Experten halten US-Strategie für risikoreich
US-Bodentruppen treffen auf irakische Eliteeinheiten

Bei ihrem Marsch auf Bagdad haben von den USA geführte Bodentruppen am Dienstag Nassirija im Südosten Iraks hinter sich gelassen und stehen rund hundert Kilometer vor Bagdad ersten irakische Eliteeinheiten gegenüber. Damit stehe der Krieg vor einem "entscheidenden Moment", sagte der britische Premierminister Tony Blair.

Reuters SÜDIRAK. Unter heftigem Beschuss von irakischer Seite durchquerten die US-Truppen die Stadt Nassirija und zogen weiter Richtung Bagdad. In der Hauptstadt waren am Morgen neue Explosionen und Flugzeuge zu hören. Auch an der Front im Süden der Stadt sei es offenbar zu vereinzelten Explosionen gekommen, sagte ein Reuters-Reporter. Südwestlich von Bagdad hatten US-Kampfhubschrauber zuvor die von den USA als besonders schlagkräftig beschriebene Division "Medina" der irakischen Armee angegriffen.

Aus Nassirija, wo zwei strategisch wichtige Brücken den Euphrat und den Saddam-Kanal überspannen, berichtete Reuters-Reporter Sean Maguire: "Der Konvoi ist jetzt durch." Die US-Armee habe die Wasserwege überquert und bewege sich weiter nach Norden. Die US-Marineinfanteristen waren unter Beschuss geraten, als sie ihren Militärkonvoi durch die Stadt schleusten und antworteten unterstützt von Kampfhubschraubern mit Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. Zwei Iraker, offenbar Zivilisten, seien getötet worden, berichtete Maguire.

In Bagdad überflogen Kampfflugzeuge am Dienstag die Stadt, vom südlichen und östlichen Stadtrand waren erneut Explosionen zu hören. Die irakische Luftabwehr habe das Feuer eröffnet, berichtete Reuters-Korrespondent Nadim Ladki.

Mit der Division "Medina" stehe und falle die Verteidigung Bagdads, sagte US-Generalmajor Stanley McChrystal am Montag. Er beschrieb die Division als eine der schlagkräftigsten der Republikanischen Garde. "Apache"-Kampfhubschrauber waren am Montag beim Angriff auf die Division "Medina" unter schweren Beschuss geraten. Die US-Armee bestätigte, dabei sei ein Hubschrauber verloren gegangen. Während US-Kommandeure erklärten, die Invasion Iraks laufe nach Plan, teilte die irakische Regierung mit, die "Träume von einem kurzen, einfachen Krieg haben sich in Luft aufgelöst".

In Kreisen des US-Verteidigungsministeriums wurden US-Medienberichte nicht bestätigt, wonach die irakische Führung eine "rote Linie" um Bagdad gezogen habe, innerhalb derer die Republikanische Garde die Erlaubnis habe, chemische Waffen einzusetzen. Irak bestreitet den Besitz solcher Waffen.

Experten: Nachschublinien sind verwundbar

Militärexperten warnten vor unnötigen Risiken in der US-Strategie. Die Invasionsarmee der USA und Großbritanniens sei im Vergleich zur irakischen Armee klein - ein Dutzend irakischer Divisionen von je rund 15 000 Soldaten stünden zwei US-Divisionen gegenüber. "Kann die Überlegenheit in der Luft das ausgleichen? Wir werden sehen", sagte Loren Thompson vom Lexington Institute. Der Kommandeur des britischen Kontingents am Golf, Luftmarschall Brian Burridge, sagte am Dienstag, Großbritannien plane keine Truppenverstärkungen.

Experten kritisierten auch, die Nachschublinien der Truppen seien verwundbar. Am Sonntag war ein Nachschubkonvoi der Armee unter Beschuss irakischer Kämpfer geraten, nachdem der Konvoi offenbar in der Nähe von Nassirija falsch abgebogen und seinen Weg verfehlt hatte. Zwölf US-Soldaten werden vermisst.

Ein ranghoher Kommandeur der US-Armee im Golfkrieg 1991, General Barry McCaffrey, hielt in einem Kampf um Bagdad bis zu 3000 Opfer auf Seiten der USA und Großbritanniens für möglich. "Es wird ganz klar eine brutale, gefährliche Arbeit und wir könnten, offen gesagt, wenigen oder bis zu 3 000 Opfer erleiden", sagte der General im Ruhestand der britischen BBC. Er warf US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vor, den Konflikt falsch eingeschätzt und zu wenig Truppen entsandt zu haben.

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