Experten geben Hinweise für Aktionäre von Dax-Gesellschaften
Mit Stop-Loss-Marken das Aktiendepot absichern

An der Börse dürfte es immer wieder neue Rückschläge geben, bis die Unternehmensnachrichten besser werden. Bis dahin gilt es, sich abzusichern - etwa mit Stop-Loss-Marken, die automatisch Verkäufe auslösen.

FRANKFURT/M. Von weißen Stränden unter Palmen träumen Anleger in diesem Jahr besonders gern. Bietet doch ein Urlaub Gelegenheit, der tristen Börsenwelt zu entfliehen. Wer den Aktien für eine Weile den Rücken kehren will, sollte jedoch nicht vergessen, sich abzusichern, sonst ist die gute Laune der Heimkehrer bei einem Blick auf das Depot schnell verflogen. So wie neulich bei einem Anleger, der sein Aktiendepot vorsichtshalber mit Stop-Loss-Marken ausstatten wollte, erzählt Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Seine Bankberater hielten den Anleger von seinem Plan ab - mit der Begründung, die Märkte schwankten derzeit so stark, dass man zu schnell ausgestoppt werde und im Handumdrehen seine Aktien los sei. Und dann ginge es ja oft zügig wieder aufwärts. "Doch leider kam es so, wie der Anleger befürchtet hatte - die Kurse fielen, es wäre besser gewesen, er hätte Stops gesetzt", sagt Heise.

Chartexperte Wieland Staud von der Staud in Frankfurt hält es ebenfalls für falsch, wegen der gestiegenen Volatilität (erwartete Schwankungsbreite der Kurse) die Hände von Stops zu lassen. Stattdessen sollten Anleger ihre Stop-Marken anpassen, d.h. wegen der starken Schwankungen deutlich weiter setzen als zuvor. Habe man früher - bei durchschnittlichen Volatilitäts-Dax-Ständen von 20 bis 25 - die Faustregel aufgestellt, ein Stop sollte 15 bis 20 Prozent unter dem Aktienkurs gesetzt werden, so könne man jetzt einen Abstand von etwa 30 Prozent wählen. Staud betont allerdings, dies sei nur eine Faustregel zur Ableitung der Marken. Im Einzelfall müsse der Anleger entsprechend seiner Risikobereitschaft entscheiden.

Wichtig ist jedenfalls, da sind sich die Experten einig, dass sich Investoren schon beim Kauf einer Aktie überlegen, bei welchem Tiefstkurs sie sie verkaufen würden - als Disziplinierungsmaßnahme sich selbst gegenüber und als sinnvolle Art der Absicherung neben anderen klassischen Formen wie dem Kauf von Derivaten. Sonst geraten sie leicht in Gefahr, aus falschem Stolz zu lange auf den Titeln sitzen zu bleiben.

Dem Abwärtsdruck ausweichen

Wer Schwierigkeiten hat, Stop-Marken für sein Aktiendepot selbst zu definieren, kann sich bei den Chartanalysten Hilfe holen, indem er nach so genannten Unterstützungen Ausschau hält. Das sind bestimmte Kursniveaus, bei denen in der Vergangenheit einer Talfahrt der Aktie Einhalt geboten wurde; aktuelle Unterstützungen für Dax-Titel haben die Charttechniker Achim Matzke von Commerzbank Securities, der Darmstädter Finanzanalyst Felix Pieplow und Staud abgeleitet.

Werden diese Unterstützungen unterschritten, kommt meist verstärkter Kursdruck auf. Anleger können dieses Wissen nutzen, indem sie ihre Stops leicht über den Unterstützungen setzen. Dann entgehen sie der Gefahr, in den Abwärtsdruck nach dem Durchbruch dieser Marken zu geraten.

In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, wie denn eigentlich genau Stops ausgeführt werden - denn da gibt es laut Heise seitens der Anleger immer noch viele Missverständnisse. So fragten viele Investoren bei der Schutzvereinigung nach, ob es mit rechten Dingen zugegangen sei, wenn ihr Veräußerungserlös nicht in Höhe der Stop-Marke liegt. Die Crux bei Stop-Loss-Aufträgen ist aber: Nachdem eine Order so lange in den Büchern der Makler geschlummert hat, bis das festgelegte Kursniveau erreicht oder unterschritten wird, verkauft der Makler die Aktie zum nächstmöglichen an der Börse gehandelten Kurs - der kann zwar manchmal über der Marke liegen, aber auch weit darunter.

Wer zusätzlich einen so genannten Limitauftrag abgibt - was gegenwärtig nur auf dem elektronischen Xetra-System möglich ist -, stellt zumindest sicher, dass er bei plötzlichen Kursschwankungen nicht allzu hohe Verluste erleidet. Denn unterhalb des Limits wird nicht verkauft, nur zum Limitkurs oder zu Kursen darüber.

Allerdings haben auch diese kombinierten Aufträge ihre Tücken. So setzen manche Banken für solche Aufträge bestimmte Volumina voraus. Wie zum Beispiel Uwe Jung, Anlagestratege bei der Commerzbank in Frankfurt, erklärt, kann der Privatkunde in seinem Hause nur kombinierte Stop- und Limit-Aufträge ab einem Mindestvolumen von 10 000 Euro pro Order abgeben. Und bei der Commerzbank dürfen Privatkunden die Kombiorder nur tagesgültig aufgeben. Doch andere Institute haben andere Usancen - und auch Gebühren - , Anleger sollten sich bei ihrer Hausbank genau erkundigen.

Von Händlern der Frankfurter Sparkasse kommt noch ein wichtiger Tipp, um sich nicht von Profis ausspielen zu lassen: Anleger sollten Stops nicht bei runden Marken setzen, zum Beispiel bei 3000 Dax-Punkten. Viele andere Marktteilnehmer gehen so vor. Fällt der Index unter diese Marke, beschleunigt sich der Abwärtsdruck. Einige Profis - wissend, dass der Einbruch auf die automatisch ausgelösten Verkäufe zurückzuführen und übertrieben ist - warten nur darauf, zu niedrigen Kursen einzusteigen. Ihre Käufe treiben den Index hoch, die ausgestoppten Anleger gucken in die Röhre.

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