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Experten: Internet und Großkonzerne bringen Verlage unter Druck

Konzerne gingen heutzutage mit einem ganz anderen «Zeithorizont» an die Vermarktung von Literatur, betonten Fachleute am Donnerstagabend zum Auftakt des 20. Erlanger «Poetenfestes».

dpa ERLANGEN: Unter dem Einfluss von Großkonzernen und des Internets geraten deutsche Verlage nach Einschätzung von Experten zunehmend unter Druck. Mit dem Internet entwickele sich außerdem ein neues Leseverhalten, das Literatur und Verlagswesen beeinflusse.

Vor allem Internet-Experten rechnen damit, dass Schnelligkeit und Informationsdichte des Online-Angebots die Gesellschaft und auch den Umgang mit Literatur zunehmend prägen. Ein Buch von 500 Seiten habe es heute schwer, wenn es nicht genug «Action» biete, meinte der Betreiber eines Online-Magazins für Dichtung. Wer im Durchschnitt 30 Sekunden als Internet-Benutzer auf einer Seite bleibe, verliere die Ausdauer und die Sensibilität früherer Leser, meinte der Online- Experte.

Kontrovers diskutierten Verlagsvertreter die Rolle kapitalstarker Konzernriesen wie Bertelsmann oder Holtzbrinck. Dabei kam auch das Ausscheiden der Georg-Büchner-Preisträgerin Elfriede Jelinek aus dem Rowohlt-Verlag zur Sprache. Rowohlt-Verlagsleiter Peter Wilfert gestand ein, dies sei ein «Schock» für den Verlag gewesen. Rowohlt hatte sich im Mai für eine Streichung von Arbeitsplätzen und Buchtiteln entschieden, worauf Jelinek ihre Zusammenarbeit mit dem Verlag löste. Wilfert verteidigte jedoch seine Politik: «Jeder Verlagsteil muss zusehen, dass er gute Bücher macht und Erfolg hat.» Niedrigauflagen brächten aber nun mal keine Gewinne ein, sagte er.

Der Verlagsleiter des Hanser-Verlages, Michael Krüger, kritisierte die hohen Ausgaben einiger Konzerne für Buchrechte: «Das können sie sich nur leisten, weil sie ihr Geld nicht wie wir mit Büchern, sondern mit Fernsehen oder Zeitungen verdienen.» Es zähle nur die Marktführerschaft und nicht wie noch vor einigen Jahren, ob man ein guter Verleger sei.

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