Experten sehen nach wie vor Mangel an hoch qualifizierten Spezialisten
IT-Jobs geraten zunehmend unter Druck

Mit Stellenstreichungen bisher nicht gekannten Ausmaßes reagieren Unternehmen der IT-Industrie auf die Absatzkrise bei Handys und Software sowie auf den Preisverfall bei Computern und Netztechnik. Trotzdem herrscht in Deutschland in den kommenden Jahren ein Mangel an ausgebildeten Spezialisten

FRANKFURT/M. Innerhalb weniger Monate hat sich der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte im Bewusstsein vieler Menschen vom Musterknaben zum Sorgenkind gewandelt. Zahlten High-Tech-Unternehmen noch vor zwei Jahren Kopfprämien für die Vermittlung gesuchter Experten, beherrschen seit Wochen die Meldungen über Massenentlassungen die Schlagzeilen.

Doch die schlechten Nachrichten, wie zuletzt vom kanadischen Telekomunikationsausrüster Nortel, der erneut 20 000 Mitarbeiter entlassen will, trübt nach Einschätzung von IT-Arbeitsmarktexperten den Blick für die Realität in Deutschland, wo nach neuesten Erhebungen des Branchenverbandes Bitkom 836 000 Menschen in den Branchen Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) beschäftigt sind.

"Nur ein kleiner Teil der Beschäftigten arbeitet in den krisengeschüttelten Unternehmen der New Economy", will Stephan Pfisterer, Arbeitsmarktexperte des Bitkom ein weit verbreitetes Vorurteil aus dem Weg räumen. Ein großer Teil der ITK-Beschäftigten steht bei Konzernen wie der Deutschen Telekom, Siemens oder dem Softwarehersteller SAP unter Vertrag. Hinzu kommt eine große Zahl von Beschäftigten in mittelständischen Unternehmen der Branche.

"Natürlich werden die Entlassungen der US-Konzerne auch an Europa und Deutschland nicht spurlos vorübergehen", glaubt Pfisterer. Doch werde häufig übersehen, dass es sich dabei um Zahlen weltweit tätiger Konzerne handele und der Stellenabbau die Produktionsstandorte in den USA wesentlich "härter treffen wird als die vertriebsorientierten europäischen Tochterunternehmen." Unter dem Strich rechnet der Bitkom trotz Stellenabbau und Entlassungen in Bereichen wie Hardware und bei Handyherstellern in Deutschland für 2001 mit einer leichten Zunahme der Beschäftigtenzahlen um rund 16 000.

Allerdings beschleunigt die Krise nach Einschätzung des Marktforschers IDC eine Verschiebung der Nachfrage von Arbeitskräften die bereits vor einiger Zeit eingesetzt hat: Weg von Hardwareproduktion hin zu Softwareentwicklung und IT-Services. Beunruhigend sind in diesem Zusammenhang jedoch neueste IDC-Umfragen, laut denen das Vertrauen der Softwarehersteller stark sinkt. IDC-Analyst Wafa Moussavi-Amin will "Entlassungen bei Herstellern von Standardsoftware wie Microsoft" in diesem Jahr nicht mehr ausschließen.

Doch trotz der konjunkturellen Krise herrscht nach Einschätzung aller Experten in Deutschland auf mittlere Sicht weiterhin ein struktureller Fachkräftemangel. "Rechnet man neben der ITK-Branche noch die IT-Spezialisten anderer Branchen wie dem Bankengewerbe hinzu, arbeiten rund 1,4 Millionen Menschen in IT-spezifischen Berufen", rechnet Pfisterer vor. Er geht für die nächsten Jahre von einem durchschnittlichen Bedarf von 20 000 ausgebildeten IT-Fachkräften pro Jahr aus. "Stellt man dies der Zahl der erwarteten Absolventen deutscher Hochschulen in den Fachrichtungen Informatik und Elektrotechnik gegenüber, werden diese voraussichtlich weniger als 50 % des Bedarfs decken."

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