Experten kritisieren schlechte Vermarktung
Cannes sperrt deutsche Filme aus

Während sich der Oscar-gekrönte Spielfilm "Nirgendwo in Afrika" auf dem Filmmarkt in Cannes gut verkauft, schließt die Cannes-Jury deutsche Filme vom Festival aus - ihnen fehle der künstlerische Anspruch.

DÜSSELDORF. An der Croisette in Cannes lassen sich die Hollywood-Stars feiern. Ob Tom Cruise, Nicole Kidman oder Meg Ryan - das bedeutendste europäische Filmfestival hat trotz Medienkrise auch in diesem Jahr regen Zulauf. Viele US-Kinoproduktionen öffnen sich auf den 56. Festspielen das Fenster zur EU, dem wichtigsten Absatzmarkt für die Hollywood-Studios nach den USA. Für Großprojekte wie den neuen "Terminator III", den Sony Pictures vertreibt, wird während der Festspiele und der gleichzeitigen Filmmesse in Cannes der Kinostart in Europa vorbereitet.

Doch deutsche Produktionen müssen auch in diesem Jahr traditionell "draußen bleiben": Kein deutscher Film nimmt am Wettbewerb um die Auszeichnung "Goldene Palme" teil. "Es ist eine Frage von Ignoranz, dass die Deutschen mit ihren Filmen im Hauptwettbewerb nicht vorkommen", sagt Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, der finanziell stärksten deutschen Förderung.

Der Festival-Vorsitzende Gilles Jacob hatte zuvor geäußert, kein deutscher Film entspreche den künstlerischen Auswahlkriterien, die die Kommission allerdings nicht näher erläutert. Lediglich im Nebenprogramm ist Max Färberböcks Film "September" zu sehen, der vom ZDF und der Filmstiftung NRW gefördert wurde. Im Hauptwettbewerb nehmen zwei Koproduktionen Teil, die mit deutschen Fördermitteln kofinanziert wurden: Der Film "Dogville" des dänischen Regisseurs Lars von Trier und "Vater und Sohn" von Aleksander Sokurov. Doch um das Festival als gutes Marketinginstrument für den deutschen Film zu nutzen, hilft das nicht. "Cannes hat für den deutschsprachigen Raum fast keine Bedeutung", bringt es Jürgen Schau, Geschäftsführer der Sony-Filmvertriebstochter Columbia Tristar, auf den Punkt.

Obwohl deutsche Streifen im Wettkampf ausgeschlossen sind, läuft das Geschäft auf der angeschlossenen Filmmesse gut. Zwar werden wegen der allgemeinen Konjunkturflaute insgesamt weniger Verträge mit Vertriebsfirmen geschlossen, doch deutsche Erfolgsfilme haben gute Chancen, berichten verschiedene Händler. Schließlich hat der deutsche Kinofilm "Nirgendwo in Afrika" von Caroline Link im März einen Oscar bekommen - die höchste Weihe im Filmgeschäft. "Den Film haben wir in nahezu alle Territorien weltweit verkauft", freut sich Thorsten Schaumann, Verkaufschef der Bavaria Film International. Selbst im für deutsche Filme schwierigen US-Markt hat der Oscar-Gewinner Erfolg: Am vergangenen Wochenende erreichten die Kinoeinnahmen aus "Nirgendwo in Afrika" die Marke von 3 Mill. $. Auch der deutsche Kassenschlager "Good bye, Lenin", den die unabhängige Berliner Firma X-Filme produziert hat, ist bereits in verschiedene europäische Länder, nach Japan und Südamerika verkauft und wird in Cannes als Verkaufshit gehandelt. In Deutschland hat der Nach-Wende-Film mit 4,3 Mill. Zuschauern im ersten Quartal über 20 % der gesamten Kinoeinnahmen von 236 Mill. Euro ausgemacht - so viel wie kein anderer deutscher Film zuvor, meldet die Filmförderungsanstalt.

Den schlechten Ruf deutscher Filme bei Europas wichtigsten Filmfestspielen führen Marketingexperten auch auf mangelnde Kommunikation zurück. "Die Vermarktung des deutschen Films ist amateurhaft", kritisiert Bernd Michael, Markenexperte und CEO der Grey Global Group Middle Europe. Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" sei erst nach der Oscar-Auszeichnung in Deutschland wirklich bekannt geworden. Rund 40 % der Produktionskosten großer Filme müssten für die Vermarktung ausgeben werden, erklärt der Columbia-Vertriebsmann Schau.

Um den deutschen Film künftig mehr ins Bewusstsein der Filmjury zu rücken, will die Filmstiftung NRW an der Cote d?Azur jetzt ihre Zusammenarbeit mit der französischen Filmwirtschaft ausbauen. Der Schirmherr des Produzenten-Vereins soll aus der Politik kommen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%