Experten fordern gesetzliches Regelwerk
Wissenschaftler warnen vor Folgen "funktioneller Lebensmittel"

dpa STUTTGART. Bei Lebensmitteln mit Zusatzstoffen, wie etwa probiotischem Joghurt, ist Vorsicht geboten. "Die Wissenschaft ist noch nicht so weit vorgedrungen, die langfristige Verträglichkeit dieser Produkte zu gewährleisten", sagte Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim. So seien die Folgen des Verzehrs etwa cholesterinsenkender Margarine oder Intelligenz fördernder Schokoriegel nicht hinreichend erforscht, erklärte er anlässlich des 24. Baden-Württemberg-Kolloquiums über "Neuartige und funktionelle Lebensmittel", das bis Freitag dauert.

Der Wissenschaftler fordert von der Politik ein gesetzliches Regelwerk. Vorbild sei Japan, das bisher als einziges Land eine wirksame staatliche Lebensmittelkontrolle eingeführt habe. Gesetze sollten die Lebensmittelindustrie daran hindern, willkürlich angereicherte, angeblich "gesundheitsfördernde" Produkte auf den Markt zu werfen. "Zu hohe Dosen können durchaus schädlich sein", warnt der Mediziner. Er verweist auf eine Studie, wonach das zunächst als sicher geltende Beta-Carotin in zu hohen Dosen negative Auswirkungen haben kann.

Dennoch können die neuen Lebensmittel nach Ansicht von Biesalski vor allem für Risikogruppen wie Diabetiker oder Krebsgefährdete auch gesundheitsfördernd wirken. Zusatzstoffe müssten jedoch zielgerichtet und "nicht in jedem Kaugummi" zum Einsatz kommen. So warnt der Wissenschaftler auch vor Produkten, die über das Internet vertrieben werden, wie etwa Durchblutung fördernde Tütensuppen.

Angereicherte, auf gesundheitliche Bedürfnisse "maßgeschneiderte" Lebensmittel sind vor allem in den Vereinigten Staaten stark verbreitet. Studien zufolge wird das so genannte functional food in Deutschland in zehn Jahren rund 20 % des Lebensmittelmarktes ausmachen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%