Experten rechnen noch immer mit 30 Börsengängen
Schlechte Aussichten für Neuemissionen

Eine Verschiebung des Börsenganges des Mobilfunkanbieters T-Mobile würde das Aktienemissionsgeschäft in Deutschland nach Einschätzung von Finanzexperten in diesem Jahr deutlich belasten.

rtr FRANKFURT/M. "Dann kann ich direkt in Urlaub gehen", sagte ein Unternehmensberater am Freitag, der namentlich nicht genannt werden wollte. Er reagierte damit auf Aussagen von Telekom-Chef Ron Sommer, der zuvor eine Verschiebung des für dieses Jahr geplanten Börsenganges der Tochter T-Mobile nicht ausgeschlossen hatte. Finanzexperten messen dem Börsengang von T-Mobile eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung des Marktes für Neuemissionen zu.

Nachdem im vergangenen Jahr nur 18 statt der erwarteten 100 Unternehmen an die Börse gegangen waren und das Emissionsvolumen auf 2,8 Milliarden von 25,5 Milliarden Euro gesunken war, gab es 2002 bislang keine nennenswerte Börsengänge oder Aktienplatzierungen. So war der Verkauf von 58,5 Millionen Aktien des Baufinanzierers BHW ebenso an mangelndem Interesse gescheitert wie das Zweitlisting des Erotik-Unternehmens Private Media am Neuen Markt. Ein reinrassiges Erstlisting eines zuvor nicht börsennotierten Unternehmens gab es 2002 bislang noch an keinem geregelten Börsensegment. Anfang des Jahres waren Experten noch von 40 bis 50 Börsengängen für 2002 ausgegangen, derzeit wird in der Branche immerhin noch mit 30 Erstlistings gerechnet.

"Das wäre natürlich ein schönes Zugpferd gewesen", sagte Michael Kempkes, Geschäftsführer von Haubrock Investor Relations, zu dem Börsengang von T-Mobile, der nun möglicherweise erneut verschoben wird. Haubrock Investor hatte nach eigenen Angaben in den vergangen Jahren 28 Börsengänge betreut. Gut aufgestellte Unternehmen hätten aber auch in diesem Jahr sicher ein Chance, sagte Kempkes. So plane derzeit eine von ihm betreute Gesellschaft aus dem Bereich Erneuerbare Energien möglicherweise noch für das erste Quartal einen Börsengang. Die Mehrzahl der vom ihm geschätzten 30 Börsengänge sei im zweiten Halbjahr zu erwarten.

"Alle Hoffnungen hatten sich auf BHW und Private Media gestützt", sagte Klaus Rainer Kirchhoff, Gründer und Chef von Kirchhoff Consult. Kirchhoff Consult war beim Börsengang der Private Media engagiert und betreute davor rund 38 Neuemissionen, vor allem am Neuen Markt. "Ich plane derzeit für mein Unternehmen wirtschaftlich mit keinem einzigen Mandat bei einem Börsengänger", sagte Kirchhoff. Er habe zwar eine Menge Anfragen und nehme an Ausschreibungen (Pitches) teil, aber angesichts der Marktlage kalkuliere er zunächst ohne ein solches Mandat.

Grund für die schlechte Verfassung in dem Geschäft sei die Zurückhaltung der institutionellen Anleger, sagte Kirchhoff. Zum Einen sei das Vertrauen in das wichtigste IPO-Segment der vergangenen Jahre, den Neuen Markt, erheblich angeschlagen, zum anderen warteten die Profi-Anleger auf eine Besserung der Konjunktur in den USA. Bei den Unternehmen, die derzeit für Börsengänge in Frage kämen, strebe die Mehrzahl in den Amtlichen Handel, sagte Kirchhoff.

Telekom-Chef Sommer hatte in Berlin gesagt, er könne nicht ausschließen, dass der Börsengang von T-Mobile nicht mehr in diesem Jahr stattfinde. Analysten hatten bei T-Mobile mit einem Emissionsvolumen von fünf bis zehn Milliarden Euro gerechnet, was doppelt so viel gewesen wäre wie bei allen Börsengängen im Jahr 2001 zusammen.

Derzeit ist der Windparkbetreiber Wind7 das einzige Unternehmen, das für 2001 seinen Börsengang fest angekündigt hat. "Wir halten an den Plänen fest, sofern der Markt sich weiter deutlich erholt", sagte Vorstandsreferent Stefan Groos. Die Gesellschaft will voraussichtlich im vierten Quartal an das Kleinwertesegment Smax gehen. Noch bis zum 28. Februar läuft bei dem Unternehmen die Platzierung von einer Millionen Aktien zum Preis von 14 Euro. Das Interesse der Anleger daran sei rege, sagte Groos. Bankenvertreter und Emissionsberater erwarten, dass die Sparte Erneuerbare Energie zu den am ehesten zu platzierenden Branchen in diesem Jahr sein wird.

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