Experten raten ab
Kombiprodukte genießen einen schlechten Ruf

Banken locken Anleger mit hohem Zins in Aktienfonds wie "Sparda Power Mix", "Combiflex Invest", "DAB Park and Ride" - mit schicken Namen versuchen Banken und Sparkassen, Privatanleger für Kombi-Produkte zu begeistern. Dabei geht ein Teil der Anlagesumme in Fest- oder Tagesgeld, der Rest in Fonds. Experten raten vom Kauf ab.

FRANKFURT/M. Die großen Buchstaben springen ins Auge: "6 % mit DAB Park and Ride" steht auf der Internetseite der DAB Bank. Das sind hohe Zinsen für Tagesgeld - üblich sind allenfalls 3 bis 4 %. Dass die DAB Bank mit ihrem auffälligen "Jubiläumsangebot" Fondskunden gewinnen will, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Denn um die 6 % auch wirklich zu bekommen, muss der Kunde die Hälfte des Mindestanlagebetrages von 5000 Euro in einem Aktien- oder Mischfonds anlegen. Dabei kann er aus vier Fonds wählen: den Julius Bär Multistock Value Stock Fund-German B, den Gartmore CSF-Continental Europe Fund, den DIT Vermögensbildung Global und den Activest Strategie.

"Anleger sollten sich von den 6 % nicht blenden lassen", sagt Adriaan Bonauer, Senior Editor beim deutschen Ableger der US-Fondsanalysefirma Morningstar. Prinzipiell seien solche "Lockvogelangebote" kritisch zu sehen, da das Fondsangebot meist zu klein sei.

Auch die Mindestanlage von 5000 Euro sieht Bonauer als problematisch. Anstatt eine größere Geldsumme zu einem Zeitpunkt in einen Fonds zu stecken, rät Bonauer Privatanlegern zu Sparplänen. So erziele der Anleger den sogenannten "Cost-Average"-Effekt: Denn wenn der Anleger in regelmäßigen Zeitabständen einen gleich bleibenden Geldbetrag in Fonds investiert, erwirbt er sowohl in Baisse- als auch in Hausse-Phasen Wertpapiere. Wenn es an der Börse schlecht aussieht, erhält er mehr Anteile für dieselbe Geldsumme. Somit verhält er sich automatisch antizyklisch. Mit den Kombiprodukten steigt der Anleger hingegen zu einem bestimmten Termin ein und verteilt die Anlagesumme zeitlich nicht.

Bei dem Kombiprodukt der DAB sollten Anleger nur zugreifen, wenn sie ohnehin einen der vier Fonds kaufen wollten, sagt Morningstar-Experte Bonauer. "Ein Fonds muss genau ins Portfolio des Anlegers passen." Sei dies der Fall, dann mache es durchaus Sinn, die attraktiven 6 %-Tagesgeldzinsen mitzunehmen.

Trotz aller Kritik gehört das Angebot der DAB-Bank zu den besten Kombi-Produkten - immerhin ist der Ausgabeaufschlag für die Fonds um 50 % reduziert, und das Geld ist täglich verfügbar. "Auch die Fondsanteile kann man täglich verkaufen", sagt DAB-Sprecherin Juliane Giese. Außerdem zahlen die Anleger keine Depotgebühr.

Begrenzte Auswahl

Andere Anbieter schröpfen die Anleger mit ihren Kombi-Produkten stärker. Bei vielen fallen beim Kauf Depotgebühren an, außerdem ist das Geld der Anleger danach für eine bestimmte Frist - meist sechs oder zwölf Monate - nicht verfügbar.

Bei den Angeboten einiger Sparkassen und Sparda-Banken sowie der Postbank ist die Auswahl an Fonds zudem sehr begrenzt. Bei dem Produkt "Combiflex Invest" der Stadtsparkasse München stehen beispielsweise nur zwei Fonds zur Auswahl; bei "Sparda Power Mix" von der Sparda-Bank Frankfurt ist es genauso. Die Postbank hat für ihr Produkt "Kapital Invest" nur drei Fonds im Angebot. Überhaupt gibt es bei den meisten Kombiangeboten nur hauseigene Fonds zu kaufen - und diese zählen oft nicht zu den besten ihrer Klassen.

Dennoch kassieren die Anbieter beim Ausgabeaufschlag ab, Preisnachlässe sind unüblich. Sowohl die Stadtsparkasse München als auch die Sparda-Bank Frankfurt verlangen 5 % für die Ausgabe ihrer Kombi-Fonds, die Stadtsparkasse Dresden will gar zwischen 5,26 und 5,5 % haben. Max Herbst, Leiter der Frankfurter Finanzberatung FMH, hat dafür eine Erklärung parat: "Mit den Einnahmen aus dem Ausgabeaufschlag subventionieren die Anbieter die hohen Festgeldzinsen", sagt er. Der Anleger bezahle seine Zinsen quasi selbst. Da sei es sinnvoller, bei einer Direktbank den gewünschten Fonds mit einer Reduktion auf den Ausgabeaufschlag zu kaufen.

Aufgrund der vielen Nachteile habe er Bedenken bei Kombiprodukten, sagt Herbst. "Man kann sein Geld auch selbst trennen und eine Hälfte auf ein Tagesgeldkonto und die andere in einem guten Fonds anlegen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%