Experten rechnen nicht mit massenhaften Kundenverlusten – Gewinnmargen sind für Wettbewerber zu klein
Telekom muss Ortsnetz öffnen

Nach einem Gerichtsbeschluss muss die Deutsche Telekom ihre Telefonanschlüsse noch stärker für Wettbewerber öffnen als bisher. Doch auf einen Preissturz "auf der letzten Meile" werden Kunden wahrscheinlich noch lange warten müssen. Denn es gibt kaum Konkurrenten, die im Ortsnetz Geld verdienen können.

tnt HB FRANKFURT/M. Die Deutsche Telekom AG, Bonn, mit inzwischen über 50 Millionen Festnetzanschlüssen muss ihre Ortsnetze für Wettbewerber vorläufig öffnen. Damit ist sozusagen die letzte Bastion gefallen, und die Telekom muss Wiederverkäufer von Telekommunikationsleistungen im gesamten Angebotsspektrum dulden.

Die Telekom ist vorerst mit ihrem Versuch gescheitert, die durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation (RegTP) zuvor verordnete Öffnung der Ortsnetze gerichtlich zu stoppen. Das Oberverwaltungsgericht Münster lehnte wie zuvor bereits das Verwaltungsgericht Köln die weitere Aufschiebung eines entsprechenden Beschlusses ab. RegTP-Chef Matthias Kurth geht nun davon aus, dass die Telekom "umgehend" ein Angebot vorlegen und "ihre Verzögerungstaktik" aufgeben wird. Die Telekom will dem Konkurrenten Debitel AG offensichtlich schon in der kommenden Woche ein entsprechendes Angebot unterbreiten. "Die Entscheidung des Gerichts ist bedauerlich und ordnungspolitisch bedenklich, da es so nie zu einem Wettbewerb verschiedener Infrastrukturen kommen wird", kommentierte ein Telekom-Sprecher den Beschluss.

Bisher konnten Konkurrenten zum Preis von 25,40 DM im Monat nur die komplette Leitung von der Telekom mieten. Künftig wird es Wiederverkäufern möglich sein, im Ortsnetz Dienste wie ISDN, analoge Sprachtelefonie oder DSL einzeln bei der Telekom einzukaufen. Im Rahmen eines solchen Angebots könnten Unternehmen eine bestimmte Zahl von Minuten im Telekom-Netz kaufen und diese unter eigenem Namen Endverbrauchern anbieten. Allerdings habe das Gericht auch entschieden, betonte der Telekom-Sprecher weiter, dass "es ein einfaches Weiterreichen von Telekom-Produkten, wie beispielsweise T-ISDN xxl nicht geben darf". Vielmehr müssten die Wiederverkäufer aus den Vorleistungen der Telekom "eigene Kombiprodukte" anbieten.

Im Ortsnetz liegt der Marktanteil der Telekom bei rund 98 %, im Bereich der gesamten Telefonie bei 78 %. Experten warnen davor, sich von der Entscheidung zu große Veränderungen im Markt zu erhoffen. "Ich gehe davon aus, dass sich in naher Zukunft kaum etwas am Marktanteil der Telekom im Ortsnetz ändern wird", sagt Telekom-Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Denn es gibt nur wenige Konkurrenten, die bei den niedrigen Margen in das Ortsnetzgeschäft drängen werden." So glaubt er, dass "Debitel seinen Kunden in Zukunft aus Gründen der Kundenbindung neben Mobilfunk ein Paket mit Festnetzverbindungen anbieten will". Doch wird es nach Ansicht von Rothauge kaum Anbieter geben, die in der Lage sind, rentable Geschäftsmodelle auf die Beine zu stellen.

Zurückhaltende Reaktionen auf die Entscheidung auch beim Telekommunikationsanbieter Mobilcom: "Unser Schwerpunktgeschäft ist der Mobilfunk und daran wird sich auch so schnell nichts ändern", kommentiert ein Sprecher Spekulationen über eine mögliche Rückkehr von Mobilcom in das Ortsnetzgeschäft. "Sollte die Telekom jedoch Preise anbieten, auf deren Grundlage sich profitable Dienste anbieten lassen, werden wir sicherlich darüber nachdenken." Doch dürfte das schwierig werden, da vornehmlich Privatkunden wechselwillig wären. Firmenkunden können bereits seit längerem problemlos andere Anbieter nutzen.

Noch kennt niemand den Preis, den die Telekom Wiedervermarktern zum Beispiel für eine ISDN-Leitung berechnen will. Schätzungen gehen von 30 bis 35 DM aus. Dann aber dürfte es schwer werden, den Telekom-Endkundenpreis von 45 DM zu unterbieten - ohne Verlust zu machen.

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