Experten fordern Standardisierung: Qualität von Ad-hoc-Mitteilungen steigt

Experten fordern Standardisierung
Qualität von Ad-hoc-Mitteilungen steigt

Der Missbrauch von Ad-hoc-Mitteilungen ist gestoppt. Das geht aus einer Finanzmarktstudie hervor, die heute veröffentlicht wird. Danach informieren Unternehmen ihre Aktionäre nun weniger, dafür aber detaillierter. Trotzdem sehen Investmentprofis weiteren Verbesserungsbedarf. Sie plädieren für eine Standardisierung.

FRANKFURT/M. Die Meldung vom Februar 2000 ist unvergessen: Die Buch.de AG teilte damals unmittelbar vor dem Valentinstag mit, dass sie ihre Produktpalette um den Online-Verkauf von Blumen erweitert hat. Das Ganze geschah ad hoc und erweckte dadurch den Eindruck einer gewissen Kursrelevanz. Tatsächlich wurden damals Ad-hoc-Mitteilungen en masse für Werbezwecke, Falschinformation, zum Verschleiern ungünstiger Entwicklungen und zur übertrieben positiven Darstellung missbraucht.

Hier hat sich 2002 vieles zum Besseren gewendet. "Der Anstieg der Meldeflut ist inzwischen gestoppt", stellt Michael Märzheuser von der Wirtschaftsmedienberatung Märzheuser Gutzy fest, der im Auftrag der DPA-Tochter Euro Adhoc die Pflichtmitteilungen von 149 in Frankfurt gelisteten Unternehmen im Jahr 2002 untersuchte. Und auch Petra Krüll, Pressesprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beobachtet, dass die Emittenten vorsichtiger bei der Auswahl der jenigen Sachverhalte vorgehen, die den Status einer kursrelevanten Information bekommen.

Nur noch durchschnittlich 4,7 Mal gingen in 2002 deutsche Gesellschaften damit an die Öffentlichkeit, wovon die Hälfte auf Jahresabschlüsse, Quartals- und Zwischenberichte entfiel. In der Boomphase des Neuen Marktes war dagegen eine Ad-hoc-Mitteilung pro Monat keine Seltenheit.

Doch auch im vergangenen Jahr gab es Ausreißer: Mobilcom beispielsweise führt auf Grund der vielen Querelen um die UMTS-Lizenzen mit France Télécom und den ehemaligen Vorstandschef Gerhard Schmid mit 19 Nennungen die Liste der Ad-hoc-Meister an. Auch die Deutsche Telekom hatte viele gute Gründe für ihre 16 Pflichtmitteilungen. Auffällig ist indes, dass es das Münchener Software-Unternehmen FJA auf 13 Ad-hoc?s brachte, wovon allein acht Mal Kundenaufträge gemeldet wurden. Ebenfalls sticht ins Auge, dass immer mehr Unternehmen vorläufige Geschäftszahlen veröffentlichen und damit mehrmals über denselben Vorfall berichten. Besonders positive Sachverhalte werden so doppelt und dreifach aufgetischt.

Trotzdem stellen die in der Märzheuser-Studie befragten Finanzprofis den Unternehmen inzwischen ein passables Zeugnis hinsichtlich ihrer Informationspolitik aus - auch wenn die Branche nach wie vor mit einem ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis der Unternehmen kämpft. Probleme sehen die Finanzprofis mit der Erreichbarkeit des Top-Managements am Tag der Veröffentlichung. Auch gebe es weiterhin ein Überangebot an Information, selbst wenn die meisten Pflichtmitteilungen inzwischen auf eine DIN-A4-Seite passen und sich zu 96 % auf die Darstellung des meldepflichtigen Sachverhalts beschränken. Nachteil: "Mitunter sind die ad-hoc?s sachlich so knapp gehalten, dass dem Adressaten die Einordnung nur über Sekundärinformationen möglich ist", kritisiert Krüll. Ebenso wie die Finanzmarktprofis schlägt sie deshalb eine Standardisierung der Berichte vor - wie etwa nach Vorbild des amerikanischen "Current Report". "Bei einem geordneten und vertrauten Aufbau ist der Anleger viel eher in der Lage, die Mitteilungen zu lesen", erläutert Krüll den Vorteil einer solchen Regelung.

Auch ein anderes Problem könnte sich dann erledigt haben: Den Verantwortlichen bereitet die Frage regelmäßig Schwierigkeiten, welche Sachverhalte der Ad-hoc-Pflicht unterliegen, heißt es unter Investmentprofis. Der bisher übliche Leitfaden der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Börse biete dabei nur eine gewisse Orientierung. Auch sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Unternehmen besser dargestellt werden. "Die getroffenen Aussagen sollten mit konkreten Finanzdaten untermauert werden", ist die Meinung der meisten Finanzprofis.

Eine weitere Regulierung innerhalb der Ad-hoc-Vorschriften wie die Erweiterung des Deutschen Corporate Governance Kodex lehnen sie jedoch ab. Unterstützung erhalten sie dabei von Theodor Baums, der die Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung leitet. "Wir müssen den Unternehmen intern genügend Flexibilität lassen", mahnt er vor Überregulierung. Anders ist die Lage hingegen bei bewusster Anlegertäuschung von Vorständen mittels einer Ad-hoc-Mitteilung. "In Fragen der Haftung von Leitungsorganen haben wir in Deutschland ein totales Defizit", sagte Baums. Die im 4. Finanzmarktförderungsgesetz umgesetzten verschärften Haftungsfolgen haben bisher noch nicht zu einer verbesserten Transparenz geführt.

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