Experten rechnen mit Beitragserhöhungen
Dreimal Druck auf private Kankenversicherer

Sinkenden Stornoquoten, steigenden Leistungsausgaben für Versicherte und anhaltend schlechte Börsenentwicklung üben Druck die privaten Krankenversicherungen aus. Und auch die geplante Anhebung der Versicherungspflichtgrenze könnte sich negativ auf die Unternehmen auswirken. Experten erwarten eine Beitragserhöhung.

DÜSSELDORF. Das aktuelle Topthema der privaten Krankenversicherer - die Diskussion über die von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante Anhebung der Versicherungspflichtgrenze - verdeckt den Blick auf wichtige Entwicklungen in der Branche. Alle Unternehmen leiden mehr oder weniger unter drei Trends: sinkenden Stornoquoten, steigenden Leistungsausgaben für Versicherte und anhaltend schlechter Börsenentwicklung. Diese Faktoren könnten zu einem Beitragsschub bei den privaten Krankenversicherern führen, nach Jahren relativ hoher Prämienstabilität.

Was auf den ersten Blick positiv aussieht - sinkende Stornoquoten - könnte deutliche Pämienerhöhungen für die Versicherten auslösen. Die Ursache beschreibt Guido Leber, PKV-Experte der Ratingagentur Assekurata: "Kündigen Versicherte ihre Krankenpolice, verbleiben ihre angesparten Alterungsrückstellungen in der Versicherung, dies wirkt allgemein entlastend auf die Prämienhöhe." Derzeit laufe aber genau die umgekehrte Wirkungskette ab, wegen niedriger Stornoquoten der Versicherten müssten die Unternehmen ihre Kalkulation nach oben anpassen. "Hier drohen Beitragsanpassungen, durchaus von zehn Prozent", prognostiziert Leber. Diese Prämienerhöhungen könnten zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen im Neugeschäft führen.

Belastend wirken sich weiterhin die steigenden Leistungsausgaben der privaten Krankenversicherer aus. Laut dem Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) stiegen die Krankheitskosten je Versicherten im vergangenen Jahr mit 5,2 % deutlicher als noch 2000 mit einem Plus von 2,8 %. Kostentreiber waren vor allem die Ausgaben für Arznei- und Verbandmittel, Heil- und Hilfsmittel sowie ambulante Arztkosten Hier entsteht weiterer Druck auf die Beiträge.

Börsen-Baisse lässt Erträge tröpfeln

Entlastend könnten die Erträge aus den Kapitalanlagen wirken. Doch anders als in den Vorjahren tröpfelten die Erträge wegen der schlechten Börsenentwicklung im Jahr 2001 nur spärlich. Und ein Ende der Baisse ist nicht absehbar, alleine der Deutsche Aktienindex verlor seit Jahresanfang nochmals rund ein Zehntel. PKV-Experte Leber erwartet hier "bis Ende des Jahres keine Entwicklung nach oben". Unter Druck kämen vor allem die Versicherer, die ihre Beiträge bisher noch nicht angepasst hätten.

Quelle: Handelsblatt

Zusätzlicher Druck könnte auf die Versicherer von einer Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze ausgehen. Zwar beteuern private Krankenversicherer gern, dass sie im Gegensatz zu gesetzlichen Kassen Demographie resistent seien. Fakt ist jedoch, dass das Neugeschäft für die Privaten immens wichtig ist. Das zeigt sich immer dann, wenn Tarife geschlossen werden, d.h. nicht mehr aktiv verkauft werden. Wenn junge Versicherte ausbleiben, der Bestand aber von Jahr zu Jahr älter wird, führt das in der Praxis regelmäßig dazu, dass die Beiträge steigen. Der gleiche Effekt würde im Falle einer Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze eintreten. Dadurch werden die Krankenversicherer im Endeffekt von Nachwuchspotenzial abgeschnitten.

Im vergangenen Jahr konnte die Branche zulegen: Die Zahl der Vollversicherten stieg um 215 800 auf 7,71 Mill. Personen, teilten der Verband der privaten Krankenversicherung im Vorfeld der heutigen Mitgliederversammlung in Berlin mit. Damit komme die PKV auf einen Marktanteil von 9,3 %. Insgesamt standen in der PKV Einnahmen von rund 19,75 Mrd. ? vergangenes Jahr Auszahlungen von rund 25,3 Mrd. ? gegenüber. Der Aufwand liegt in der privaten Krankenversicherung regelmäßig über den Beitragseinnahmen, weil die Unternehmen vor allem wegen Alterungsrückstellungen über Kapitaleinnahmen verfügen.

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