Experten raten Anlegern, wie sie ihr Depot aktuell strukturieren sollen
In Europa bleiben und das Risiko meiden

"Anleger wollen gerne in kurzer Zeit viel verdienen. Aber sie vergessen, dass sie genauso viel verlieren können." Tim Schmiel, Partner bei VM Vermögensmanagement in Düsseldorf, stellt immer wieder fest, dass seine Klienten überschätzen, wie viel Risiko sie sich leisten können.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Dabei ist diese Frage, die am Anfang der Entscheidung über die optimale Depotstruktur steht, entscheidend für den Erfolg. Das hat sich auch in den drei Jahren Baisse gezeigt, wie die Mitarbeiter der VM Vermögensmanagement festgestellt haben; laut der Düsseldorfer WSH Deutsche Vermögenstreuhand zählt VM zu den erfolgreichsten Vermögensverwaltungen in Deutschland.

Insbesondere in der Aufbauphase des Vermögens gehen viele Investoren zu hohe Risiken ein. So rät Schmiel: "Junge Leute sollten nicht gleich alles in Aktien stecken, sie riskieren, dass bei einer Baisse gleich alles wieder verloren geht." In der Ansparphase sei man anfangs mit Fonds besser bedient, sagt Schmiel. Erst ab einer gewissen Größe des Vermögens sei es überhaupt möglich und sinnvoll, zu diversifizieren. Dann sei der Zeithorizont wichtig. Anleger sollten sich vor der Depotstrukturierung fragen: "Wie lange darf es dauern, bis die Zinseinnahmen der Anleihen im Fall eines Börseneinbruchs die Verluste des Aktiendepots wieder ausgeglichen haben?" Schmiel rechnet vor: Bei einem Aktienanteil von 20 % wäre ein 20-prozentiger Kurseinbruch beim gegenwärtigen Renditeniveau in rund zwei Jahren ausgebügelt.

Während zahlreiche Börsianer mittelfristig auf eine Erholung der Aktienmärkte setzen, ist die Prognose einiger Vermögensverwalter ernüchternd: So sieht Joachim Paul Schäfer, Partner bei PSM Vermögensverwaltung Langen von der Goltz & Dr. Prinz in München, der von der Münchener Morning Star als einer der besten Vermögensverwalter geratet wurde, eine Blase am US-Aktienmarkt. "Nicht nur Technologiewerte, auch Qualitätstitel sind schon wieder zu hoch bewertet", urteilt er und beruft sich auf einen ganz Großen des Kapitalmarktes: " Warren Buffett sagt schon seit zwei Jahren, die US-Aktien seien ihm zu teuer". Wenn die Blase platzt, dürfte Wall Street Europa mit nach unten reißen. Schäfer empfiehlt für konservative Anleger aktuell eine Aktienquote unter 10 %. Ganz so schwarz beurteilt die Mehrzahl der Experten die Lage nicht. Sie sehen auch höhere Risiken in den USA, folgern daraus aber, überwiegend auf europäische Aktien zu setzen.

Felix Schleicher, Portfoliomanager bei der Münchener Fiduka, die ebenfalls von Morning Star im Langfristvergleich als sehr gut beurteilt wird, rät konservativen Anlegern, drei Viertel ihrer Aktienposition in Europa anzulegen (siehe Grafik). Hier seien die Bewertungen im Vergleich niedriger - und genügend defensive Aktien mit hohen Dividendenrenditen vorhanden. Diese spielen in den von Schleicher empfohlenen Portfolio-Profil eine wichtige Rolle. Durch den Rückgriff auf vorwiegend defensive Titel hält der Vermögensverwalter auch für konservative Anleger eine Aktienquote von 50 % für angebracht, während andere Experten eher zu 30 bis 40 % Aktiengewichtung raten.

Zu den aussichtsreichen Defensiv-Titeln zählt Schleicher Ölaktien - sein Favorit ist Royal Dutch mit einer Dividendenrendite von 4,5 % und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12. Ferner setzt er auf Nestlé, Altria und Endesa. Spekulativ orientierte Investoren sollten Schleicher zufolge auch zwei Technologietitel kaufen: Samsung Electronics in Korea mit einem KGV von 10 und die Hongkonger Hutchison Whampoa, die von der UMTS-Phantasie profitierten. Ansonsten sind ihm aber Technologietitel zu riskant. Der Hauptunterschied zum konservativen Depot: "30 % des Portfolios würde ich in Emerging-Markets stecken, 10 % über Indexzertifikate in Japan investieren und nur zu 45 % auf europäische und US-Titel setzen", sagt Schleicher.

Schmiel zählt Royal Dutch ebenfalls zu seinen Favoriten. Ferner sieht er Potenzial bei Finanztiteln, wie etwa der niederländischen ING Groep, und bei Übenahmekandidaten wie Heidelberger Druck oder Hochtief.

Für den Anleihenanteil im konservativen Depot rät Schleicher zu Laufzeiten bis zu fünf Jahren im Euroraum, um Dollar-Währungsrisiken auszuschließen. Der Schwerpunkt sollte bei Firmenanleihen mit Investmentgrade (mindestens BBB- bei Standard & Poor?s) liegen, etwa Bayer oder Autobonds. Schmiel wiederum setzt andere Akzente. Er rät, 20 bis 30 % in Staatspapiere zu stecken, 40-50 % sollten kommunale Schuldverschreibungen ausmachen und der Rest könne in Corporate Bonds oder Genuss-Scheine gehen, etwa die Titel von Bertelsmann.

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