Experten: Nur ein Baustein im Depot
Strategiezertifikate: Viele Strategien zur Auswahl

Mit Strategiezertifikaten kann man Geld systematisch in Aktien anlegen. Doch es gibt Tücken.

DÜSSELDORF. Es soll Anleger geben, die greifen aus Prinzip nicht zu Aktien des Biotechnologieunternehmens November. November - allein der Gedanke an die unbehagliche Jahreszeit mache doch gute Geschäfte auf Dauer unmöglich, so die Begründung.

Der Unternehmensname als Maßstab für eine Anlageentscheidung - so kann man es auch machen. Es gibt aber rationalere Strategien. Analysten und Strategen sind in einem Punkt einig: Wer am Aktienmarkt auf Dauer Erfolg haben will, braucht neben Geduld vor allem einen systematischen Plan für die Auswahl seiner Titel.

Anleger, die diese Aufgabe nicht einem Fondsmanager überlassen oder auf Indexzertifikate ausweichen wollen, müssen nicht unbedingt selbst den Kurszettel durchforsten. So genannte Strategiezertifikate nehmen ihnen diese Arbeit ab und bieten eine Alternative.

Das Prinzip ist einfach: Ähnlich wie bei einem Fonds stellt die emittierende Bank oder das Investmenthaus einen Aktienkorb zusammen, der meist aus zehn bis zwanzig verschiedenen Titeln besteht. Damit haben die Gemeinsamkeiten allerdings schon ein Ende. Denn für die Art und Weise, wie dieser Korb zusammengestellt wird, gibt es zahllose Investmentideen und Kriterien, nach denen die einzelnen Aktien im Korb landen. Der Markt ist groß - rund 1 000 Zertifikate sind in Deutschland gelistet - und dementsprechend bunt gemischt. Bei dem einen Zertifikat ist ein möglichst niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis entscheidend, im anderen Fall landen die jeweiligen Marktführer einer bestimmten Branche im Portfolio des Zertifikats. Diese Vielfalt ist Chance und Risiko zugleich.

"Strategiezertifikate sind eine Möglichkeit, eine Outperformance gegenüber dem jeweiligen Index zu erzielen", sagt Armin Geier vom Informationsdienst Zertifikateweb.de. Um am Ende tatsächlich ein paar Prozentpunkte besser als der Index zu liegen, gilt es, bei der Auswahl aber einige Kriterien zu beachten. "Es gibt Aktienkörbe, da passt nichts richtig zusammen", beobachtet Zertifikateexperte Geier. "Da wird so viel reingepackt, dass das Depot keine sinnvolle Struktur hat."

Wichtig beim Kauf ist also, dass der Auswahlmechanismus des Zertifikats auch von unerfahrenen Anlegern verstanden und klar nachvollzogen werden kann. Das ist umso eher der Fall, je objektiver die Auswahlfaktoren sind - wie beispielsweise die Höhe der Dividendenrendite oder das Kursmomentum (der Kurszuwachs der Aktie in einem genau definierten Zeitraum). Deutlich kritischer sind dagegen Emissionen zu beurteilen, bei denen die Empfehlungen einer nicht näher eingegrenzten Anzahl von Analysten oder etwa Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre die Basis des Auswahlprozesses darstellen.

"Wichtig ist auch, dass eine regelmäßige Anpassung des Depots stattfindet", sagt Geier. "Bei statischen Zertifikaten, deren Zusammensetzung über die Laufzeit hinweg konstant bleibt, besteht die Gefahr, dass sie auf einen Trend aufsetzen, der nach ein oder zwei Jahren ausläuft." Dies betrifft vor allem die zahllosen Branchenzertifikate, die in der entsprechenden Boomzeit für die Themen Internet oder Logistik herausgegeben wurden.

Ein positives Beispiel ist dagegen das German Top 12-Zertifikat von Merrill Lynch. Es versammelt diejenigen zwölf Dax-Werte mit der historisch höchsten Dividendenrendite. Die Zusammensetzung des für das Zertifikat von Merrill extra berechneten Germany-Top-12-Index wird halbjährlich im Januar und Juli auf Basis der Frankfurter Schlusskurse angepasst.

Zudem werden angefallene Bezugsrechte und Dividenden rechnerisch reinvestiert - bei vielen Strategiezertifikaten keine Selbstverständlichkeit, oft stellen die vom Emittenten einbehaltene Gewinnausschüttungen so etwas wie eine verdeckte Vergütung dar.

Die Kosten sind neben der verfolgten Strategie das zweite wichtige Kriterium, das bei der Auswahl eines Zertifikats zu berücksichtigen ist. Grundsätzlich gilt: Der Wettbewerb zwischen den einzelnen Emittenten ist bei diesem Typ Zertifikat nicht so hoch wie bei den Indexzertifikaten. So sind die Strategievarianten in der Regel zunächst einmal deutlich teurer.

Das fängt in vielen Fällen mit einer laufenden Verwaltungspauschale an, etwa 0,5 bis 1,0 Prozent pro Jahr. Dazu kostet jede Neuausrichtung oder Umschichtung des Portfolios Geld. Nicht selten werden die Zertifikateanleger hierfür zusätzlich zur Kasse gebeten. Oft geschieht das nahezu unbemerkt, indem vom zu Grunde liegenden Index beziehungsweise Depotwert ein Abschlag vorgenommen wird. Ein Trick: Vom Emissionspreis wird eine Art Ausgabeaufschlag einbehalten. Das heißt: Beträgt der Ausgabekurs zum Beispiel 100 Euro, zwackt der Emittent 1 oder 2 Euro als anfängliche Managementvergütung ab.

Ein weiteres Problem: Die individuelle Ausgestaltung der einzelnen Papiere erschwert nicht nur den genauen Kostenvergleich. Vielfach sind die Papiere auch wenig liquide. Ein Börsenhandel existiert praktisch nicht, so dass der Anleger auf den jeweiligen Emittenten als Handelspartner zurückgreifen muss. Der wiederum stellt im Eigenhandel zum Teil deutlich höhere Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) als bei den Indexvarianten. Dementsprechend teuer ist ein vorzeitiger Ausstieg. Spread, laufende Kosten und verfolgte Investmentstrategie - all diese Punkte sollten vor dem Einstieg geklärt werden. Wichtigstes Hilfsmittel dabei: das Internet. Auf den Hompages der Emittenten stehen die Prospekte der jeweils eigenen Zertifikate zum Download bereit. Ein genauer Studium ist empfehlenswert.

Stellt sich am Ende die Frage nach dem Sinn und Zweck von Strategiezertifikate. Für Anlageexperten ist es ausgemacht, dass diese Papiere nur ein Baustein im Depot sein sollten - etwa als Ergänzung zu Indexzertifikaten.

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