "Ersatzteile" für den menschlichen Körper her. Interessant findet er auch den britischen Wert Aggreko. Das Unternehmen sorgt für Strom an Stellen, wo dieser nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung steht, z.B. bei Filmaufnahmen. "Das ist ein absolut konjunkturresistentes Geschäft", sagt Bussemer. Aggreko profitiere außerdem vom Trend hin zum Outsourcing.

Auch Josef Schopf, Fondsmanager und Midcap-Spezialist bei Lupus Alpha, will auf "Unternehmen am Anfang ihres Wachstumspfads" setzen. "Bei Werten mit einer Marktkapitalisierung von circa 1 bis 1,5 Mrd. Euro gibt es die meisten Perlen", sagt er. Schopf ist sich sicher, dass sich Nebenwerte "bis Jahresende und wahrscheinlich auch 2002" an der Börse besser halten als Standardwerte. Mit Einführung des Euros hätten Anleger deutsche Nebenwerte verkauft und sich internationale Standardwerte zugelegt - Unternehmen wie ING und Carrefour konnten schließlich jetzt ohne Währungsrisiko gekauft werden. Als Folge seien viele Midcaps von Anlegern vernachlässigt worden. Dieser Trend sei zwar schon vorbei, es gebe bei Small- und Midcaps aber noch "eine gewisse Bewertungslücke". Bei der Auswahl seiner Aktien achtet Schopf auf die starke Marktstellung der Unternehmen - sie müssten die Preise in ihrem Marktsegment beeinflussen können. Interessant findet er zum Beispiel den Heizungsbauer Buderus, den Bekleidungshersteller Boss, den Hersteller von Halbleiteranlagen Aixtron sowie den Spezialmaschinenbauer Singulus.

Kritischer gegenüber dem "Perlentauchen" nach interessanten Nebenwerten äußert sich der Adig-Fondsmanager Kerstan von Schlotheim. Eine Gefahr der Midcap-Werte sei, dass die dazugehörigen Unternehmen ihr Geschäft meist stark europäisch und binnenwirtschaftlich ausgerichtet hätten. "Wenn sich die Konjunktur in Europa weiter eintrübt, werden einige Nebenwerte eventuell stark betroffen sein", sagt Schlotheim. "Zum Beispiel bei M-Dax-Werten kommen möglicherweise Korrekturen auf uns zu." Er empfehle Mid- und Smallcap-Fonds deshalb nur als Beimischung im Depot. Für Schlotheim eignen sich diese Werte nur für risikobewusste, spekulativ eingestellte Anleger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%