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Experten raten zu Leoni und Südzucker

Kauf-Empfehlungen der Top-Adressen bescherten Anlegern satte Gewinne – Hitlisten bieten lediglich Orientierungshilfe

FRANKFURT/M. Die Automobilanalysten Tim Schuldt von der DZ Bank und Rolf Woller von der Hypovereinsbank raten Anlegern, Leoni-Aktien zu kaufen. Der Automobilzulieferer für Bordnetze sei günstig bewertet, begründen sie ihr Urteil. Daniela Dörr vom Bankhaus Metzler empfiehlt Investoren den Mannheimer Zuckerhersteller Südzucker. Der defensive Wert hat ihrer Meinung nach sehr gute Wachstumsaussichten.

Diese Aktienurteile verdienen besondere Aufmerksamkeit. Schließlich stammen sie von den Analysten, mit deren Empfehlungen Anleger im vergangenen Jahr das meiste Geld verdienen konnten. Das hat das Analyseunternehmen Starmine exklusiv für das Handelsblatt und das Magazin Euro ermittelt.

Starmine ist ein Analyseunternehmen aus den USA, das seit 1998 die Leistungen von Analysten misst und damit Aussagen über deren Qualität trifft. "Zu unseren Kunden zählen Fondsgesellschaften, Wertpapierhäuser wie UBS, Merrill Lynch, die Deutsche Bank und die Hypovereinsbank sowie Hedge-Fonds", sagt Stuart McLean, zuständig für das Europa-Geschäft bei Starmine. Starmine untersucht neben der Performance der Aktienempfehlungen auch die Treffgenauigkeit der Gewinnschätzungen der einzelnen Analysten.

Für die aktuelle Deutschland-Auswertung wurden die Urteile von 750 Analysten untersucht, die 2003 mindestens drei Empfehlungen für deutsche Aktien abgegeben haben. Während DZ- Bank-Analyst Schuldt und HVB-Analyst Woller im vergangenen Jahr den Reifenhersteller Continental empfahlen, stieg die Conti-Aktie um 105 %. Daniela Dörr setzte auf den Sportartikelhersteller Puma und den Modeanbieter Hugo Boss. Puma-Aktien legten 2003 um 118 % zu, Hugo Boss-Papiere bereicherten das Depot um 65 %.

Auch bei den Gewinnschätzungen gehört Schuldt zu den besten deutschen Analysten. Ebenfalls unter den ausgezeichneten Analysten für beide Starmine-Kriterien befinden sich Volker Braun von Equinet, Volker Hergert von der Bankgesellschaft Berlin und Manfred Bucher von der Bayerischen Landesbank (siehe Tabellen). Industrieanalyst Stephan Gscheidlen von der BW-Bank gehört bereits zum zweiten Mal in Folge zu den besten von Starmine ermittelten Gewinnschätzern. Drei Gründe machen laut Gscheidlen seine guten Gewinnprognosen aus: eine penible Arbeitsweise, gute Teamarbeit sowie ein aufwendiges bankinternes System, das Unternehmensdaten aus der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz durchsieht und auf ihre Stimmigkeit abgleicht.

Unter den einzelnen Analysehäusern konnte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die meisten Preisträger auf sich vereinen. Es folgten die DZ Bank und Equinet. "Ganz überraschend ist das für uns nicht. Schließlich befinden wir uns auch auf Ranglisten anderer Anbieter wie beispielsweise AQ weit vorne", sagt dazu Ingo Frommen, Leiter der Aktienanalyse bei der LBBW. Das Erfolgsgeheimnis seines Hauses, dessen Analysten sich im vergangenen Jahr vor allem mit guten Gewinnschätzungen hervortaten, sieht Frommen neben Teamarbeit in der Kontinuität: Seit vier Jahren verfolge das Research der LBBW einen europäischen Branchenansatz mit Schwerpunkten bei Automobil und Maschinenbau. Gerade deutsche Unternehmen aus diesen Branchen würden intensiv beobachtet. Die zuständigen Analysten hielten engen Kontakt zu den jeweiligen Unternehmen und würden regelmäßig zu Rechnungslegung und Steuerrecht geschult. "Wir verzahnen volkswirtschaftliche Daten, Unternehmensstrategie und Fundamentalanalyse", fasst Frommen zusammen.

Interessant an den Starmine-Ergebnissen ist das generell gute Abschneiden kleinerer Häuser, deren Analysten sich auf Werte aus der zweiten und dritten Reihe spezialisiert haben. Außerdem scheinen Branchen wie die Automobilindustrie oder der Gesundheitssektor auf Grund der verfügbaren Daten einfacher zu analysieren zu sein als beispielsweise Medien- oder Textilunternehmen.

Insgesamt hat sich die Qualität deutscher Analystenempfehlungen verbessert: Schaffte es der Durchschnitt der Analysten vor zwei Jahren gerade mal, den von Starmine als Messlatte herangezogenen Referenzindex um 0,3 % zu schlagen, schnitten die Experten im vergangenen Jahr um 2,9 % besser ab. Die Zahl der beobachteten Aktien in Deutschland sank infolge von Einsparungen in den Analyseabteilungen auf 303 Titel. Das sind 35 % weniger als vor zwei Jahren.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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