Experten rechnen mit weniger statt mit mehr Beschäftigung
Zeitarbeitsbranche prangert Hartz-Reform an

Die von Rot-Grün geplante umfassende Neuregelung der Zeitarbeit hat zu teilweise heftigem Protest in der Branche geführt. So befürchtet der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) negative Auswirkungen auf einen Großteil der Unternehmen.

lü DÜSSELDORF. "Die Umsetzung der Gewerkschaftsforderung, dass alle Leiharbeitnehmer künftig ab dem ersten Einsatztag den gleichen Lohn erhalten sollen wie die im Betrieb dauerhaft beschäftigten Mitarbeiter, stellt für die gesamte Zeitarbeitsbranche ein nicht marktverträgliches Lohndiktat dar," sagte Bundesgeschäftsführer Werner Stolz dem Handelsblatt. Der Produktionsfaktor "Leiharbeit" werde sich auf einen Schlag um ein Mehrfaches verteuern.

Nach Auffassung des Bundesverbands Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) stellt das angekündigte Vergütungssystem (Equal Pay) einen massiven Angriff auf die gewerbliche Zeitarbeit dar. Sie entziehe, so Sprecher Thomas Läpple, der Wirtschaft ein wichtiges Instrument der flexiblen Personalplanung. Überdies sei das neue Vergütungssystem dem Grundgesetz fremd. Läpple: "Vergütungen werden zwischen den Vertragsparteien oder den Tarifparteien ausgehandelt. Die vorgeschlagenen Regelung kommt dagegen einer staatlich aufgezwungenen Vergütungsregelung gleich."

Auch Heinz Streicher vom Marktbeobachtungsspezialisten Lünendonk ist skeptisch. "Den privaten Leiharbeitsunternehmen behördlich vorzuschreiben, dass sie an ihre Leiharbeiter die gleichen Löhne bezahlen, die im entleihenden Kundenunternehmen bezahlt werden, halten wir für widersinnig." Das Risiko, die eigenen Mitarbeiter nicht ständig und nahtlos ausleihen zu können, aber trotzdem regelmäßig bezahlen zu müssen, erfordere eine ausreichende Differenz zwischen bezahltem Lohn und erlöstem Preis.

Nach Auffassung von West-LB Analystin Bettina Hörstke sind die Auswirkungen der Pläne je nach Unternehmen unterschiedlich. So würden die Anbieter von Spezialisten (etwa IT-Fachkräfte, Kaufleute), wie Amadeus oder die DIS Deutsche Industrie Service AG, kaum Nachteile verspüren. Denn die Entlohnung sei dort quasi deckungsgleich mit dem Tarif oder sogar oft höher. Anbieter wie Randstad oder Adecco dagegen, die, gemessen am Umsatz, einen höheren Anteil von Generalisten (Hilfskräfte in Verwaltung und Produktion) vermittelten, wären wohl gezwungen, das Lohnniveau nach oben anzugleichen.

Petra Timm vom Marktführer Randstad sieht hier Umsatzverluste programmiert: "Warum sollte ein Unternehmen eine Zeitarbeitskraft einstellen, wenn diese kostentechnisch nicht mehr attraktiv ist? Tatsache ist doch: Je attraktiver wir sind, desto mehr stellen die Firmen über Zeitarbeit Mitarbeiter ein". Der Branchenzweite Adecco sieht die Neuregelungen gelassener. Zwar werde es am Anfang eine Durstrecke geben, langfristig erwarte man jedoch positive Auswirkungen. Deutschland-Chef Elmar Hoff sagt: "Die zur Diskussion stehenden Neuregelungen können, wenn sie denn so umgesetzt werden, sehr positive Kräfte auf dem Arbeitsmarkt entfalten".

Der deutsche Markt für Zeitarbeitsleistungen hat nach Branchenschätzungen ein Volumen von rund 6,6 Mrd. Euro. Die Branche ist sehr stark fragmentiert. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit waren Mitte des Jahres 2001 über 3 800 Zeitarbeitsunternehmen tätig. Zahl und Vielfalt der Unternehmen machen die Angebotsseite des deutschen Zeitarbeitmarktes sehr unübersichtlich.

Nach Erhebungen der Lünendonk GmbH, Bad Wörishofen, vereinigten die Top 10 der Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland im Jahr 2001 einem Inlandsumsatz von über 2,6 Mrd. Euro auf sich; das sind knapp 40 % des Gesamtmarktes. Gut 60 % des Volumens teilen sich die 3 800 mittelgroßen und kleineren, häufig regional und sektoral tätigen Zeitarbeitsunternehmen.

Obwohl die 10 größten Unternehmen jeweils mehr als 100 Mio. Euro Umsatz erzielen, erreichte 2001 keines einen Marktanteil von 10 Prozent. Randstad, das größte Unternehmen der Branche in Deutschland, repräsentiert mit 624 Mio. Euro Umsatz (Geschäftsjahr 2001) einen Marktanteil von 9,5 %, das zweitgrößte (Adecco) mit geschätzten 488 Mill. Euro einen Marktanteil von 7,4 %. Bereits die Nummer 3, Persona Service (304 Mill. Euro) , weist einen Marktanteil von unter 5 % auf. Marktexperte Streicher erklärt: "Das ist verglichen mit dem Ausland eine sehr geringe Konzentration an der Spitze."

Quelle: Handelsblatt

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