Experten rechnen mit Einführung von Versandkosten für Bücher in Deutschland
Online-Buchhandel sucht Weg aus der Kostenfalle

Amazon.com will bis Jahresende die Gewinnzone erreichen. Im Gegensatz zu Deutschland drücken in den USA jedoch keine hohen Versandkosten auf die Margen der Internet-Buchhändler.

FRANKFURT/M. Amazon-Chef Jeff Bezos steht unter Druck. Das größte Internet-Kaufhaus der Welt will zum Ende des Jahres einen operativen Gewinn ausweisen. Doch in der ersten Jahreshälfte hat der Online-Händler wie auch die großen deutschen Internetbuchhändler noch kein Geld verdient. Auf der Suche nach Wegen aus der Kostenfalle stellen die Online-Händler nun auch ihre bisherige Vertriebsstrategie auf den Prüfstand.

Der Versuch des US-Marktführers Amazon.com, mit einem neuen Preismodell das US-Geschäft anzukurbeln, erwies sich jedoch als Schlag ins Wasser. Jeder Kunde, der mehr als zwei Produkte bestellte, sollte bei Amazon keine Versandkosten mehr bezahlen - dafür aber teilweise deutlich mehr für einzelne Artikel auf den Tisch legen. Doch schon nach zwei Wochen musste der Online-Händler wieder zur alten Preispolitik zurückkehren. Der Onlineshop hatte seine Kunden mit den Preisaufschlägen verärgert. Seitdem verlangt Amazon für eine Bücher-Bestellung unter 400 $ wieder 3 $ Grundgebühr und 0,99 $ pro Buch.

Internet-Buchhändler in Deutschland dürfen von solchen Konditionen höchstens träumen. In der Bundesrepublik zahlen alle großen Online-Händler die Liefergebühren bei deutschsprachigen Buchlieferungen aus der eigenen Tasche - selbst wenn nur ein Buch für ein paar Mark bestellt wird.

Allerdings mehren sich die Stimmen, die den portofreien Versand von Büchern auch in Deutschland in Frage stellen. "Alle warten darauf, dass einer den Anfang macht und Portogebühren verlangt", sagt Rudolph Braun-Elwert, Vorsitzender im Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

"Die hohen Kosten der versandfreien Lieferung an den Endkunden sind für die Branche einer der größten Kostenfaktoren auf dem Weg zu schwarzen Zahlen", unterstreicht Martina Noß, Analystin der NordLB. So kostet allein den deutschen Branchendritten BOL.de der Versand schätzungsweise rund 10 Mill. DM pro Jahr.

Doch die meisten Internet-Buchhändler schrecken vor der Einführung von Liefergebühren wegen der Buchpreisbindung zurück. "Kaufmännisch wäre das sinnvoll", argumentiert Albert Hirsch, Marketing-Vorstand des Internetbuchhändlers Buch.de. Die Online-Shops würden dann aber den Preisvergleich zum Buchladen an der Ecke nicht mehr bestehen - und Tausende von Kunden verlieren.

Nach Untersuchungen der Marktforscher von Jupiter Media Metrix brechen 63 % der Online-Kunden den Kauf von Waren im Internet ab, sobald Versandkosten in der Rechnung sichtbar werden. Unisono wollen die deutschen Internet-Buchhändler deshalb die Kunden für die Lieferung nicht stärker zur Kasse bitten - auch wenn einige mit Liefergebühren durchaus liebäugeln.

Für Mediantis-Chef Georg Heusgen kommt jedenfalls ein Alleingang nicht in Frage. Dazu sei eine konzertierte Aktion aller Anbieter notwendig. Auch der Konkurrent Buch.de winkt ab. "Wir haben keine derartigen Pläne", versichert Hirsch. "Natürlich denken wir über Versandkosten für Bücher nach", erklärt Ute Weinhold, Sprecherin der Bertelsmann-Tochter BOL Deutschland. Man werde aber nicht den ersten Schritt machen. In diesem Jahr werde es bei BOL keine Versandkosten geben. Selbst die deutsche Tochter von Amazon will dem Modell der US-Mutter nicht folgen: "Für uns ist das kein Thema. Solange die Preisbindung besteht, bleibt die Einführung von Versandkosten schwierig", sagt Stephan Roppel, zuständiger Manager der Amazon.de GmbH.

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