Experten pessimistisch
Infineon-Zahlen bergen keinen Hoffnungsschimmer

Dass Infineon im Geschäftsjahr 2000/01 schwarze Zahlen schreiben könnte, schließen die Experten nach der Gewinnwarnung für das dritte Quartal inzwischen aus.

Reuters MÜNCHEN. Auch wenn Infineon die neuen Aktien aus seiner Kapitalerhöhung an den Mann gebracht hat, brauchen die Investoren bei dem Münchener Halbleiterkonzern nach Ansicht von Analysten noch einen langen Atem. Dass Infineon im Geschäftsjahr 2000/01 (zum 30. September) schwarze Zahlen schreiben könnte, schließen die Experten nach der Gewinnwarnung für das dritte Quartal inzwischen aus. Wenn das Unternehmen am Montag die endgültigen Quartalszahlen vorlegt, rechnen sie nicht mit Überraschungen oder gar mit einem Hoffnungsschimmer für die Börse: Der Quartalsverlust werde bei 600 Mill. Euro liegen, nahe dem maximalen Fehlbetrag, den Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher in Aussicht gestellt hat.

Ein noch höheres Minus sei nicht zu erwarten, sagte Michael Bahlmann vom Bankhaus M.M. Warburg in Hamburg: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Infineon diese Blöße gibt." Nachdem sich das Umfeld auf den weltweiten Chipmärkten seit Ende Juni kaum aufgehellt habe, seien auch bessere Zahlen nicht in Sicht. Vor Jahresfrist hatte Infineon im Quartal noch 366 Mill. Euro verdient. Infineon hatte erklärt, der erwartete Verlust sei zu einem wesentlichen Teil auf Abschreibungen auf Vorräte zurückzuführen. Wie hoch diese sind, ist offen. Der Halbleitermarkt habe sich seit April kontinuierlich verschlechtert, hieß es damals. Auch der Juni sei ein weiterer schlechter Monat gewesen, und der Juli habe nicht besser begonnen, sagt Jürgen Wagner vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Auch in ihren Umsatzschätzungen schenken die Analysten den Vorhersagen von Infineon-Chef Schumacher Glauben, der gegenüber den 1,65 Mrd. Euro aus dem zweiten Quartal einen Rückgang um 30 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Das wären rund 1,15 Mrd. Euro. Die Prognosen rangieren nach einer Umfrage von Reuters zwischen 1,16 und 1,23 Mrd. Euro.

Verlust nicht auszuschließen

Für das Geschäftsjahr 2000/2001, das in zweieinhalb Monaten endet, hatte sich Schumacher zuletzt vorsichtig ausgedrückt: Ein Verlust sei nicht auszuschließen. "Man kann ausschließen, dass es einen Gewinn gibt", formuliert es Analyst Wagner umgekehrt. Operativ werde das laufende Quartal damit noch schlechter sein. "Es sei denn, jemand schenkt Infineon Geld", fügte sein Kollege Bahlmann hinzu. In der Verlustzone wird Infineon schon nach neun Monaten rangieren, nachdem im ersten Halbjahr unter dem Strich ein Gewinn vor Steuern und Zinsen von 471 Mill. Euro stand. Bis Ende September dürfte daraus ein Verlust von mehr als 500 Mill. Euro werden, sagen Analysten. Schumacher selbst will sich nicht näher festlegen. "Das wird in der Branche inzwischen ja Mode", sagte ein Analyst.

Der einzige Vertreter der Branche, der schon für das vierte Quartal 2001 eine Erholung des Chip-Marktes erwartet hatte, war die französische STMicroelectronics. Aber auch das würde Infineon nicht mehr helfen. Dagegen erwartet der niederländische Philips-Konzern bessere Zeiten nicht vor dem nächsten Jahr, der Halbleiter-Ausrüster ASML Holding sogar erst in der zweiten Jahreshälfte 2002. Die neue Marketing-Kampagne des Software-Riesen Microsoft, die im Oktober starten soll, könnte für Belebung auf dem PC- und damit auch auf dem Chipmarkt bringen, vermutet dagegen Analyst Wagner. Infineon verkauft Analysten zufolge Speicherchips (DRAMs) momentan zu einem Drittel der Vollkosten.

Die Strategie der Siemens-Tochter leuchtet den Investoren wie den Analysten weiterhin ein: Wenn der Markt wieder anziehe, sei Infineon mit der neuen 300-Millimeter-Produktion, die in Dresden entsteht und für die die 1,5 Mrd. Euro aus der Kapitalerhöhung vornehmlich bestimmt sind, technologisch an der Spitze. Zwar dürften die Münchener während des Anlaufs noch Verluste schreiben, während andere schon wieder schwarze Zahlen ausweisen, langfristig jedoch die Kostenführerschaft gewinnen, argumentiert ein Analyst. Der Welt drittgrößter Chipproduzent, die südkoreanische Hynix, könne diesen Kraftakt nicht stemmen, sagt Wagner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%