Experten-Meinung
Konsolidierung der Internetbranche geht weiter

Die Konsolidierung in der Internetbranche wird sich nach Einschätzung von Rolf Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG, 2002 fortsetzen.

vwd FRANKFURT. Es werde noch eine ganze Zeit weitergehen wie 2001, sagte Dommermuth. Im abgelaufenen Jahr habe sich ein differenziertes Bild ergeben: Dadurch, dass kein neues Geld in diesen Markt gekommen sei, seien vor allem kleine Unternehmen und jene mit verlustintensiven Businessmodellen und dünner Kapitaldecke an den Rand gedrängt worden bis zur Insolvenz.

Auf der anderen Seite stünden größere, möglicherweise profitable Unternehmen mit einer gewissen Marktposition. Diese hätten ihre Lage allein dadurch verbessert, dass die Konkurrenz geringer geworden sei, betonte der Vorstandsvorsitzende des in Montabaur ansässigen Unternehmens. Schließlich seien neben einigen Insolvenzen auch weniger neue Internet-Unternehmen in den Markt gekommen. Die Knappheit an Risikokapital sollte zumindest in den nächsten Monaten noch anhalten, da sich zu viele Financiers die Finger verbrannt hätten. Viele kleinere Unternehmen dürften den fortgesetzten Konsolidierungsprozess nicht überleben bzw Unterschlupf bei Größeren suchen.

Der Internetmarkt wächst

Diese dürften die Situation nutzen - "der Internetmarkt insgesamt wächst ja" - ihre Position auszubauen und ihr Geschäft zu stabilisieren, erwartet der Vorstandschef. Chancen ergäben sich schon allein aus der Tatsache, dass das Internetgeschäft immer noch am Anfang seiner Entwicklung stehe. Chancen böten sich auch in der zunehmenden Versorgung von Massenmärkten mit breitbandigen Anschlüssen. Die stark wachsende DSL-Technologie ermögliche größere Datenübertragungsvolumen und damit den Transport neuer vielfältiger Anwendungen und Inhalte. Dies werde auf jeden Fall ein Wachstumstreiber für die Branche sein.

Risiken im Markt selbst sehe er 2002 trotz der wahrscheinlich nicht berauschenden Konjunktur zur Zeit nicht, sagte Dommermuth. Es gebe nach wie vor ein großes Interesse am Internet, der Markt sei noch nicht gesättigt. Das Risiko werde eher bei den einzelnen Unternehmen selbst liegen. Gesellschaft für Gesellschaft müsse sich überlegen, wie sie profitabel werde, wie sie sich vernünftig finanziere, auch wenn kein frisches Geld von Venture-Capital-Gesellschaften oder von der Börse komme, und welcher Markt adressiert werden solle. Diese Aspekte müsse man sich vor Augen halten, "um nicht zu weit hinaus zu schwimmen".

2001 war ein schwieriges Jahr

Für United Internet sei 2001 ein schwieriges, für das Management ein anspruchsvolles und herausforderndes Jahr gewesen. Nachdem das Geschäft im Vorjahr mit der Netzwerkstrategie in eine neue Richtung gebracht worden sei, sei der Netzwerkgedanke 2001 "gerade wieder zusammengefaltet" worden. Man sei zurückgekommen zur Besinnung auf das Kerngeschäft, "auf Geschäfte, die uns zu 100 % gehören, die wir seit Jahren kennen, die profitabel sind. Weg von Investments in junge Start-Ups, an denen wir Minderheitsbeteiligungen hielten", sagte der Unternehmenslenker.

Ein Grund für die gescheiterte Netzwerkstrategie sei die teilweise falsche Markteinschätzung gewesen. So seien beispielsweise die Finanzierungserlöse aus Online-Werbung weit unter den Erwartungen in den Businessplänen geblieben. Zudem seien die Erwartungen an das Management der übernommenen Gesellschaften zum Teil nicht erfüllt worden. Der dritte Grund sei die veränderte Kapitalmarktwahrnehmung. In den Jahren 1998 bis 2000 habe man im Internetgeschäft eher mit Anlaufverlusten argumentieren können mit Blick auf die Schaffung eines Wertes. In diesem Jahr habe dagegen wieder eine traditionelle Firmenbewertung vorgeherrscht.

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