Experten rechnen mit einer weiteren Konsolidierung des Marktes
Lizenzkosten machen Geldverdienen mit UMTS schwer

Während die Telekomriesen an neuen Diensten für den mobilen Datenverkehr der Zukunft arbeiten und von lukrativen Geschäften träumen, werden sie derzeit an den Börsen gnadenlos abgestraft. An den Aktienmärkten sind die Telekoms & Co nicht mehr gefragt.

dpa-afx DÜSSELDORF. Immer mehr setzt sich in der Branche die bittere Erkenntnis durch: Die Trauben im künftigen Mobilfunkgeschäft UMTS hängen hoch. Zudem zeigen Marktstudien, dass die meisten Handykunden kaum mehr für diese Dienste ausgeben wollen als gegenwärtig für mobile Telefonie.

Der UMTS-Euphorie ist längst die Ernüchterung gefolgt: In der Branche gilt als sicher, dass die hohen Kosten zu einer weiteren Konsolidierung des Marktes zwingt. Nicht auszuschließen ist dabei, dass einige Lizenzerwerber scheitern. Allein in Deutschland hatten sechs Bieter die Rekordsumme von knapp 100 Mrd. DM für die begehrten Schürfrechte gezahlt. Mehr als 200 Mrd. DM sind es in Europa.

Miliardenkosten für Netzaufbau

Und damit nicht genug: Zu den reinen Lizenzkosten kommen Beträge in Milliardenhöhe für den Aufbau der UMTS-Netze sowie Zinsen für Kredite und Anleihen hinzu. Wegen der wachsenden Verschuldung stufen Rating-Agenturen zudem die Bonität der Konzerne herunter. Ein Teufelskreis beginnt: Die Aktienkurse fallen weiter und Zinsen für Anleihen steigen. Börsengänge von Mobilfunkfirmen, wie unlängst jener von Orange (France Telecom), geraten fast zum Flop.

Und so fragen nicht nur notorische Schwarzmaler: Lassen sich die UMTS-Milliarden über mobile Datendienste jemals wieder hereinholen? Die Berater von Spectrum Strategy Consultants (SSC) meinen ja, wenn es den Betreibern gelingt, sich als Portal-Anbieter mit exklusiven Inhalten zu positionieren. Dabei habe derjenige einen Vorteil, der "als erster mit Diensten an den Kunden herantritt", meint Verena Dolphin von SSC.

Vodafon am besten gerüstet

"Wenn nicht wir, wer dann", sagtt der Geschäftsführer von Mannesmann Mobilfunk (D2 Vodafone), Jürgen von Kuczkowski, zur Frage nach den Überlebenden im UMTS-Geschäft. Tatsächlich ist die deutsche Tochter der Vodafone-Gruppe wie auch der gesamte Konzern am besten für UMTS gerüstet. Die Briten haben nicht nur die meisten Lizenzen in Europa ergattert, sie sind auch am geringsten verschuldet.

Gute Chancen, im UMTS-Geschäft Fuß zu fassen, werden außerdem France Telecom, Deutscher Telekom und British Telecom eingeräumt. In ihren Lizenzgebieten verfügen alle über einen festen Kundenstamm im Mobilfunk. Schwerer dürften es Anbieter haben, die Neueinsteiger sind wie die spanische Telefonica und finnische Sonera. Bislang ist es dem Konsortium noch nicht gelungen, einen deutschen Partner zu finden. Gespräche mit Debitel und Hutchison scheiterten.

Ende kommenden Jahres sollen UMTS-Dienste in Europa starten. Die Telefongesellschaft Mobilcom, die in Deutschland mit ihrem Partner France Telecom antritt, spricht gar von Mitte 2002. Die ersten Aufträge an die Ausrüster wie Nokia, Nortel, Ericsson oder Siemens sind vergeben und Standorte für Antennen gesichert. Ob es zu Verzögerungen kommt, hängt nach Ansicht der SSC-Beraterin Dolphin besonders davon ab, ob es Engpässe bei der Finanzierung gibt oder die UMTS-Handys rechtzeitig lieferbar sind.

Marktrevolution beginnt mit GPRS

Die eigentliche Revolution des Mobilfunks beginnt aber nicht mit UMTS, sondern mit der paketvermittelten Funktechnik GPRS. Als erster ging VIAG Interkom im Januar mit der neuen Technik an den Start. Wenig später folgte die Telekom-Tochter T-Mobil. D2 Vodafone und E Plus - wollen in wenigen Wochen nachziehen. Mit GPRS wird die Datenübertragung über das Handy komfortabler und schneller: Im Endstadium liegen die Geschwindigkeiten des Datentransfers über ISDN-Niveau.

Dabei wird erstmals nicht nach Zeit, sondern nach übertragenen Datenmengen abgerechnet. Der Kunde ist ständig online und kann sich E-Mails und Texte aufs Handy spielen lassen. GPRS soll noch vor UMTS zunächst dem WAP-Dienst zum Durchbruch verhelfen. Ein Flop mit GPRS, meint Michael Rebstock von VIAG Interkom, das wäre schwerwiegend.

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