Experten hoffen auf Erholung
Dax-Ausblick: Probleme noch nicht überwunden

Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage dürften die deutschen Aktienwerte nach Einschätzung von Börsianern in der kommenden Woche zulegen. Allerdings muss mit anhaltend starken Kursschwankungen gerechnet werden.

HB/rtr FRANKFURT. Obwohl der Dax in der abgelaufenen Woche knapp 3 % eingebüßt hat, äußerten sich Börsianer zuversichtlich über die Fortsetzung der Anfang August begonnenen Erholung. Seit dem Fall auf ein Fünf-Jahres-Tief knapp über der Marke von 3 200 Punkten am 6. August hat der Index mehr als 12 % zugelegt. Die aktuellen Aktienkurse seien sehr attraktiv und daher sei er auf Sicht von drei bis sechs Monaten ziemlich optimistisch, sagte Aktienstratege Matthias Joerss von Sal. Oppenheim.

Im Mittelpunkt des Analysten- und Anlegerinteresses steht erneut die Deutsche Telekom. Allerdings wird der ehemalige Monopolist die ersten Geschäftsergebnisse nach dem Rücktritt des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer bekannt geben. Daneben haben auch Linde, ThyssenKrupp, Henkel und Lufthansa die Bekanntgabe von aktuellen Zahlen angekündigt.

Anleger konzentrieren sich bei Telekom auf Schuldenabbau

Da die Eckdaten für die Geschäftsentwicklung der Telekom in der ersten Jahreshälfte bereits weitgehend bekannt seien, konzentrierten sich die Anleger bei der Veröffentlichung der Zahlen am Mittwoch auf Aussagen zum Schuldenabbau und zur Unternehmensstrategie, sagte der Fondsmanager Frank Gänsch von Commerz Asset Management. Die Frage sei jedoch, ob der Interims-Chef Helmut Sihler in der Position sei, die Kosten deutlich zu senken. Sihler hatte in einem am Freitag veröffentlichten Zeitungsinterview unter anderem das Ziel der Schuldenreduzierung auf 50 von aktuell 67 Milliarden Euro bis Ende 2003 bekräftigt.

Ausblick bei Lufthansa, Linde und Thyssen-Krupp entscheidend

Auch bei Lufthansa, Linde und Thyssen-Krupp konzentrieren sich die Marktteilnehmer weniger auf die Geschäftszahlen als auf die Ausblicke. Lufthansa hatte zwar erst kürzlich seine Prognose für den operativen Gewinn im Gesamtjahr auf 500 Mill. Euro angehoben. Analysten erhoffen sich bei der Vorlage der Zahlen am Mittwoch nähere Angaben zur Entwicklung des Fluggeschäftes, nachdem die Lufthansa-Tochter Eurowings den Aufbau einer Billig-Linie angekündigt hatte. Zudem wurde am Freitag aus Unternehmenskreisen bekannt, dass der Touristik-Konzern TUI ebenfalls in diesen Markt einsteigen wolle. Unabhängig davon hatte die US-Fluggesellschaft US Airways wegen der schwachen Nachfrage als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September vor einigen Tagen Insolvenz beantragt. Auch die Muttergesellschaft der zweitgrößten US-Linie United Airlines, UAL, erwägt einen solchen Schritt.

Bei dem Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerkonzern Linde richte sich das Augenmerk derweil auch auf die Einsparungen aus der Übernahme des schwedischen Industriegase-Herstellers AGA, hieß es weiter. Thyssen-Krupp dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern einen deutlichen Rückgang des Vorsteuergewinns verbuchen. Gleichzeitig erwarten die Anleger einen Überblick über den Fortschritt der eingeleiteten Sparmaßnahmen. Linde und Thyssen hatten die Bekanntgabe ihrer Zahlen für Donnerstag angekündigt.

Gleich zu Wochenbeginn will Henkel über die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal informieren. Analysten erwarten einen 13-prozentigen Anstieg des Vorsteuergewinns im Jahresvergleich.

Auch die Experten der Frankfuter Commerzbank glauben, dass die teilweise freundliche Verfasssung der internationalen Aktienmärkte noch keinen nachhaltigen Börsenaufschwung signalisiert. Vor allem die schwache Gewinnsituation vieler Unternehmen sorge für Gefahrenpotenzial, wie in dieser Woche die Verschärfung der Krise in der amerikanischen Luftfahrtindustrie gezeigt habe. Auch im Technologiebereich seien die Probleme noch nicht überwunden, heißt es.

So schockierte IBM die Märkte mit einem deutlich über den Erwartungen liegenden Stellenabbau. Enttäuscht hat aber auch die Allianz-Versicherung. Das Unternehmen musste auf Grund hoher Verluste in der Bankensparte einen Quartalsverlust ausweisen. Alles in allem bleiben die Börsen-Perspektiven aus Sicht der Commerz-Banker verhalten und die Unsicherheit groß, zumal auch die Konjunkturwolken zuletzt dunkler wurden. Mittelfristig orientierten Anleger werden deshalb weiterhin defensive Werte (wie Siemens und BASF) empfohlen.

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