Experten rechnen wieder mit Dividende
Lufthansa wird zum Überflieger

Die größte deutsche Airline hat die Luftfahrtkrise schneller gemeistert als gedacht. Im ersten Halbjahr übertraf Lufthansa die Erwartungen bei weitem. Die Experten schrauben nun ihre Gewinnprognosen deutlich nach oben und halten eine ordentliche Dividende für sicher. Die Börse reagierte mit einem erheblichen Kurssprung.

hz FRANKFURT/M. Knapp ein Jahr nach den Terroranschlägen in den USA ist die Deutsche Lufthansa wieder durchgestartet. Die größte deutsche Airline überraschte im ersten Halbjahr dieses Jahres mit einem massiven Gewinnsprung. Der operative Konzerngewinn sprang auf 332 Mill. Euro, nach 105 Mill. Euro im vom Pilotenstreik belasteten Vorjahr. Analysten hatten für die ersten sechs Monate nur im Schnitt mit knapp 200 Mill. Euro gerechnet. Lufthansa knüpft damit bereits wieder an das gute Ergebnis aus dem Jahr 2000 an.

Zwar schreibt auch die europäische Konkurrenz wieder bessere Zahlen - auch die niederländische Fluggesellschaft KLM, die französische Air France sowie die spanische Iberia hatten jüngst mit guten Quartalszahlen überrascht - jedoch nicht im gleichen Ausmaß wie die Frankfurter Airline. Das Lufthansa-Ergebnis beflügelt so auch die Erwartungen für ihre europäischen Konkurrenten.

"Wir sind auf gutem Weg, wieder der Marktführer unter den europäischen Luftfahrtkonzernen zu werden", sagte Finanzchef Karl-Ludwig Kley. Die Börse reagierte erfreut: Die Aktie der Lufthansa legte zeitweise um knapp 10 % zu und zählte zu den Tagesgewinnern. Auch andere Luftfahrt-Titel konnten zulegen.

Kley machte zugleich deutlich, dass die erst vor wenigen Wochen angehobene Jahresprognose der zweitgrößten europäischen Fluggesellschaft eine konservative Schätzung sei. Für 2002 werde ein operativer Gewinn von "mindestens 500 Millionen Euro" erwartet, betonte er. Bei einer Konjunkturbelebung in Deutschland sei eine weitere Verbesserung möglich.

Experten sind angesichts der glänzenden Zahlen zuversichtlicher. Mehrere Luftfahrt-Analysten schraubten ihre bisherige Prognose für das operative Ergebnis der Lufthansa auf rund 600 Mill. Euro in die Höhe. Die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen hätten zusammen mit den Kapazitätskürzungen gegriffen, erläuterte Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank. Vertrauen schaffe auch, dass das Sorgenkind der Airline, der Bordverpfleger LSG Sky Chefs vor Goodwill-Abschreibungen ein positives Ergebnis erwirtschaftet und damit die Wende eingeleitet habe. Auch die Verschuldung sei stärker als erwartet reduziert worden: Die Netto-Kreditverschuldung ging in den ersten sechs Monaten um 1,1 Mrd. Euro auf 2,7 Mrd. Euro zurück.

Dennoch schrieb Lufthansa im ersten Halbjahr unter dem Strich nach Abzug der Steuern noch rote Zahlen. Der Verlust fiel mit 27 Mill. Euro aber geringer aus als im Vorjahr mit 43 Mill. Euro. Der Umsatz in den ersten sechs Monaten 2002 stieg um 4,7 % auf 8,17 Mrd. Euro.

Experten sind angesichts der Zahlen sicher, dass Lufthansa für dieses Jahr wieder eine deutliche Dividende von bis zu 60 Cent pro Aktie ausschütten werde, nachdem die Aktionäre im Geschäftsjahr 2001 leer ausgegangen waren. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte bereits auf der Hauptversammlung bekräftigt, dass die Airline wieder eine Dividende zahlen könne.

Für das Gesamtjahr halten viele Analysten aufgrund noch anstehender außerordentlicher Erträge ein Konzernergebnis von mehr als 770 Mill. Euro für möglich - das wäre das höchste in der Geschichte der Airline. Neben den wachsenden operativen Gewinnen erwartet Finanzchef Kley nämlich im zweiten Halbjahr Sondereinnahmen von mehr als einer halben Mrd. Euro. Dazu zählen neben dem Erlös von 400 Mill. Euro aus dem Verkauf der Anteile am Expressdienstleister DHL die inzwischen freigegebenen Kompensationszahlungen über 70 Mill. Euro für direkte Folgen aus den Terroranschlägen vom 11. September sowie Buchgewinne über 75 Mill. Euro aus dem Verkauf des Bodenabfertigers Globe Ground. Zusätzliche Erlöse könnten zudem aus einer möglichen Auflösung von Drohrückstellungen über 180 Mill. Euro für das verlustreiche Skandinaviengeschäft der Cateringtochter stammen. Lufthansa versucht, die unprofitablen Catering-Verträge mit der skandinavischen Fluggesellschaft SAS nachzubessern. Finanzchef Kley ist zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr zu einer Einigung kommt.

In den wachsenden Konkurrenzkampf mit Billigfliegern auf dem Heimatmarkt geht die Lufthansa angesichts der glänzenden Halbjahreszahlen nun mit neuem Selbstbewusstsein. "Wer sich mit der Lufthansa in ihrem Stammgeschäft anlegen will, muss sich sehr warm anziehen", sagte Kley unter Hinweis auf Konkurrenten wie Easyjet und TUI, die ebenso wie die Lufthansa das lukrative Segment der Geschäftskunden ansprechen wollen. Die Airline könne jede Attacke beantworten.

Quelle: Handelsblatt

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