Experten fordern für dauerhaften Erfolg neue Struktur
Daimler schreibt rote Zahlen

Für Daimler-Chrysler-Chef Schrempp wird es ernst: Bis 2002 will er die Not leidende US-Sparte in die Gewinnzone führen. Im laufenden Jahr muss der Gesamtkonzern Verluste ausweisen.

HB STUTTGART. Der deutsch-amerikanische Automobilhersteller Daimler-Chrysler steht vor einer längeren Durststrecke. So wird die Sanierung der angeschlagenen US- Sparte den Konzern schon im laufenden Jahr 3 Mrd. Euro kosten. Hinzu kommen die Belastungen durch den Umbau der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors. Die Sanierungsprojekte treiben den Konzern 2001 in die roten Zahlen. Vorstandschef Jürgen Schrempp muss demnach mit einem operativen Verlust zwischen 1,2 und 1,7 Mrd. Euro rechnen, teilte das Unternehmen bei der Vorlage der Bilanz am Montag in Stuttgart mit. Ohne die Kosten der Sanierung strebe der Konzern einen bereinigten Betriebsgewinn von 1,2 bis 1,7 Mrd. Euro an. Mitsubishi kündigte den Abbau von 9 500 Arbeitsplätzen an, bei Chrysler sollen bis 2004 insgesamt 26 000 Stellen wegfallen.

"Die Situation in den USA hat sich dramatisch verschlechtert", sagte ein zurückhaltend auftretender Jürgen Schrempp. Die Börse reagierte verhalten. Die Aktie verlor leicht und stand am Abend bei 52,24 Euro (minus 0,7 %). Zwar vermieden Schrempp wie auch Finanzvorstand Manfred Gentz jede Aussage zur Dividendenpolitik. Doch legen die Kosten des Sanierungsplans "Milestones" (Meilensteine) nahe, dass der Konzern nicht erneut so großzügig ausschütten wird: Für 2000 überweist Daimler eine unveränderte Dividende von 2,35 Euro je Aktie.

Mit ihren "präzisen Ergebnis-Meilensteinen" habe sich die Konzernführung öffentlich auf ihre Sanierungsziele festgelegt, betonte Schrempp. Erneut verteidigte der Vorstandschef seine Zielsetzung. Daimler-Chrysler besitze die beste Ausgangsbasis für eine "Spitzenposition in unserer Industrie".

US-Analysten reagierten verhalten. "Ich sehe keinen Grund, warum Investoren jetzt schon die Aktie kaufen sollten", sagte David Garrity von Dresdner Kleinwort Wasserstein in New York. Er bleibe skeptisch, weil die Chrysler - Sanierung weitgehend von äußeren Umständen abhängig sei. David Littman, Chefökonom der Comerica-Bank in Detroit, vermisst vor allem Konzepte für neue Modelle: "Der Plan besteht hauptsächlich aus Kostensenkung. Das reicht nicht". Deutsche Auto-Analysten urteilten freundlicher. "Wir haben unter normalen Umständen bei Chrysler das Schlimmste hinter uns", sagte Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. "Verhalten optimistisch" zeigte sich Michael Raab von Sal. Oppenheim. Das Ziel, Chrysler 2002 in die Gewinnzone zu führen, sei "durchaus erreichbar".

Nach dem Milestones-Plan wird der Umbau der US-Sparte insgesamt 4 Mrd. Euro kosten. Wegen der Schwäche der US-Sparte ist der Betriebsgewinn des Konzerns 2000 um 49 % auf 5,2 Mrd. Euro geschrumpft. Das Ergebnis wäre noch schlechter ausgefallen, hätte Daimler-Chrysler nicht die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten genutzt.

Die Rating-Agenturen ließen sich von den Plänen nicht erweichen. Sie stuften gestern die Kreditwürdigkeit des Konzerns herab. So gibt Moody?s Daimler-Chrysler nur noch eine Bewertung von A 3 (statt A 2). Allerdings nennt Moody?s die Aussichten stabil. Pessimistischer ist Standard and Poors. Hier bekam Daimler ein Rating von A-minus (statt A) verpasst, die Prognose fällt "negativ" aus.

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