Experten rechnen mit großem Investoren-Interesse an der Debüt-Anleihe der Deutschen Post – ein Grund sind die guten Ratings des Konzerns
Sichere Unternehmensbonds sind gefragt

Rezessionsängste und die Kursverluste an den Aktienmärkten lassen die Nachfrage nach sicheren Anlagen steigen. Neben Staatsanleihen profitieren von diesem Trend auch Anleihen von Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit hoch eingeschätzt wird. Davon dürfte die Deutsche Post profitieren, deren erste Anleihe nächste Woche erwartet wird.

FRANKFURT/M. Dass die Debüt-Anleihe der Deutschen Post ein Erfolg werden wird, gilt unter Bankern als ausgemachte Sache. Kein Wunder, denn der Logistik-Konzern hat alles, was man im derzeitigen unsicheren Umfeld für eine erfolgreiche Platzierung am Bondmarkt braucht: Ein gutes, stabiles Rating und dazu noch Seltenheitswert am Anleihemarkt. Denn Unternehmensanleihen mit guter Qualität sind vergleichsweise rar, und mit der Post vergleichbare Bonds gibt es kaum.

Seit gestern rührt die Deutsche Post die Werbetrommel für die geplante Anleihe über 1 Mrd. Euro mit Laufzeit zwischen fünf und zehn Jahren. Eigentlich war die Roadshow schon für Ende Juni geplant, doch die Entscheidung der EU-Kommisson, wonach die Post Beihilfen über 572 Mill. Euro an die Bundesregierung zurückzahlen muss, verhagelte die Pläne zunächst. Inzwischen hat die Post 850 Mill. Euro für die Zahlung - inklusive Zinsen - zurückgestellt, und gegen die EU-Entscheidung eine Klage eingereicht.

Die gestern in Frankfurt begonnene Roadshow läuft noch bis Anfang nächster Woche, danach wird die Emission erwartet. Konsortialführer sind die Deutsche Bank, Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley. Emittent ist die Finanzierungstochter Deutsche Post Finance. Der Bond wird von der Deutschen Post AG garantiert. Freuen dürfte Investoren dabei unter anderem, dass die Post "Wert auf konservative Finanzierungspolitik", wie Finanzvorstand Edgar Ernst betonte. Mit derzeit nur 1,8 Mrd. Euro ist die Nettoverschuldung der Post gering. Bis Ende des Jahres dürfte die Nettoverschuldung zwar auf 3,3 Mrd. Euro steigen, ist im Vergleich mit der Verschuldung anderer Unternehmen aber gering.

"Schon allein vom Rating her dürfte die Anleihe interessant sein", sagt Claus Huber, Bondstratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank. Standard & Poor?s (S&P) bewertet die Kreditwürdigkeit der Post mit A+, Moody?s und Fitch mit Aa3 bzw. AA+ sogar noch eine Stufe besser. Die Agenturen bewerten die Bonität von Unternehmen mittels eines Notensystems. Dabei beginnt die sichere Investitionsklasse bei AAA (S&P und Fitch) bzw. Aaa (Moody?s) und endet bei BBB- bzw. Baa3. Unternehmen, die über die höchste Einstufung Dreifach-A verfügen, sind äußerst selten.

Wie groß der Run auf gut bewertete Unternehmensanleihen ist, zeigte die Ende August begebene deutlich überzeichnete Anleihe von Volkswagen. Dabei wird der Autokonzern zumindest von Moody?s mit A1 noch eine Stufe schlechter bewertet als die Deutsche Post. Auch im Handel war die VW-Anleihe noch gut gefragt, der Kurs ist seit der Emission leicht gestiegen.

"Der Sicherheitsaspekt ist derzeit bei Unternehmensanleihen das Entscheidende", meint Uwe Burkert, Leiter des Credit Researchs bei der Landesbank Baden-Württemberg. Für die Post spreche zudem der Seltenheitswert. Vergleichbar sei lediglich die Anleihe der niederländischen TPG, die bei etwas schlechterem Rating derzeit eine Rendite von 4,69 % bei einer Laufzeit von noch sechs Jahren bringt (s. Tabelle). Wie hoch die Rendite der neuen Anleihe der Deutschen Post sein wird, steht noch nicht fest. In diesem Jahr haben sich gerade die als sicher eingestuften Unternehmensanleihen gut entwickelt. Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen das Gütesiegel Doppel-A haben, brachten Investoren seit Januar einen Ertrag - Kurssteigerungen inklusive Zinsen - von 6,5 %. Einen höheren Ertrag brachten nur Staatsanleihen. Bei Staatsanleihen ist die Rendite für eine Laufzeit von zehn Jahren allerdings auf unter 4 % gesunken.

Mit den Anleihen von Unternehmen mit Bonität im Dreifach-B-Bereich ließ sich dagegen in diesem Jahr eine Wertsteigerung von nur 3,2 % erzielen. "So lange der Konjunkturpessimismus noch anhält, sollten sichere Unternehmensanleihen weiter sehr gefragt sein", sagt Markus Rohleder, Kreditanalyst bei der DZ Bank. Auf Grund der derzeitigen Unsicherheit über die wirtschaftliche und geoplitische Entwicklung - sprich der Angst vor einem Krieg gegen den Irak - empfiehlt die Deutsche Bank Privatanlegern derzeit generell, bei Unternehmensanleihen nur Unternehmensanleihen zu kaufen, die von den Ratingagenturen mit schlechtestens A- bzw. A3 bewertet werden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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