Experten sehen noch Kursphantasie bei Anleihen und Aktien - Weg für Osterweiterung nun geebnet
EU-Beitrittskandidaten bieten Anlagechancen

Mit sichtbarer Erleichterung reagierten am Montag osteuropäischen Aktien, Anleihen und Währungen auf die Zustimmung der irischen Bevölkerung zum Vertrag von Nizza. Obwohl die Bonds der Beitrittskandidaten schon länger haussieren, sehen Experten vor allem in Ungarn und Polen noch Kurschancen.

WARSCHAU / FRANKFURT/M. Die osteuropäischen Aktien- und Anleihenmärkte haben die Zustimmung der irischen Bevölkerung zum Vertrag von Nizza zum Wochenbeginn mit deutlichen Kursgewinnen honoriert. "Die entscheidende Hürde für den Beitritt ist nun genommen", sagt Thomas Amend, Rentenanalyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Und Brett Dimet von Deutsche Bank Asset Management ergänzt: "Von der Entscheidung profitieren vor allem die Kandidaten mit den aktuell größten Beitrittschancen."

Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses stehen dabei vor allem Polen, Tschechien und Ungarn. Die Anleihen dieser Staaten verringerten am Montag den Renditeabstand gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit deutlich und folgten damit dem Trend der letzten beiden Jahre (siehe Grafik). Polnische Rentenpapiere haussierten geradezu. Die Rendite der polnischen Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit sank auf 6,57 Prozent. Ungarische Staatsanleihen mit drei Jahren Restlaufzeit rentieren nun mit 9,05 Prozent nach 9,26 Prozent am Freitag.

Am Devisenmarkt verzeichneten die tschechische Krone, der ungarische Forint und der polnische Zloty verzeichneten teils kräftige Kursgewinne.Erleichterung herrscht besonders bei den Firmen, die ihre Schulden in ausländischen Währungen haben", sagt Janusz Jankowiak, Chefökonom der BRE Bank in Warschau. Die kurzfristige Stärke des Zloty ist daher eine gute Nachricht etwa für Aktien von Telekomunikacja Polska (TP SA). "Ein "Nein" der Iren hätte hingegen den Abwertungsdruck auf den Zloty erhöht", glaubt Jankowiak.

"Viele Fondsmanager haben sich gegen eine drohende Ablehnung der irischen Bevölkerung abgesichert und so genannte "Hedgepositionen" als Wette gegen die Landeswährungen aufgebaut", berichtet Harwig Wild, Devisenanalyst von Metzler Financial Markets. Diese müssten nun wieder abgebaut werden und treiben die Kurse der osteuropäischen Währungen gegen den Euro. Wild rechnet mit weiter steigenden Kursen osteuropäischer Anleihen.

"Die Unsicherheit ist nun weg. Die Türen zum 1. Januar 2004 stehen nun weit auf", sagtuch Elena Shaftan, Managerin des ADIG European Emerging Market Equity-Fonds. "Die zittrigen Hände sind vor der Entscheidung aus den Märkten gegangen", meint Michael Krautzberger, Manager des Union EuroAspirant Rentenfonds. Er favorisiert besonders ungarische Anleihen mit mittlerer Laufzeit. "Ungarn bietet angesichts von Renditeaufschlägen von 300 Basispunkten bei mittleren Laufzeiten gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit noch Kursphantasie", sagt Krautzberger.

Auch Metzler-Analyst Wild favorisiert ungarischen Anleihen, empfiehlt aber auch einen Blick nach Polen. "Eine niedrige Inflationsrate von derzeit 1,2 Prozent macht die Realverzinsung in Polen attraktiv", sagt Wild.

Thomas Amend von HSBC Trinkaus & Burkhardt favorisiert ebenfalls polnische und ungarische Anleihen, warnt aber gleichzeitig vor tschechischen Papieren. "Die Rendite tschechischer Staatsanleihen liegt sowohl am kurzen als auch am langen Ende unter der vergleichbarer deutschen Bundesanleihen", so Amend. "Am dortigen Anleihemarkt hat sich inzwischen eine Spekulationsblase gebildet", warnt auch Metzler-Osteuropaexperte Wild.

Piotr Kazimerski, Leiter der Aktienanalyse bei Société Generale Securities rechnet auch für den Aktienmarkt mit positiven Impulsen. "Spätestens wenn ein konkretes Beitrittsdatum feststeht,erden auch diejenigen Investoren stärker auf die Beitrittskandidaten achten, die sich zuletzt auf andere Märkte konzentriert haben", glaubt Kazimerski. Anlegern empfiehlt er polnische Aktien von Computerland und Prokom, aber auch Bankenwerte wie die des zweitgrößten polnischen Geldinstituts Bank Pekao SA und der Bank Przemyslowo-Handlowy PBK.

Analysten erwarten gemeinhin, dass Kreditinstitute mit am meisten von dem EU-Beitritt profitieren werden. ADIG-Managerin Elena Shaftan favorisiert dabei in erster Linie die Retail-Banken der Beitrittskandidaten, denn "der Vereinigungsprozess bringt eine höhere Kreditnachfrage mit sich." Sie empfiehlt die tschechische Komercni Banka und die ungarische OTP zum Kauf. Zudem rät sie zu Engagements in Ungarn, wo sie den Telefonkonzern Matav und die Ölgesellschaft MOL für attraktiv hält.

Im Baltikum ist der positive Trend nach dem Referendum am stärksten in Estland zu spüren. "Wir erwarten mehr ausländische Käufer", sagt Lauri Lind von der estnischen Hansapank. Nachgefragt werden neben Hansapank vor allem Estonian Telecom. Aber Lind warnt: "Das Referendum ist nur ein temporärer Aspekt. Vieles hängt auch davon ab, wie sich die internationalen Finanzmärkte in der kommenden Zeit entwickeln werden."

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