Experten rätseln über Dauer
Aktienkurse drücken Anleihenmarkt

Die Kurse der europäischen Festverzinslichen sind am Freitag weiter gefallen, nachdem die Aktienmärkte ihre Kursgewinne fortgesetzt haben. Analysten zufolge ist aber noch unklar, ob es sich dabei um einen länger anhaltenden Trend handelt.

Reuters FRANKFURT. "Das ist gleiche Geschichte wie immer. Der Anleihenmarkt bewegt sich in Abhängigkeit des Aktienmarktes", sagte Peter Fertig, Rentenanalyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Ein unerwarteter Rückgang der italienischen Industrieproduktion im Juni habe diese Tendenz aber begrenzt und die Erwartung gleich bleibender Leitzinsen in der Euro-Zone bestärkt, sagten Händler. "Die italienischen Daten unterstützen die Bonds, da sie zeigen, dass die Erholung weit davon entfernt ist, eine Starke zu sein", sagte Fertig.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future notierte gegen 10.30 Uhr MESZ drei Ticks im Minus mit 110,50 Punkten. Die zehnjährige Bundesanleihe verlor drei Basispunkte auf 103,12 %, ihre Rendite stieg auf 4,58 %. Der Bobl-Future notierte sieben Ticks schwächer bei 108,35 Zählern und der Schatz-Future verlor sieben Ticks auf 104,38 Stellen.

"Wir befinden uns gerade in einer kurzfristigen Korrektur der Aufwärtsbewegung auf das Hoch von 111 Punkten beim Bund", sagte Robin Wilkin, Stratege von JP Morgan in London. Der Rentenmarkt gleiche gerade eine überkaufte Situation aus. "Es ist unklar ob wir uns demnächst in einer engen Spanne bewegen oder deutlich fallen werden." Neben den Aktien stehen Händlern zufolge am Freitag italienische Konjunkturdaten im Mittelpunkt. Die Zahlen zur italienischen Industrieproduktion im Juni signalisierten mit einem Rückgang von 0,9 % zum Vormonat und von 1,7 % zum Vorjahr nicht die erhoffte konjunkturelle Erholung.

Außerdem veröffentlichte das italienische Statistikamt Istat schwächer als erwartete Zahlen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal und revidierte die Zahlen für das erste Vierteljahr nach unten. Im Zeitraum von April bis Juni sei die italienische Wirtschaft sowohl zum Vorjahr als auch zum Vorquartal um 0,2 % gestiegen. Von Reuters befragte Analysten hatten zum Vorquartal mit einem Anstieg um 0,3 % gerechnet. Für Januar bis März nannte Istat nur noch ein Quartalswachstum von 0,1 % nach einer ersten Schätzung von plus 0,2 %.

Am Donnerstag hatte der August-Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) signalisiert, dass zumindest eine Zinserhöhung in der Euro-Zone vorerst kein Thema mehr sein dürfte. Analysten zufolge dämpfte die EZB aber auch Zinssenkungsspekulationen. Im Monatsbericht hieß es, die Inflationsrisiken seien inzwischen wieder ausgewogener. Außerdem prognostizierten die Währungshüter nicht mehr, dass die Euro-Zone bis zum Jahresende das auf 2,0 bis 2,5 % bezifferte Potenzialwachstum erreicht. Die nächste Entscheidung über die Höhe des derzeitigen Schlüsselzinses von 3,25 % wird die EZB am 12. September treffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%