Experten sehen Erholungspotenzial bei Versicherungstiteln
Allianz & Co. stehen wieder unter Dampf

Mit Kursgewinnen von über 13 Prozent führten die Titel der Münchener Rückversicherung am Dienstag die Liste der Gewinner im Deutschen Aktienindex (Dax) an - und das obwohl das Unternehmen die Bestnote AAA bei der Ratingagentur Fitch verloren hat und jetzt mit AA+ eingestuft wird. Auch die Allianz-Aktie legte am Dienstag deutlich zu.

HB FRANKFURT/M. Fondsmanager und Analysten, die mit einer Erholung der Aktienmärkte rechnen, setzen große Hoffnungen auf die beiden Versicherungstitel. "Versicherer waren von den Kursrückgängen überproportional betroffen und werden auch im Aufwärtstrend überproportional steigen", sagt Patrik Lang, Fondsmanager bei Pictet Asset Management.

Der Grund für diese Überlegung ist, dass die beiden Münchner Assekuranzgesellschaften über hohe Aktienanlagen und ein breit gestreutes Beteiligungsportfolio verfügen, dessen Wert wiederum von der Kursentwicklung an den Börsen bestimmt wird. In stürmischen Zeiten wie diesen führt dies zu einer hohen Volatilität. Carsten Zielke, Analyst bei der WestLB Panmure, sieht denn auch die negative Erwartung vieler Marktteilnehmer bezüglich der weiteren Entwicklung an den Weltbörsen als Grund dafür, dass der Kurs der Allianz-Aktie so stark gedrückt wurde.

Die Beziehung der Kursentwicklung zwischen den Allianz - beziehungsweise Münchener Rück-Aktien und dem Gesamtmarkt, der so genannte Beta-Faktor, ist im Vergleich zu den gesamten 30 Werten im Dax sehr hoch. Der Beta-Faktor gibt die Sensitivität an, mit der einzelne Kurse auf eine bestimmte Referenzgröße, in diesem Fall den Dax, reagieren. Die Allianz hat dabei den zweithöchsten Beta-Faktor im Deutschen Aktienindex. "Deshalb sollte man bei einer Erholung der Märkte auf diese Titel setzen", meint Dierk Schaffer, Analyst bei der WGZ-Bank. Umgekehrt könnten schließlich die beiden Versicherer den ganzen Markt nach oben ziehen.

"Dadurch dass die Dresdner Bank jetzt auch zur Allianz gehört, ist die Verbindung zu den Kapitalmärkten noch stärker geworden. Versicherungstitel zählen in Übertreibungsphasen wie diesen zu den so genannten High-Beta-Stocks im Dax", sagt Pictet-Experte Lang. "Die hohe Korrelation zwischen dem Gesamtmarkt und den Versicherungstiteln ist ein Phänomen, das seit knapp zwei Jahren zu beobachten ist", so Andreas Schäfer, Fondsmanager bei Activest. Das liegt seiner Meinung nach daran, dass Versicherungen seit den 90er Jahren ihre Aktienanteile aufgestockt hätten.

Doch der Beta-Faktor ist nicht der einzige Grund, der für eine gute Performance der Versicherungstitel im Dax spricht. "Die Allianz ist eines der Unternehmen, das gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Der Konzern hat die kritische Masse, die ihm in schlechten Zeiten einen längeren Atem ermöglicht", erklärt Fondsmanager Lang. Für kleinere Anbieter ist es dagegen viel schwerer, Rezessionsphasen schadlos zu überstehen.

Auch WestLB-Analyst Zielke setzt große Hoffnungen in die Allianz-Aktie. "Der Konzentrationsprozess auf dem deutschen Markt für Lebensversicherer wird zu einer Erhöhung der Prämien führen", erwartet Zielke, der die Allianz-Aktie zum Kauf empfiehlt und das Kursziel 170 Euro angibt. Experten rechnen damit, dass große Anbieter in einem konsolidierten Markt ihre Kundenbasis ausbauen und höhere Margen erzielen können.

"Wir gehen von einem optimistischen Gesamtmarktszenario aus, mit stabilisierenden bis steigenden Aktienmärkten", sagt Zielke. Noch optimistischer zeigt sich sein WGZ-Kollege Schaffer, der längerfristig den fairen Wert bei der Allianz bei 240 Euro sieht. "Dieser Kurs hängt zwar in erster Linie von der Entwicklung des Gesamtmarktes ab, aber wenn unser optimistisches Szenario eintritt, dann ist das Papier für Anleger mit einem langfristigen Horizont ein Muss!"

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