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Experten: Präventivschlag-Ankündigung leere Drohung

Die von den russischen Streitkräften angekündigten Präventivschläge gegen Terroristen weltweit sind von Politikern und Experten als leere Drohungen aufgefasst worden.

dpa MOSKAU. Die von den russischen Streitkräften angekündigten Präventivschläge gegen Terroristen weltweit sind von Politikern und Experten als leere Drohungen aufgefasst worden.

Russland sei im Gegensatz zu den USA derzeit zu solchen Angriffen technisch nicht in der Lage, sagten westliche Militärdiplomaten am Donnerstag in Moskau. Eine Woche nach dem Geiseldrama von Beslan fand die Polizei in der Stadt St. Petersburg Sprengstoff und Zünder in einem wegen Renovierung geschlossenen Kino. Nach ersten Angaben der Behörden soll das Depot mit Sprengstoff, Zündern und einer Schrotflinte bereits vor Jahren von einer kriminellen Banden angelegt worden sein. Verbindungen zu terroristischen Organisationen seien auszuschließen, sagte ein Sprecher der Kriminalpolizei.

UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte als Reaktion auf die russische Präventivschlag-Drohung davor, im Anti-Terror-Kampf grundlegende Bürgerrechte zu verletzten. Ausländische Militärvertreter in Moskau werteten die Ankündigung des Generalstabs als Versuch, der eigenen Bevölkerung zu suggerieren, man habe alles im Griff und bekämpfe die Terroristen. Russland sei selbst im eigenen Land nicht in der Lage, die Anführer der tschetschenischen Rebellen auszuschalten, hieß es.

Außenminister Sergej Lawrow sagte in Moskau, Russland plane nach dem Geiseldrama von Beslan keine grundlegenden Abweichungen in der Außenpolitik. Der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im Föderationsrat, Viktor Oserow, stellte klar, sein Land werde sich im Anti-Terror-Kampf streng an internationales Recht halten und nicht ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrates agieren. Generalstabschef Juri Balujewski hatte am Mittwoch nach einem Treffen mit dem Nato - Oberbefehlshaber James Jones angedroht, weltweit Lager von Terroristen durch Präventivschläge zu vernichten.

Sechs Tage nach der gewaltsamen Beendigung der Geiseltragödie von Beslan schweben immer noch 64 verletzte Opfer in Lebensgefahr. Insgesamt würden noch 356 Menschen, darunter 219 Kinder, in Krankenhäusern vor Ort, in Moskau und Rostow am Don behandelt, teilte das Gesundheitsministerium in Moskau mit. Die russische Regierung kündigte an, den Familien der offiziell 335 Todesopfer jeweils eine Entschädigung von 100 000 Rubel (2850 ?) zu zahlen.

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