Experten kritisieren zu optimistische Studien
Bei Ökofonds ist langer Atem nötig

Ökologisch und ethisch orientierte Geldanlage liegt zurzeit im Trend. So verfassen Banken denn auch häufiger Studien zum Thema "nachhaltig Investieren".

FRANKFURT/M. Das Fazit der jüngsten Untersuchungen von WestLB Panmure und der Researchfirma Cerulli Associates aus Boston/London: Es lohnt sich, nachhaltige Aktien zu kaufen. Gründe: Es gebe immer mehr Vorschriften, die nachhaltiges Wirtschaften forderten; die Unternehmen hätten auch am Kapitalmarkt ein besseres Image - und die Rendite stimme meist. "Das leuchtet ein: Ein Unternehmen, das bewusst nicht nachhaltig wirtschaftet, schadet sich selbst", kommentiert Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter der SJB FondsSkyline aus Korschenbroich. Doch Bennewirtz wendet sich in einer dem Handelsblatt vorliegenden Studie scharf gegen Behauptungen, nachhaltige Fonds hätten im Vergleich zu konventionellen Fonds eine "mindestens gleichwertige bis tendenziell bessere Performance"; diese Auffassung hatten kürzlich das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW und die Schweizer Bank Sarasin in einer Untersuchung vertreten.

Die Kritik von Bennewirtz an der Studie richtet sich zunächst auf die Auswahl der Fonds, die mit den Ökofonds verglichen werden: So sei die untersuchte Zahl von 359 internationalen Aktienfonds aus Luxemburg vergleichsweise gering; allein in Deutschland gebe es derzeit 479 vergleichbare internationale Aktienfonds. Doch gravierender sei: Small-, Midcap- und Branchenfonds könnten als Spezialitätenfonds nicht mit international diversifizierten Fonds verglichen werden. Wenn man die Untersuchung auf den gesamten deutschen Markt ausdehne und nur Fonds mit ähnlichem Anlagehorizont miteinander vergleiche, ergebe sich ein anderes Bild als in der ZEW-Sarasin-Studie: Bei den 479 international ausgerichteten Fonds in Deutschland liege die durchschnittliche Performance über ein Jahr per 25. Oktober 2002 bei minus 25,44 Prozent. "Und nur 6 von 18 Ökofonds schaffen es, dieses Mittelmaß zu übertreffen", sagt Bennewirtz.

Andreas Knörzer, Leiter der Abteilung Sustainable Investment bei der Bank Sarasin, und sein Kollege Eckhard Plinke kontern: "Beim Performance-Vergleich ergibt sich ein Problem: Die meisten Fonds sind erst kurz am Markt." Und bei einer kurzfristigen Betrachtung könnten konjunkturelle oder branchenspezifische Einflüsse dominieren, die längerfristig wenig mit Nachhaltigkeit zu tun hätten. Die Aussagen der SJB bezögen sich primär auf die Entwicklung der letzten zwölf Monate. Knörzer: "Von solchen kurzfristigen Betrachtungen kann man aber keine allgemein gültig Aussagen ableiten." Abgesehen davon: Wenn man auf die aussagekräftigere Dreijahresperformance abstelle (siehe Tabelle), sehe man: "Die betrachteten Ökofonds haben in der Mehrzahl über dem Marktdurchschnitt konventioneller Fonds gelegen."

Generell betonen die Schweizer aber auch, man müsse die Ebene nachhaltige Aktien und die Ebene "wie erfolgreich der Portfoliomanager ist" auseinander halten. Ihre Studie habe sich "vor allem" mit der Titelebene beschäftigt, während SJB allein auf die Performance der Fonds abstelle. Und das Ergebnis bei Einzeltiteln sehen die Schweizer klar belegt: "Nachhaltigere Unternehmen weisen mindestens keine unterdurchschnittliche Rendite auf."

Quelle: Handelsblatt

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