Experten loben Neuentwicklungen
Astra-Zeneca verteidigt ihre Patente

Im wichtigsten Patentstreit der Pharmabranche sieht der britische Konzern Astra-Zeneca weiterhin gute Chancen, die Oberhand zu behalten. Man werde die Exklusivität des Medikaments Losec mit allen Mitteln verteidigen, betonte Firmenchef Tom McKillop im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Wir sehen uns in einer starken Position, um zu beweisen, dass Generikahersteller unsere Technologie verletzen."

HB FRANKFURT/M. In dem Verfahren vor einem Distriktgericht in Manhattan steht für den zweitgrößten Arzneimittelhersteller Europas viel auf dem Spiel. Losec, das einst umsatzstärkste Medikament der Welt, hat im vergangenen Jahr noch rund 5,7 Mrd. $ oder gut ein Drittel zum Gesamtumsatz von Astra-Zeneca beigetragen, davon 3,7 Mrd. $ in den USA, wo das Präparat unter dem Namen Prilosec vertrieben wird. Das Patent für den Wirkstoff, der die Säurebildung im Magen hemmt, ist im Oktober 2001 ausgelaufen, im Dezember erhielt die US-Firma Andrx als erster Generikahersteller eine Zulassung für eine Prilosec-Kopie. Ebenfalls in den Startlöchern stehen Genpharm, eine Tochter der Merck KGaA, die zu Schwarz Pharma gehörende Firma Kudco und der indische Generikahersteller Reddy-Cheminor. Gegen alle vier Unternehmen hat Astra-Zeneca geklagt wegen Verletzung von Patenten für die Aufbereitung und Darreichung des Medikaments. Eine Entscheidung der New Yorker Richter wird für Juni erwartet.

Während die meisten Branchenkenner und Analysten davon aus gehen, dass zumindest einer der Generikahersteller freie Bahn bekommt, sieht der Astra-Zeneca-Chef nach wie vor eine 50-prozentige Erfolgschance. Noch günstiger seien die Aussichten in der zweiten Instanz. Und man werde eine negative Entscheidung auf jeden Fall anfechten, betont McKillop. Im günstigsten Fall könnte der Konzern damit die Exklusivität von Losec bis 2007 verteidigen.

Für den Fall, dass Prilosec-Kopien doch bereits im 2. Quartal auf den Markt kommen sollten, hat Astra-Zeneca für 2002 einen stabilen Umsatz und einen moderaten Gewinnrückgang von etwa 6 % in Aussicht gestellt. Das haben sich die meisten Analysten in ihren Schätzungen zu eigen gemacht. McKillop will die Aussage indessen nur als Berechnung für bestimmte Annahmen verstanden wissen. Werde Losec erfolgreich verteidigt, falle das Ergebnis deutlich höher aus.

Die Auseinandersetzung um Losec ist ein Paradebeispiel dafür, welche Bedeutung Pharmapatente und die zugehörigen Verteidigungs-Strategien erlangt haben. Bei jedem Dritten großen Pharmakonzern sind derzeit umsatzstarke Produkte von Generika-Konkurrenz bedroht. Die Deutsche Bank schätzt, dass sich das Pharma-Marktwachstum in den USA deshalb von bisher 14 % auf etwa 9-10 % abschwächt. Bei Astra-Zeneca erscheint die Situation besonders extrem, weil neben Losec auch die US-Patente für zwei weitere wichtige Produkte, das Herzmittel Zestril und das Krebsmittel Nolvadex, in diesem Jahr auslaufen.

Andererseits stellen die Briten aber auch unter Beweis, dass Pharmakonzerne erhebliche Möglichkeiten besitzen, damit solche Worst-Case-Szenarien keine Wirklichkeit werden. Entschärft wird die Losec-Problematik ferner durch eine Reihe erfolgreicher Neuentwicklungen. McKillop geht davon aus, dass der Konzern in diesem Jahr die Zulassung für vier wichtige Produkte erhalten wird. An vorderster Stelle steht dabei der Cholesterinsenker Crestor, ein Medikament mit besonders starker Wirkung gegen zu hohe Blutfettwerte. Ebenfalls große Hoffnungen ruhen auf dem Krebsmedikament Iressa. Es wird voraussichtlich das erste Produkt einer neuen Wirkstoffklasse sein, die am EGF-Rezeptor, einem auf Krebszellen besonders stark vertretenen Protein, angreift. Die Zuversicht für die Neuentwicklungen wird inzwischen von vielen Investoren geteilt und bescherte der Astra-Zeneca-Aktie in den vergangenen Monaten die stärkste Performance in der Branche. CSFB spricht gar von der besten "Pipeline" in der Branche.

Dennoch bleiben Unsicherheiten für die Gewinnentwicklung. Vier wichtige Neueinführungen in kurzer Zeit bedeuten für das Marketing des Konzerns eine enorme Herausforderung. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund zeigt das Astra-Management auffallend wenig Interesse am Thema M&A. "Man muss immer offen sein im Denken", sagt McKillop. "Aber derzeit steht für uns ganz eindeutig das organische Wachstum im Vordergrund." Selbst das Einlizenzieren neuer Produkte, das bei fast allen großen Pharmaherstellern derzeit weit oben auf der Agenda rangiert, hat für McKillop offenbar wenig Dringlichkeit. "Taktisches Lizenzieren kann ein wichtiger Teil des Produkt-Mixes sein. Aber die eigenen Produkte haben immer die besten Margen."

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