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Experten: Höhere Leitzinsen mit geringen Folgen für private KrediteDPA-Datum: 2004-06-28 10:46:27

HAMBURG (dpa-AFX) - Häuslebauer können nach Einschätzung von Experten vorerst weiter mit günstigen Baukrediten rechnen. Zwar zeichnet sich mit der erwarteten Erhöhung der Leitzinsen in den USA eine weltweite Trendwende ab und auch die Europäische Zentralbank (EZB) schließt steigende Zinsen nicht mehr aus. Deutsche Baufinanzierer und der Bankenverband gehen aber derzeit noch davon aus, dass sich das Zinsniveau für Baugeld und Verbraucherkredite in Deutschland in den kommenden Monaten nicht oder allenfalls geringfügig erhöht.

HAMBURG (dpa-AFX) - Häuslebauer können nach Einschätzung von Experten vorerst weiter mit günstigen Baukrediten rechnen. Zwar zeichnet sich mit der erwarteten Erhöhung der Leitzinsen in den USA eine weltweite Trendwende ab und auch die Europäische Zentralbank (EZB) schließt steigende Zinsen nicht mehr aus. Deutsche Baufinanzierer und der Bankenverband gehen aber derzeit noch davon aus, dass sich das Zinsniveau für Baugeld und Verbraucherkredite in Deutschland in den kommenden Monaten nicht oder allenfalls geringfügig erhöht.

Die EZB hält den Leitzins seit fast einem Jahr bei historisch niedrigen zwei Prozent. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte jedoch kürzlich eine Zinserhöhung nicht mehr ausgeschlossen, falls es bei einem kontinuierlichen Anstieg der Inflationserwartungen zu so genannten Zweitrunden-Effekten kommt. Diese entstehen, wenn Preissteigerungen durch höhere Löhne kompensiert werden sollen.

KEINE ZINSERHÖHUNG IN DIESEM JAHR

Der Bundesverband Deutscher Banken rechnet allerdings "nicht mit einer Leitzinserhöhung für den Euroraum in diesem Jahr". Bankenverband-Volkswirt Volker Hofmann sagte: "Höhere Zinsen der Europäischen Zentralbank sind aus unserer Sicht auch nicht nötig."

In den USA wird unterdessen mit einer unmittelbar bevorstehenden Erhöhung des Leitzinses gerechnet: Die meisten Fachleute erwarten eine Anhebung auf 1,25 Prozent von derzeit 1,0 Prozent.

REAKTION NUR BEI NACHHALTIGER ENTWICKLUNG

Auch für den Fall steigender Leitzinsen würde dies nicht unmittelbar auf Bau- und Verbraucherkredite durchschlagen, hieß es übereinstimmend. Der Sprecher des größten deutschen privaten Baufinanzierers Schwäbisch Hall, Karl-Heinz Glandorf, sagte, auf die Veränderungen des Zinsniveaus reagierten Bausparkassen nicht bei jedem Ausschlag, sondern nur bei nachhaltigen Entwicklungen. "Erst bei deutlichen Veränderungen werden die Zinsen angepasst." Das betreffe dann lediglich Neuabschlüsse. Bei bereits abgeschlossenen Bausparverträgen seien die Zinsen garantiert. Bei Schwäbisch Hall wurden die Konditionen Glandorf zufolge im vergangenen Jahr dem derzeitigen Zinsniveau angepasst.

Beim Baufinanzierer BHW geht man von leicht steigenden Leitzinsen mit nur geringen Folgen für Bauherren aus. Höchstens um einen halben Prozentpunkt höher könnte der europäische Leitzins am Jahresende liegen. "Dieses Niveau müsste dann auch die BHW mitgehen, das gilt aber nur für Baugeld außerhalb des Bauspartarifs", sagte BHW-Sprecher Matthias Schnabel. Allerdings sei bei derartigen Prognosen immer Vorsicht geboten.

KEINE VERÄNDERUNGEN DER BAUZINSEN

Der Verbandsdirektor der Landesbausparkassen (LBS), Hartwig Hamm, erwartet in nächster Zeit keine Veränderungen der Bauzinsen. Erst wenn es über einen längeren Zeitraum zu gravierenden Veränderungen des Zinsniveaus komme, mache sich das auch für Bauherren bemerkbar.

Auch bei Konsumkrediten können Verbraucher laut Bankenverband weiter mit relativ niedrigen Zinsen rechnen. Eine Art Pufferrolle spiele bei steigenden Leitzinsen das von den Banken kalkulierte Ausfallrisiko: Bei Krediten ohne besondere Sicherheiten sei der Effekt internationaler Kapitalmarktzinsen wegen des von den Banken kalkulierten Ausfallrisikos geringer, sagte Volkswirt Hofmann. Bei Hypothekenkrediten sei das eingerechnete Risiko dagegen niedriger, der Einfluss des Zinsniveaus damit größer. Aber auch hier müssten Verbraucher nur mit geringen Steigerungen rechnen./

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