Experten sehen den Zusammenbruch von Hedge-Funds gelassen
Pleiten hemmen Wachstum nicht

Die noch junge Branche der Hegde-Funds boomt weiter. Daran ändern auch Pleiten einzelner Gesellschaften nichts. Das von Hedge-Funds verwaltete Volumen ist gegenüber dem Vorjahr um 10 % gestiegen. Deutschland erweist sich dabei als einer der Wachstumsmärkte. Merrill Lynch und WestLB legen neue Produkte auf.

FRANKFURT/M. Der Schreck in der Hedge-Fund-Branche war nur kurz, als die US-Gesellschaft Beacon Hill Asset Management nach einem Verlust von 700 Mill. $ beide Hedge-Funds schließen musste. Jetzt hat die noch junge Branche einen weiteren Kollaps zu verkraften: Berichten aus den USA zufolge soll die in New York ansässige kleinere Hedge-Fund-Gesellschaft Livingston Partners in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein. Kenner der Materie sprechen von Fehlspekulationen mit Aktien. Der Investmentpool, der in der Spitze rund 200 Mill. $ verwaltet hatte, soll mehr als 70 % seines Wertes verloren haben. Die Schwierigkeiten von Livingston waren ans Licht gekommen, weil der Man-Glenwood Multi Fund-Strategy des globalen Marktführers Man Group plc für den Monat September einen Verlust ausgewiesen hatte.

"Wir sehen solche Pleiten lediglich als logische Konsequenz des seit langem zu beobachteten Booms in der globalen Hedge-Fund-Branche", sagt Markus Stadlmann, Direktor Global Asset Allocation bei der WestLB-Fondstochter WestAM. Im sehr diffizilen Marktumfeld hätten auch einige traditionelle Investmentfonds die Pforten geschlossen. Hier seien die Probleme allerdings geschickt kaschiert worden, weil die Kapitalanlagegesellschaften problembeladene Fonds einfach fusioniert hätten. Da die meisten HedgeFunds "Einzelkämpfen" seien, hätten sie eine solche Möglichkeit nicht.

Ungeachtet der jüngsten Probleme von Marktteilnehmern wies die Branche der Hedge-Funds in den ersten drei Quartalen dieses Jahres weiter ein starkes Wachstum auf. "Das von Hedge- Funds verwaltete Volumen ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 % auf rund 600 Mrd. $ gestiegen", sagt Josh Rosenberg, geschäftsführender Direktor der Fachorganisation Hedge Fund Research Inc. Zu diesem Betrag kommen noch einmal rund 152 Mrd. $ hinzu, die in Dachfonds investiert sind. Nach Angaben von Rosenberg starteten im dritten Quartal dieses Jahres insgesamt 274 neue Hedge Fund-Gesellschaften ihr Geschäft.

"Deutschland ist nach wie vor einer der Wachstumsmärkte", sagt Markus Stadlmann, Direktor Gobal Asset Allocation, bei der WestLB-Fondstochter WestAM. Er begründet das auch mit der starken Nachfrage institutioneller Anleger (Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Unternehmen). In Deutschland hätten derzeit lediglich 13 % der Institutionellen Kapital in Hedge-Funds investiert, während es in Frankreich bereits 53 % und in Großbritannien 43 % seien. Einer Umfrage von UBS Warburg zufolge planen jedoch 27 % der hiesigen Finanzinstitute eine Ausweitung ihrer Investments in Hedge-Funds.

"Asset Manager müssen sich auf veränderte Rahmenbedingungen rasch einstellen", begründete WestAM-Geschäftsführer Rupert Hengster den Einstieg seines Instituts in den Bereich Hedge-Funds. "Jeder in unserer Branche muss realisieren, dass es heute bei den Asset Managern eine sehr hohe Austauschbarkeit gibt."

Die WestAM zielt mit dem neuen "Navigator Multi Strategie Fonds" auf institutionelle Investoren. Für den in der irischen Hauptstadt Dublin ansässigen Fonds liegen dem Initiator Zeichnungen von über 100 Mill. vor. "Wir sind optimistisch, das Volumen bald auf 300 Mill. steigern zu können", sagte Stadlmann. Der Fonds soll insgesamt sechs unterschiedliche Hedge-Fund- Strategien bei Aktien, Anleihen, Währungen und anderen Anlageklassen abdecken.

Das Finanzhaus Merrill Lynch hat gemeinsam mit dem Hedge-Fund-Unternehmen Ferro Capital in New York ein Alternativ-Investment-Index-Zertifikat, entwickelt, das einen wesentlichen Beitrag zur Diversifizierung und Risikoreduzierung in den Depots der Anleger leisten soll. Die Anleger erhalten mit diesem Produkt Zugang zu verschiedenen Hedge-Fund-Strategien. Die Wertentwicklung der Zertifikate orientiert sich am Ferro Absolute Return Index. Dieser Index wiederum reflektiert in seiner Zusammensetzung die Performance eines recht breit diversifizierten Pools ausgewählter Hedge Funds.

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