Experten schätzen Zeitpunkt des beginnenden Kriegs auf Januar oder Februar ein
Iraks Dossier kann Krieg nicht abwenden

Zehn von 18 Militärexperten, die Reuters an renommierten Institutionen weltweit befragt hat, halten einen Krieg gegen Irak trotz seines vorgelegten Waffendossiers für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich. Sechs waren Experten waren unentschieden, zwei hielten einen Krieg gegen den Irak für unwahrscheinlich.

Reuters LONDON. Der knapp 12 000 Seiten starke irakische Bericht wird gegenwärtig von Experten der Uno und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) analysiert. Ungekürzte Kopien liegen zunächst nur den fünf ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrates vor.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Krieg im Januar oder Februar des nächsten Jahres beginnen und zwischen zwei Wochen und drei Monaten dauern wird. Danach würden die USA aber für längere Zeit Truppen in Irak lassen müssen. "Er (der Krieg) ist unvermeidlich", sagte Magnus Ranstorp von der Universität St. Andrews in Schottland. Die Vorlage umfangreicher Unterlagen und Beweise durch Irak sei eine clevere Verzögerungstaktik, "aber es werde danach einen militärischen Konflikt geben".

Im Konfliktfall wird nur kurzer Ölpreis-Anstieg erwartet

In die Umfrage am 9. und 10. Dezember wurden Experten in Europa, den USA, im Nahen Osten und in Asien einbezogen. Die meisten von ihnen rechnen nur mit begrenzten Auswirkungen eines solchen Konflikts auf die Ölversorgung. "Wir erwarten einen kurzen Ölpreis-Anstieg, der sich vergleichsweise schnell wieder abbauen wird, und wir rechnen nicht mit einer größeren Unterbrechung des Angebots", sagte Toby Dodge von der Universität Warwick, der einen Krieg für sehr wahrscheinlich hält. Die USA hätten strategische Reserven und Saudi-Arabien würde seine Förderung verstärken.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass der irakische Rüstungsbericht das Kriegsrisiko nicht verringert hat. Es werde schwer sein, einen Auslöser zu finden, wenn Irak nicht überreagiere, sagte ein US-Experte, der nicht genannt werden wollte. Die Bush-Regierung scheine aber entschlossen zu sein, und der militärische Aufmarsch gehe rasch voran. "Das Szenario entspreche mehr oder weniger dem Plan", sagte er.

Rüstungsinspektionen gehen weiter

Die Rüstungsinspektoren der Uno haben am Dienstag ihre Arbeit in Irak mit dem Besuch zweier Anlagen im Großraum Bagdad fortgesetzt. Zu den Inspektionszielen gehörte ein Chemiewerk 65 Kilometer südlich der Hauptstadt. Die Inspektoren der Kontrollkommission für B- und C-Waffen (UNMOVIC) und der Atomenergiebehörde (IAEA) haben seit der Wiederaufnahme der Suche nach Massenvernichtungswaffen über zwei Dutzend Anlagen besucht. Ihre Aufgabe ist es, den Wahrheitsgehalt des Berichts über frühere und jetzige Rüstungsprogramme zu prüfen, den Irak am Wochenende vorgelegt hatte.

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