Experten räumen Vorstoß kaum Chancen ein
BGM flirtet wohl mit Sony

Nachdem die Verhandlungen mit dem Konkurrenten Warner Music ins Stocken geraten sind, erwägt der Bertelsmann-Vorstand Gespräche mit Sony Music zu führen, um die Musikaktivitäten zusammenzulegen. Sprecher von Bertelsmann, deren Musiktochter BMG und Sony Music lehnten einen Kommentar ab.

HB LONDON. Bertelsmann wolle mit Sony über eine mögliche Zusammenlegung der Musiksparten sprechen, hieß es am Mittwoch in den Kreisen. Der Bertelsmann-Vorstand habe diesen Schritt in dieser Woche abgesegnet. Es gebe aber noch keine Gespräche mit Sony Music, wurde betont.

Manche Branchenkenner räumen dem Vorstoß von Bertelsmann allerdings geringe Erfolgschancen ein. Sony Music habe in diesem Jahr mit fast allen der fünf weltweit größten Musikkonzerne informell über eine Konsolidierung gesprochen und dabei betont, nicht unter Zeitdruck zu stehen, sagte ein mit den Gesprächen Vertrauter. Die Nummer zwei der Branche hinter Marktführer Universal Music wäre wahrscheinlich nur an einer schlichten Übernahme von BMG interessiert, und das auch nur zu einem für sie attraktiven Preis, fügte er hinzu.

Die Frage ist aber, ob sich Bertelsmann aus dem Musikgeschäft zurückziehen will. In den Gesprächen mit dem US-Konzern AOL Time Warner über eine Fusion mit der Musiktochter Warner Music habe Bertelsmann auf die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, an dem beide Unternehmen jeweils die Hälfte halten, gedrängt, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Warner habe dagegen zunächst die Mehrheit an dem fusionierten Unternehmen behalten wollen. Zum Schluss hakten die Gespräche an der Frage, wie viel die kleinere BMG als Ausgleich für einen gleich hohen Anteil an dem Joint Venture an Time Warner zahlen sollte.

BMG ist der kleinste der weltweit fünf größten Musikkonzerne. Angeführt wird die Rangliste von Universal Music gefolgt von Sony Music, der britischen EMI Group und Warner Music. Wegen seit Jahren sinkender Umsätze in der Musikbranche halten alle Beteiligten nach Möglichkeiten für der Kooperationen oder Zusammenschlüsse Ausschau.

Die Gespräche zwischen BMG und Warner, die schon weit fortgeschritten waren, sind nach Angaben aus Kreisen zwar nicht abgebrochen, aber sehr ins Stocken geraten. Anfang der Woche warf dann die EMI Group ihren Hut in den Ring und bot Warner den Kauf des Musikgeschäftes für mehr als 1,5 Mrd. Dollar an. Sowohl eine Fusion von BMG und Warner als auch eine Kombination Warner/EMI würde den weltweit zweitgrößten Musikkonzern schaffen.

Bisher waren Versuche für Fusionen unter den Top Fünf Musikkonzernen an wettbewerbsrechtlichen Hürden gescheitert. Die Beteiligten hoffen, dass die schwachen Märkte die Kartellbehörden in den USA und Europa diesmal milder stimmen. Mehr als einen Zusammenschluss würden sie aber nicht genehmigen, wird in der Branche vermutet. "Keiner sollte die Kartellbehörden unterschätzen", sagte dazu ein Vertreter der unabhängigen Labels, die gegen eine Fusion unter den Großen sind. "Es ist unwahrscheinlich, dass ein Geschäft ohne bedeutende Desinvestitionen durchgeht."

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